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F1 Tagebuch GP Brasilien 2014

Im Vorhof zur Hölle

Formel 1-Tagebuch - GP Brasilien 2014 Foto: xpb 32 Bilder

Die auto motor und sport Formel 1-Reporter berichten in ihren F1-Tagebüchern von ihren persönlichen Erlebnissen bei den 19 Grand Prix-Rennen der Saison 2014. In Teil 18 blickt Bianca Leppert hinter die Kulissen vom GP Brasilien.

21.12.2014 Bianca Leppert

Willkommen im Vorhof zur Hölle! So lautete die Warnung des Kollegen Michael Schmidt für mich als Brasilien-Neuling, als wir mit unserem Mietwagen das Flughafengelände von Sao Paulo verlassen. Nächster Hinweis: Lasse auf keinen Fall die Arme aus dem Fenster hängen. Die Motorradfahrer rasen ohne Rücksicht zwischen den Autokolonnen hindurch. Im dichten Verkehr der Großstadt sterben mindestens 10 Motorradfahrer am Tag. Wegen der vielen Staus bewegen sich die Reichen nur mit dem Helikopter von Haus zu Haus - so die Schmidtsche Kurz-Einweisung in den brasilianischen Stadtverkehr.

Wider Erwarten schaffen wir trotzdem die Fahrt zum Hotel ohne Blessuren. Und für den Notfall haben wir ja immer noch den Feuerlöscher unterm Sitz unseres Mietwagens. Ob da nicht eher ein Erste-Hilfe-Koffer angebracht wäre? Den könnte ich zumindest am Mittwoch im Pressezentrum gebrauchen. Ich leide unter akuter Unterkühlung. Die Brasilianer ticken offenbar wie die Amis und fühlen sich nur bei Kühlschrank-Klimatisierung wohl.

Außer uns hat niemand was zu meckern. Wir sind quasi die Einzigen vor Ort, weil wir Ihnen wie gewohnt schon am Mittwoch die ersten Fotos von der Strecke liefern wollen. Die Piste in Sao Paulo ist übrigens erst ein paar Monate vor dem Grand Prix neu asphaltiert worden. Neben dem Asphalt ist vor allem die neue Linienführung an der Boxeneinfahrt und im Senna-S interessant.

Vegetarier im Fleisch-Tempel

Die Entschädigung für die Arbeit in der Gefriertruhe erhalte ich am Abend. Michael hatte mir trotz meiner Bedenken schon prophezeit, dass auch ich als Vegetarier in den traditionellen Churrascaria Fleischtempeln fündig werde. Es lockt ein riesiges Salat- und Antipasti-Büffet. Als Nachspeise gibt es die berühmte Creme de Papaya mit Cassis-Likör. Die Steaks überlasse ich da gerne den anderen.

Zu unserer Tischrunde gehören an diesem Abend auch Nico Hülkenberg und sein Manager Werner Heinz. Während des Essens erfahren wir überraschend, dass Sauber Felipe Nasr als zweiten Fahrer neben Marcus Ericsson für 2015 verpflichtet hat. Uns klappt allen die Kinnlade herunter. Damit hatte niemand gerechnet. Auch Adrian Sutil und Giedo van der Garde wurden kalt erwischt. Beide waren davon ausgegangen, in der Saison 2015 für die Schweizer zu fahren.

Am Donnerstag wird die Sauber-Hospitality regelrecht belagert. Monisha Kaltenborn will jedoch nicht wirklich über das Fahrer-Schlamassel aufklären. Ihr Kommentar in Endlosschleife: "Das besprechen wir intern." Speedweek-Kollege Mathias Brunner merkt bei Twitter an, dass Kaltenborn mit ihrem Spruch "Ich weiß, was ich tue" irgendwie auch an Kimi Räikkönen erinnert. Es fehlt nur das anschließende "Lasst mich in Ruhe".

Kollege Brunner feiert an diesem Tag übrigens Geburtstag. Zur Abendunterhaltung beim Italiener trägt sein Schweizer Landsmann und Blick-Kollege Roger Benoit bei, der davon erzählt, wie er früher einmal für Heinz Prüller beim österreichischen Radio einspringen musste. Der Haken: Er liest den Radiobeitrag am Telefon inklusive aller Punkte und Kommas vor, weil er das so von der Übermittlung von Zeitungstexten an die Redaktion gewohnt ist. Wir schmeißen uns weg vor Lachen.

Das Thema Technik findet auch am darauffolgenden Abend mit Nico Rosbergs PR-Manager Georg Nolte seine Fortsetzung. Roger Benoit, der mit seinen 65 Jahren meine absolute Bewunderung für sein Engagement bei Twitter und Facebook hat und sogar den Live-Ticker für seine Redaktion schreibt, erklärt dem selbsternannten Handy-Verweigerer Michael Schmidt, wie ein "Selfie" gemacht wird. Nolte zeigt Slomo-Videos vom Headbanging mit dem langhaarigen Bild-Kollegen Helmut Uhl - ebenfalls schon im fortgeschrittenen Ü60-Reporter-Alter.

Rosbergs Brasilien-Sieg sorgt für WM-Spannung

Nolte freut sich dann auch am nächsten Tag darüber, dass sein Schützling nach der Pole Position auch das Rennen gewinnt und mit nur 17 Punkten Rückstand auf Lewis Hamilton ins Finale nach Abu Dhabi reist. Neben dem Mercedes-Duell interessieren sich die meisten aber immer noch für die Kostendiskussion rund um die Formel 1. Monisha Kaltenborn, Gerard Lopez und Vijay Mallya beantworten den ganzen Tag die Fragen der Journalisten zur bedrohlichen Lage der Königsklasse. Bei Mercedes, Red Bull und Ferrari interessiert man sich dagegen weniger für die Belange der kleinen Teams. Stattdessen streiten Toto Wolff, Marco Mattiacci und Christian Horner über die Weiterentwicklung der Motoren. Dabei sollte doch statt Politik eigentlich das spannende WM-Duell im Mittelpunkt stehen.

Weil die auto motor und sport-Stammtruppe Schmidt/Grüner das Finale ohne mich absolviert, beginnt mit der Zielflagge in Brasilien schon meine Formel 1-Winterpause. Der nächste Einsatz an der Rennstrecke ist erst für den GP Monaco 2015 geplant. Am letzten Abend geht es noch einmal zum Sushi-Essen. Bestellt wird per iPad. Natürlich muss ich den Kollegen dabei helfen etwas Essbares zu bekommen. Ich werde die alten Herren in den nächsten 5 Monaten vermissen.

In unserer Bildergalerie nehmen wir Sie mit hinter die Kulissen des GP Brasilien.

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