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F1 Tagebuch GP Italien 2014

Ferrari-Ärger in Monza

Formel 1-Tagebuch - GP Italien 2014 Foto: xpb 31 Bilder

Die auto motor und sport Formel 1-Reporter berichten in ihren F1-Tagebüchern von ihren persönlichen Erlebnissen bei den 19 Grand Prix-Rennen der Saison 2014. In Teil 13 blickt Bianca Leppert hinter die Kulissen vom GP Italien.

16.12.2014 Bianca Leppert

Die Reise zur Formel 1 nach Monza war nicht mein erster Italien-Trip in diesem Jahr. Schon im April gastierte dort bereits die Blancpain Endurance Serie, über die wir in unserem Schwester-Magazin sport auto berichten. Zudem durfte ich ein Porsche-Fahrertraining und ein weiteres Sportfahrer-Training auf der Highspeed-Strecke begleiten. Doch wenn die Formel 1 im Königlichen Park Station macht, herrscht plötzlich eine ganz andere Atmosphäre. Man merkt, wie die ganze Region rund um die Rennstrecke dem Jahreshöhepunkt entgegenfiebert. Könnten die alten Mauern rund um Curva Grande und Co. sprechen, hätten sie wahrscheinlich einiges zu erzählen.

Blick in die Monza-Vergangenheit

Schon am Nachmittag atme ich die Vergangenheit bei unserem Spaziergang durch die alte Steilkurve ein. In diesem Jahr ist das Motorsport-Denkmal allerdings etwas verschandelt worden. Die Parabolica wurde an der Außenseite großflächig asphaltiert. Wir inspizieren deshalb sofort die Veränderungen. Immerhin ist der schnelle Rechtsbogen trotz der Modernisierung nicht zur Mickey-Maus-Kurve geworden. Sie bleibt eine echte Mutprobe.

Am Abend in unserem Stammhotel bekomme ich schließlich eine weitere Geschichtsstunde. Die Grand Prix-Urgesteine Michael Schmidt und Roger Benoit erzählen Horror-Storys aus der Vergangenheit. Zum Beispiel von alten Magnesium-Chassis, die einigen Piloten den Feuertod brachten. Oder wie früher Texte für die Magazine und Zeitungen noch am Telefon durchgegeben wurden, weil man noch nicht mal wusste, wie man Internet schreibt.

Da sieht es heute ganz anders aus. Über Twitter und Co. verbreiten sich Nachrichten in Sekundenschnelle. Zum Beispiel die, dass bei Caterham plötzlich wieder Kamui Kobayashi im Cockpit sitzt. Erst am Mittwoch vor dem Rennen erfuhr der Japaner von seiner kurzfristigen Berufung. Er flog direkt aus Tokio ein. Zuvor war auch André Lotterer wieder im Gespräch, der für Caterham in Spa angetreten war. Doch der Le Mans-Sieger verzichtete freiwillig auf die undankbare Aufgabe des Lückenfüllers.

Alonso als Puffer im Mercedes-Streit

Ebenfalls brisant: Lewis Hamilton und Nico Rosberg treffen nach dem Crash in Belgien in der offiziellen Pressekonferenz wieder aufeinander. Fernando Alonso sitzt als Puffer dazwischen. Als der Spanier gefragt wird, ob er den Friedensrichter spielen wolle, sagt er zur Erheiterung der Journalisten, dass dies nicht seine Aufgabe sei.

Als wir nach diesem ereignisreichen Tag zusammenpacken und uns auf den Weg aus dem Fahrerlager Richtung Parkplatz machen, wird Kollege Schmidt plötzlich gestoppt. Vor dem Eingang warten die Tifosi auf die Ferrari-Stars. Ein Fan wartet aber offensichtlich nur auf meinen Begleiter. Er hat sogar eines der Bücher von Michael Schmidt zum Signieren mitgebracht. Später erzählt mir mein Kollege, dass er fast jedes Jahr von diesem Fan um ein Autogramm gebeten wird. Auch so etwas wird wohl in Zeiten des Internet-Journalismus irgendwann aussterben.

Trotzdem muss ich am Abend ohne den Star an meiner Seite essen. Die Kollegen Schmidt und Benoit sind persönlich zur privaten Runde mit Mario Andretti eingeladen. Der charismatische F1-Weltmeister weilt in Monza, um die Werbetrommel für den Grand Prix der USA zu rühren. Ich verabrede mich stattdessen mit dem F1-Reporter Gregor Messer von der Autozeitung. Er erntet genau wie ich regelmäßig den Spott der oben genannten F1-Kollegen für die Begeisterung für Breitensportserien wie Porsche Supercup und Co. Wenigstens können wir jetzt ohne Zwischenkommentare über Rennautos mit Dach fachsimpeln.

Italien diskutiert über Ferrari-Chef

Auch über den skurrilen Auftritt von Luca di Montezemolo am Freitag im Fahrerlager wird lange gefachsimpelt. Ferrari steht ohnehin in Monza im Mittelpunkt. Doch weil Gerüchte um einen Rücktritt des Ferrari-Boss die Runde machen, drängeln sich alle Journalisten rund um das Ferrari-Motorhome. Wir erfahren schließlich, dass es keinen Rücktritt gibt. Dass die Gerüchte nicht ganz unbegründet sind, erfahren wir erst einige Zeit später, als der Capo tatsächlich seinen Stuhl räumt.

Auch ich trage an diesem Wochenende meinen persönlichen Kleinkrieg mit Ferrari aus. Auf der Jagd nach Schnappschüssen für unsere Technik-Galerie spielen die Ferrari-Mechaniker Katz und Maus mit mir. Wir laufen um das ganze Auto herum und jedes Mal, wenn ich abdrücken will, stellt sich einer vor die Linse. Ganz schön anstrengend.

Ich mache den Vorschlag, dass sie mir die neuen Technik-Updates einfach verraten könnten. Dann hätten beide Seiten weniger Stress. Doch die Herren bleiben hartnäckig. Ich spiele das Spiel noch ein paar Minuten mit und bedanke mich schließlich für das tolle Entertainment. Es wundert mich immer wieder, dass die Techniker an einem stressigen Grand Prix-Wochenende nicht etwas Besseres zu tun haben, als Journalisten zu ärgern.

Das Rennen selbst liefert indes wieder jede Menge Futter für Spekulationen. Weil sich Nico Rosberg gleich mehrmals in der Schikane verbremst und dabei Lewis Hamilton kampflos vorbeilassen muss, vermuten einige Verschwörungstheoretiker eine auferlegte Wiedergutmachung für den Unfall in Spa. Mercedes dementierte das natürlich. Nur 14 Tage später gibt es in Singapur erneut Diskussionen um Rosberg. Da spielt das Lenkrad plötzlich verrückt. Aber das erzählt Ihnen dann Kollege Grüner.

In unserer Bildergalerie nehmen wir Sie mit hinter die Kulissen des GP Italien.

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