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F1 Tagebuch GP England 2015

Fan-Ansturm und Crispy Duck

Lewis Hamilton - GP England 2015 Foto: Wilhelm 30 Bilder

Die auto motor und sport Formel 1-Reporter berichten in ihren F1-Tagebüchern von ihren persönlichen Erlebnissen bei den 19 Grand Prix-Rennen der Saison 2015. Im neunten Teil blickt Andreas Haupt hinter die Kulissen des GP England.

15.12.2015 Andreas Haupt

Ich muss es zugeben: Ich habe ein Faible für England. Obwohl das Wetter nicht nach meinem Geschmack ist. Warum dann trotzdem diese Anglophilie? Weil ich den englischen Humor mag. Weil mir der englische Fußball zusagt. Weil mir das Traditionsbewusstsein der Engländer taugt. Und weil - ganz wichtig - die Insel-Bevölkerung den Motorsport vergöttert.

Erster Besuch im "Home of British Motor Racing"

Das Formel 1-Wochenendes in Silverstone bringt den Beweis. Am Samstag strömen 105.000 Menschen an die Strecke. Am Rennsonntag sind es 140.000. Es ist aber nicht nur die Masse, die beeindruckt, sondern auch das Fachwissen des englischen Publikums. Die Leute leben und verstehen den Motorsport. Deshalb freue ich mich besonders auf meine erste Reise nach Silverstone. Ins sogenannte "Home of British Motor Racing". Tradition eben.

Nebenbei zählt die 5,891 Kilometer lange Strecke zu meinen Lieblingen. Obwohl mir die alte Variante besser gefallen hat. Kollege Michael Schmidt spottet: "Seit dem Umbau mit den vielen Versorgungs- und Verbindungsstraßen sieht Silverstone aus wie eine großer Parkplatz. Man erkennt die Streckenführung gar nicht mehr."

Unser Start am Mittwoch (1. Juli 2015) verläuft ein bisschen holprig. Man könnte ihn mit dem der Mercedes-Piloten vier Tage später vergleichen. Pole-Setter Lewis Hamilton geht mit Nico Rosberg aus der ersten Reihe ins Rennen. Dahinter lauern die Williams auf ihre Chance. Und die kommt gleich auf den ersten Metern. Felipe Massa katapultiert sich mit einem Raketenstart an die Spitze. Valtteri Bottas macht wenige Umläufe später nach einer Safety Car-Phase die Doppelführung der weiß-blauen Renner perfekt. Doch Mercedes sollte in gewohnter Weise zurückschlagen.

Wir werden im Gegensatz zu den Silberpfeilen nicht von der (Medien-) Konkurrenz geärgert, sondern von widrigen Umständen. Im Landeanflug unserer British-Airways-Maschine auf Stuttgart gerät ein Vogel - das arme Tier! - in das rechte Triebwerk. Es folgt der obligatorische Technikcheck, ob eine der Turbinenschaufeln beschädigt worden ist. Mein Kollege Michael Schmidt und ich zittern sogar darum, überhaupt noch am Abend nach England fliegen zu können. Schließlich gibt der Kapitän dann doch Entwarnung.

Hamilton mit dem goldenen Griff

Unser Glück hält sich allerdings weiter in Grenzen. Auf dem Weg vom Flughafen ins Hotel nach Milton Keynes geraten wir auf der M25 in einen Stau. Weil die Engländer aus vier Spuren innerhalb weniger hundert Meter eine machen, obwohl die Baustelle noch Meilen weit entfernt wirkt. So kommen wir erst um 23:30 Uhr Ortszeit im Hotel an.

Am nächsten Tag begrüßt uns Aprilwetter. Es scheint die Sonne. Ein paar Minuten später ist es bewölkt. Dann regnet und windet es, bis wieder die Sonne raus kommt. Tags zuvor sah das noch ganz anders aus. Die englischen Kollegen erzählen uns von einem Rekordtag. 36,7 Grad zeigte das Thermometer in London Heathrow an. So viel wie nie zuvor an einem Tag im Juli in England. Das Traumwetter sollte uns in den nächsten Tagen zwar verwehrt bleiben, doch kalt wird es nicht. Und so ein kleiner Regenguss hat noch keinem Formel 1-Rennen geschadet.

Während des GP tröpfelt es das erste Mal in Runde 35. Gerade in der Periode, als das Rennen nach einer aufregenden Frühphase seinen gewohnten Gang zu nehmen scheint, und ein langweiliges Schlussdrittel droht. Lewis Hamilton hat in der Zwischenzeit die Führung übernommen, da die Williams-Strategen einmal mehr viel zu konservativ agieren. Statt mit einem frühen Boxenstopp von Massa oder Bottas vorne zu bleiben, überlässt der Traditionsrennstall Mercedes die Initiative. Dazu kommt Strategie-Knarz am Boxenfunk, weil Bottas seinen Stallgefährten zunächst nicht angreifen darf. Das Weltmeister-Team dankt und bringt Weltmeister Hamilton mit einem Undercut an die Spitze. Bei Rosberg scheitert der Versuch hingegen.

Doch der WM-Zweite aus dem Vorjahr nutzt die feuchte Piste, schnappt sich die Williams und holt in Riesenschritten auf Hamilton auf. Bevor es zum Duell auf der Strecke kommt, steuert der Brite jedoch die Box an und holt sich die Intermediate-Pneus ab. Wie sich später herausstellt ein goldener Griff. Denn just in dem Moment fängt es an zu schiffen. Und Hamilton schwimmt zum dritten Heimerfolg. Rosberg kriecht einen Umlauf lang mit Slicks um die Bahn, verliert über zehn Sekunden und muss sich mit Platz zwei begnügen.

Crispy Duck und Grill-Abend

Der Regen begünstigt auch Sebastian Vettel, den es auf den letzten Podestplatz spült. Trotz der augenscheinlichen Probleme, die Ferrari das gesamte Wochenende über hat. Die Italiener schieben ihren farblosen Auftritt auf den Wind. Williams steht am Ende mit den Rängen vier und fünf im Regen. Genauso wie Kimi Räikkönen (8. Platz), der sich mit einem zu frühen Wechsel auf Regenreifen verzockt.

Einen Schritt nach vorn macht Force India. Das indisch-englische Team rückt in Silverstone erstmals mit seiner B-Version aus. Das runderneuerte Auto bringt die siebte Position für Nico Hülkenberg und den neunten Platz für Sergio Perez. Mit der B-Version sollte das Team im weiteren Verlauf der Saison noch kräftig punkten.

Was ist außerdem noch berichtenswert? Ach ja, die gute Crispy Duck, die wir an drei Abenden gemeinsam in unserer Journalistenrunde verspeisen. Sie schmeckt genauso gut, wie es mir Michael Schmidt und Tobias Grüner erzählt haben. Während wir Ente speisen, wird bei Mercedes am Donnerstag-Abend gegrillt. Gastgeber im Infield der Strecke: Nico Rosberg. Auch Lewis Hamilton ist geladen. Und er kommt auch.

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