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F1 Tagebuch GP England 2016

Zwischen Formel 1 und Fußball-EM

F1-Tagebuch - GP England 2016 - Silverstone - Formel 1 Foto: ams 28 Bilder

Die Formel 1-Reporter von auto motor und sport berichten in ihren Formel 1-Tagebüchern von ihren persönlichen Erlebnissen bei den 21 Grand Prix-Rennen der Saison 2016. In Teil 10 blickt Andreas Haupt hinter die Kulissen des GP England 2016.

10.12.2016 Andreas Haupt

Der GP England fällt in die Schlussphase der Fußball-Europameisterschaft. Die Halbfinalspiele und das Finale bekommen wir nur in Auszügen zu sehen. Zusammen mit Michael Schmidt reise ich am Mittwochabend, 19 Uhr, vom Stuttgarter Flughafen nach London Heathrow. Unser Flieger dreht zunächst eine Ehrenrunde am Boden. Auf dem Weg zur Startbahn waren die Bremsen zu heiß geworden, weshalb der Pilot noch eine Abkühlrunde einlegen muss. Das hat schon ein bisschen Formel 1-Flair. In der Königsklasse gönnen die Piloten dem Material, vor allem den sensiblen Reifen, auch mal Erholungsphasen.

Volle Hütte gleich großartige Stimmung

Zum Glück läuft der Flug reibungslos ab. Der Verkehr zwischen London und Milton Keynes, wo wir die kommenden Tage residieren, stellt uns auch kein Bein. Und so können wir zumindest noch die letzten fünf Minuten des ersten Halbfinales zwischen Portugal und Wales bei Peperoni-Pizza und Bier genießen. Die Portugiesen gewinnen mit 2:0. Am nächsten Abend spielt Deutschland um den Finaleinzug gegen Frankreich. Wir verpassen die erste Halbzeit, sehen dafür in unserem Hotel aber einen spannenden zweiten Durchgang. Mit Frankreich als späterem Sieger. Das Spiel um den EM-Titel verfolgen wir höchstens mit einem Auge. Es läuft am Sonntagabend auf den Monitoren im Pressezentrum. Aber zurücklehnen und Füße hochlegen ist nicht. Wir schuften stattdessen, um so viele Hintergrundberichte wie möglich ins Netz zu klopfen. Für die entscheidende Szene lupfen alle Journalisten ihren Kopf, der zuvor in den PC-Monitoren versunken war. Eder schießt die Portugiesen zum EM-Titel.

Aber jetzt zur Formel 1. England ist großartig. Die Menschen, die Ortschaften mit ihren alten Backsteinhäusern und Pubs, der britische Humor: Ich liebe das Rennen in Silverstone. Die Strecke sagt mir auch nach den Umbauten immer noch zusagt. Die Fans sind einfach nur großartig. Schon am Donnerstag fluten die Zuschauer die Boxengasse, sodass ich in der Menge eingezäunt werde. In zehn Minuten komme ich nicht einen Schritt voran. Mein Fehler: Ich wollte Fotos vom Scrutineering machen, während es den Fans erlaubt war, in die Boxengasse zu kommen.

Die Fans stehen natürlich auf der Seite von Lewis Hamilton. Mit einem Plakat nehmen sie Nico Rosberg auf die Schippe: „Nico, Achtung, vorne kommt eine Rechtskurve. Einlenken nicht vergessen.“ Eine Anspielung an den Zusammenprall von Spielberg. 298.000 strömen an den drei Event-Tagen in das Mekka des britischen Motorsports. 135.000 allein am Sonntag. Die Hütte ist voll. Und der Lokalmatador und Fanliebling braust souverän erst über eine nasse Piste und lässt auch auf abtrocknendem Asphalt und Slicks nichts anbrennen. Für Hamilton ist es bereits der vierte Heimsieg.

Nico Rosberg zankt sich mit Max Verstappen. Zunächst geht der Red Bull-Pilot auf Intermediates am Silberpfeil mit der Startnummer sechs vorbei. Der Konter folgt aber auf Trockenreifen später im Rennen. Rosberg gewinnt den zweiten Platz auf der Strecke, verliert ihn aber nachträglich am grünen Tisch. Die Sportkommissare um Nigel Mansell brummen ihm eine Zehnsekundenstrafe auf, weil ihn Mercedes nach einem Getriebe-Problem in der Schlussphase unerlaubt coachte. Die elende Funkdiskussion flammt wieder auf. Später im Jahr sollte die FIA das Funkverbot aufheben und die Kommunikation zwischen Fahrer und Team wieder komplett frei stellen.

Im Ford Fiesta zur Rennstrecke

Schmidt scheint die englischen Kreisverkehre zu lieben. Wenn die Straßen frei sind, brezelt er gerne mal etwas flotter durch. Unser Mietwagen ist ein Ford Fiesta. Die Fahrer reisen deutlich luxuriöser oder extravaganter. Hamilton steigt auf seine MV Agusta Brutale 800. Die McLaren-Piloten donnern im 310 PS starken Honda Civic Type R an die Strecke. Red Bull reist mit dem edlen Aston Martin Lagonda. In den Genuss einer Luxusausstattung kommen wir nur am Freitagmorgen. Ein Mercedes-Van bringt die Reportermeute vom Parkplatz zum Pressezentrum. Das helle Leder schmeichelt Rücken und Po. Die fünfminütige Fahrt vom Parkplatz zum Pressezentrum über die unzähligen Servicestraßen zeigt, wie größenwahnsinnig der Formel 1-Zirkus geworden ist. Wir fahren vorbei an 16 Trucks von Ferrari und 14 von McLaren. Eine riesige Armada, die nur ein Teil der Fahrzeugflotte ist. So viel Material karren die Teams inzwischen an die Rennbahnen dieser Welt. Da würde eine Begrenzung gut tun.

Am Trainingsfreitag hat Force India-Teambesitzer Vijay Mallya seinen großen Auftritt. Der Geschäftsmann ist erstmals in diesem Jahr bei einem Grand Prix. Streitigkeiten mit den indischen Behörden verhinderten eine Ausreise aus England. Auf der FIA-PK steht Mallya Rede und Antwort zu seinen Rechtsstreitereien. Ohne die juristischen Details genau zu kennen: Man muss Mallya anrechnen, dass er sich nicht vor den Fragen der Journalisten versteckt.

Die Betreiber kühlen das Pressezentrum auf Gefrierschranktemperaturen. Obwohl außen nicht gerade der englische Sommer lacht. Im Prinzip müsste man mit Winterhandschuhen auf den Tasten klimpern, damit die Finger nicht einfrieren. Für mich sind die kalten Temperaturen Gift, weil sie meinen ewig nervigen Husten wieder heraufbeschwören. Unsere Körper erwärmt wie immer die köstliche Crispy Duck, die wir an zwei von fünf Abenden verzerren.

Williams-Mechaniker bocken

Was bewegt mich sonst in Silverstone? Mein kleines Scharmützel mit den Williams-Mechanikern, denen es sauer aufstößt, dass ich das Heck des FW38 abfotografiere. „Keine Fotos vom Diffusor“, raunzt mir einer der Mechaniker zu. „Oder sollen wir zur FIA gehen?“ Wenn sie so wollen gerne. Es ist meine Aufgabe, für unsere technikinteressierten Leser auch das Heck des Williams abzulichten. Und warum soll ich das in der Boxengasse nicht dürfen? Ich renne ja nicht ungefragt in die Williams-Garage.

In der Galerie finden Sie noch einige persönliche Impressionen der auto motor und sport-Reporter vom Geschehen hinter den Kullissen.

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