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F1 Tagebuch GP Italien 2015

Zum ersten Mal im Parco di Monza

GP Italien 2015 - Tagebuch Foto: ams 28 Bilder

Die auto motor und sport Formel 1-Reporter berichten in ihren F1-Tagebüchern von ihren persönlichen Erlebnissen bei den 19 Grand Prix-Rennen der Saison 2015. Im 12.Teil blickt Andreas Haupt hinter die Kulissen des GP Italien.

18.12.2015 Andreas Haupt

Dem GP Italien habe ich am stärksten entgegen gefiebert. Aus einfachen Gründen: Die Strecke mit ihren langen Geraden gehört zum Inventar der Formel 1. Die Tifosi sind so emotional geladen wie die Fans nirgends sonst. Und die Piste liegt malerisch in einem Park. Wenn man außen an ihm vorbeifährt, würde man das gar nicht vermuten. Inmitten der Wälder pocht das Herz der Formel 1.

Monza muss im Kalender bleiben

Mich wundert es, dass überhaupt auch nur daran gedacht wird, Monza vielleicht einmal aus dem GP-Kalender zu werfen. Sollte nicht genügend Geld in die Kasse der Rechteinhaber fließen. Die Formel 1 sollte ihre Traditionsstrecken schützen wie eine Mutter ihre Kinder. Ohne Monza, Silverstone, Monaco und Spa würde die Königsklasse ihre Seele verkaufen und die Fans würden sich noch mehr von ihr abwenden.

Monza ist einzigartig. Zum ersten Mal sehe ich die Steilkurven mit meinen eigenen Augen. Es ist unglaublich, wie sehr sie überhöht sind. Auch die Fahrer der heutigen Generation staunen. Ich bin mir sicher, dass sie alle selbst gerne durch die Highspeed-Kurven brettern würden. Lewis Hamilton durfte es 2015 bei einer Fotofahrt zusammen mit Sir Stirling Moss.

Ob es zu gefährlich wäre, mit der heutigen Fahrzeuggeneration die Steilkurven wieder zu beleben? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Apropos Gefahr: Sie wird der Motorsportwelt in den Tagen vor Monza einmal mehr vor Augen geführt. Bei einem Indy-Car-Rennen in Pocono wird Fahrer Justin Wilson tödlich verletzt. Sofort poppen auch in der Königsklasse des Motorsports die Sicherheitsdiskussionen hoch. Jenson Button will endlich echte Lösungen sehen. "Meinetwegen auch eine Kanzel." McLaren-Teamkollege Fernando Alonso stimmt dem Weltmeister von 2009 zu. Dagegen spricht sich Nico Hülkenberg gegen geschlossene Cockpits aus. Die Formel 1 ist auch hier gespalten. Wie in so vielen dringenden Fragen.

Pirelli im Fokus

Zum Aspekt Sicherheit gesellen sich im Fahrerlager von Monza noch zwei weitere große Themen. Eines ist wie gemalt für den Boulevard: Lewis Hamilton blondierte sich die Haare wie einst David Beckham. Warum? "Weil ich es kann." Eine klasse Antwort, finde ich. Zur Freude der Klatschpresse, aber auch zu unserer Belustigung, äußert sich auch Nico Rosberg zur gewagten Frisur seines Teamkollegen. "Ich finde es witzig. Er hatte sich seit meinem 14. Lebensjahr über meine blonden Haare lustig gemacht und jetzt hat er selbst welche." Hamiltons Antwort ist erneut klasse: "Ich habe nie Spaß über seine Haarfarbe gemacht. Es war so: Nico hatte früher einen ziemlich langen Vorhang im Gesicht und den hat er sich wie eine Dame aus dem Gesicht gestreift."

Das andere große Thema ist wieder ein rein sportliches. Die Reifenplatzer von Spa hallen bis nach Italien nach. Pirelli zieht die Daumenschrauben an und erhöht verbindlich die Reifendrücke, die man bis zum Rennstart noch zweimal nachkorrigiert. Kritiker werfen dem italienischen Reifenlieferanten eine Panikreaktion vor. In Monza kommt es zum Friedensgipfel zwischen Bernie Ecclestone, Pirelli, Ferrari, Red Bull, Mercedes, Sebastian Vettel, Fernando Alonso, Hamilton und Rosberg. Das Ergebnis in der Kurzzusammenfassung: Alle Beteiligten gelobten Besserung und einen intensiveren (Daten-) Austausch.

Trotzdem bleibt Pirelli im Fokus. Nicht aber, weil erneut ein Reifen platzt, sondern weil Hamiltons Mercedes kurz vor dem Rennstart zu wenig Druck in den Reifen hat. Konkret geht es um den Gummi links hinten, der den vorgeschriebenen Mindestwert von 19,5 PSI um 0,3 unterschreitet.

Rosberg erlebt sein Waterloo

Bis um 17:48 Uhr, also rund 2:30 Stunden nach Ende des kürzesten und schnellsten GP des Jahres, steht der Sieg des Briten auf der Kippe. Die Journalisten belagern bis dahin das Mercedes-Motorhome. Als mir Lewis Hamilton entgegen kommt, frage ich ihn, ob er schon wisse, ob er seinen Sieg behalten darf. Doch er ignoriert meine Frage. Vielleicht hat er sie aber in dem Getümmel einfach nicht gehört. Unter seiner Sonnenbrille vernehme ich jedenfalls keine Reaktion. Dann gibt Toto Wolff Entwarnung und verkündet, dass die FIA das Ergebnis bestätigt hat. Hamilton behält seinen verdienten Triumph.

Rosberg erlebt dagegen ein Waterloo. Kurz vor Rennende lösen sich seine WM-Träume in weißem Rauch auf, der aus dem V6-Turbo seines AMG W06 seigt. Sebastian Vettel feiert dagegen sein erstes Podest in Rot, Felipe Massa wiederholt den dritten Platz aus dem Vorjahr.

Für ein besonderes Highlight ist am Qualifying-Samstag Sir Jackie Stewart verantwortlich. Die F1-Legende dreht vor dem Zeittraining eine Runde in einem BRM P261. Mit dem alten Renner gewann Stewart 1965 in Italien seinen ersten GP in einem packenden Rennen. Schönes Detail: Auf seiner Fahrt trägt der Weltmeister von 1969, 71 und 73 seinen Originalhelm und die Originalbrille. Einfach genial.

Unsere Rückreise führt uns durch den Gotthardtunnel. Eine eher langweilige Fahrt. Der Hinweg war wesentlich spannender. Er führte meinen Kollegen Michael Schmidt und mich über den Splügen Pass von der Schweiz nach Italien. Die Serpentinen: der Wahnsinn. Einmal kreuzt sogar ein mutiges Murmeltier unsere Bahn. Kollege Schmidt ist übrigens in Monza kein Unbekannter: Auf dem Weg von der Strecke zum Parkplatz in den Wäldern muss die Reporterlegende für die wartenden Fans Autogramme geben. Wie Hamilton und Co.

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