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F1-Tagebuch GP Brasilien 2016

Erstmals in der Hölle von Sao Paulo

Formel 1 - F1-Tagebuch - GP Brasilien 2016 Foto: ams 25 Bilder

Die Formel 1-Reporter von auto motor und sport berichten in ihren Formel 1-Tagebüchern von den persönlichen Erlebnissen bei den 21 Grand Prix der Saison 2016. In Teil 20 blickt Andreas Haupt hinter die Kulissen des GP Brasilien 2016.

20.12.2016 Andreas Haupt 3 Kommentare

„Bist du bereit für die Hölle von Sao Paulo?“, fragt mich Michael Schmidt vor unserer Abreise. Unser Formel 1-Chefreporter reist seit 1990 jährlich zum GP in die brasilianische Millionenstadt. Für mich ist es das erste Mal. Ich bin etwas angeschlagen. Seit Wochen bereitet mir mein Husten Kopfzerbrechen. Er will einfach nicht weggehen. Trotzdem fühle ich mich bereit und voller Tatendrang – auch als sich später der Husten wieder verschlimmert und Halsschmerzen zusätzlich belasten.

US-Wahlkampf auf Hinflug

Warum eigentlich Hölle, werden sich manche fragen. Schmidt bezieht das vor allem auf den Verkehr. Er kann in Sao Paulo so zäh fließen wie Honig. Oder so langsam wie der „schwarze Fluss“, den wir auf unserem Weg zur Strecke überqueren. Der Fluss sieht aus wie ein Tümpel. Da will man kein Körperteil reinhalten. Dann ist Sao Paulo ja auch noch bekannt für ein paar (Klein-) Kriminelle. Ich weiß noch, wie Jenson Button einmal vor bewaffneten Ganoven flüchten musste. Das war 2010. Gleich vorweg: Ich verspüre während der GP-Tage nicht einmal Angst. Niemand bedroht uns. Niemand macht auch nur den Anschein, uns ausrauben zu wollen.

Das Abenteuer meines siebten und letzten Rennens des Jahres beginnt wie immer in Stuttgart. Am Flughafen treffen wir Safety Car-Fahrer Bernd Mayländer, der eine andere Route nimmt. Er fliegt mit der Swiss über Zürich nach Sao Paulo. Wir über Frankfurt mit Lufthansa. Genauso wie Pascal Wehrlein, der im Flieger neben Schmidt sitzt. Ich muss mit der Economy Class vorlieb nehmen. Aber ich bin ja noch jung. Und wer auf ein Formel 1-Rennen darf, darf nicht meckern.

Einen Zittermoment habe ich, als mir die Dame am Schalter keine Bordkarte ausdrucken kann, weil mein Ticket nicht umgeschrieben ist. Ursprünglich hätten wir über München reisen sollen. Doch die Lufthansa stornierte die Route. Ich muss nochmal bei unserem Reisebüro anrufen. Ein paar Minuten später habe ich endlich mein Ticket. Und ich habe Glück: Der Mittelsitz bleibt leer und ich kann meine Beine ausbreiten. Sowohl auf dem Hin- als auch auf dem Rückflug.

Ein Thema beherrscht den 12-Stunden-Flug nach Brasilien. Die Amerikaner wählen ihren nächsten Präsidenten. Das für unmöglich gehaltene Szenario tritt tatsächlich ein. Donald Trump schlägt Hillary Clinton. CNN überträgt die Wahl live im Flieger. Mein Monitor ist dauerhaft angeschaltet. Mal schaue ich die Wahl, mal schlafe ich ein, zwei Stündchen, dann schaue ich weiter. Der Landeanflug fasziniert mich. Es ist, wie Schmidt es mir erzählt hat. Sao Paulo ist ein Meer an Hochhäusern, die wie kleine Zahnstocher aus der Erde ragen.

Mit Lauda in der Churrascaria

Die Fahrt vom Flughafen ins Hotel und am Montag nach dem Grand Prix zurück sind die einzig nervigen Momente. Einziger Lichtblick: Unter den Hochstraßen sind Bolzplätze eingerichtet. Sehen wir hier etwa die kommenden Ronaldos, Ronaldinhos und Robinhos kicken? Die Straßen sind voll, der Verkehr lahmt. Wir brauchen jeweils zwischen eineinhalb und zwei Stunden. Schmidt besteht auf einen unscheinbaren Mietwagen. Mit unserem Chevrolet – Kennzeichen FBI – sollten wir unter dem Radar der Kriminellen laufen.

Durch den Stadtverkehr zur Strecke läuft es ordentlich. Egal ob morgens oder abends. Unser Hotel liegt ziemlich zentral. Rund herum sind zahlreiche gute Restaurants verstreut. Zweimal zieht es uns in die Churrascaria. Einmal essen wir dort zusammen mit Niki Lauda. Das Fleisch vom Spieß schmeckt wie im Traum. Aber fast noch besser ist die Crema di Papaya. In ihr könnte ich baden. Auf den Caipirinha verzichte ich zugunsten eines Pfefferminz-Tees. Meine Kollegen spotten: Das sei genau der Fehler. Mit Tee würde ich den Husten nie wegbekommen…

Die Trainingstage laufen im Trockenen ab. Doch die Schlechtwetterfront für den Sonntag kündigt sich jeden Nachmittag mit einem Gewitter an. Am Renntag regnet es sich ein. Wir erleben einen Grand Prix, der sich über drei Stunden und eine Minute zieht, der zweimal abgebrochen und fünf Mal vom Safety Car angeführt wird. Die Fans quittieren es zweitweise mit gesenktem Daumen und Buhrufen. Auf die Formel 1 prasselt mal wieder Kritik ein. Diesmal weil die Autos nicht ohne Probleme im Regen fahren können. Die Fahrer schieben es auf Pirelli. Mayländer hat einen arbeitsreichen Nachmittag.

Verstappen wie Schumi und Senna

Lewis Hamilton kontrolliert das Geschehen von der ersten Minute an. Er ist in den Trainings, im Qualifying und Rennen der schnellste Mann. Er hat keinen Gegner. Nicht einmal Nico Rosberg. Doch ein anderer wird mit Lob überschüttet: Max Verstappen. In der Schlussphase des GP Brasilien schwimmt der Niederländer wie die ganz großen um die nasse Strecke. Vergleiche mit Ayrton Senna und Michael Schumacher werden gezogen. Verstappen überholt elf Autos in wenigen Runden, nachdem ihn ein Wechsel von Regen- auf Intermediate-Reifen auf Platz 14 zurückgeworfen hatte.

Es ist eine Fahrt wie aus dem Lehrbuch: Verstappen überflügelt seine Kollegen an unterschiedlichen Teilen der Strecke mit unterschiedlicher Linienwahl und mit großem Risiko, das sich auszahlt und ihn noch auf das Podest bringt.

Nach dem Rennen zieht es mich ins Williams-Motorhome. Weil ich hoffe, noch mit Felipe Massa sprechen zu können. Doch der kleine Brasilianer wird nach seinem letzten Heim-GP umlagert. Selbst die Journalisten bitten ihn um Autogramme auf T-Shirts oder auf ihre Fahrerlager-Pässe. Die Formel 1 wird Massa sicher vermissen. Und umgekehrt. Ein Abschied kann kaum schöner sein, obwohl der Routinier seinen Williams während des Rennens in die Leitplanke setzt. Er steigt aus, die Fans feiern ihn auf der Haupttribüne auf dem Weg in die Boxenstraße. Die Mechaniker empfangen Massa mit Applaus. Gänsehaut-Momente. Ich war dankbar, dabei gewesen zu sein. Von wegen Hölle.

In der Galerie finden Sie noch einige persönliche Impressionen der auto motor und sport-Reporter vom Geschehen hinter den Kullissen.

Neuester Kommentar

Stimmt Goldring3.

Was ist mit Damon Hill, Suzuka 1994. Da hat der Michael S. sehr alt ausgesehen...

Berndili 11. April 2017, 19:31 Uhr
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