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F1 Tagebuch GP Kanada 2015

Konfrontation mit dem Fan

F1 Tagebuch - GP Kanada 2015 Foto: ams 27 Bilder

Die auto motor und sport Formel 1-Reporter berichten in ihren F1-Tagebüchern von ihren persönlichen Erlebnissen bei den 19 Grand Prix-Rennen der Saison 2015. In Teil 7 blickt Tobias Grüner hinter die Kulissen des GP Kanada.

13.12.2015 Tobias Grüner

Auf der Reise nach Montreal gingen mir viele Fragen durch den Kopf: Wird sich Lewis Hamilton von der unglücklichen Niederlage gegen Rosberg in Monaco beeindrucken lassen? Wie wird sich das Kräfteverhältnis auf der ersten richtigen Highspeed-Strecke des Jahres verändern. Und vor allem: An welchem Abend gehen wir endlich ins Baton Rouge Steakhouse, um meine heißgeliebten BBQ-Ribs zu futtern?

Die Quebec-Metropole ist immer eine Reise wert. An einem Grand Prix-Wochenende gibt es jede Menge zu sehen. Viele Fans kommen mit ihren teuren Autos, um die Motoren zwischen den Häuserschluchten aufheulen zu lassen. Wenn Sie uns nicht glauben - hier ist unsere Carspotting-Galerie. Die große F1-Party verteilt sich komplett über Downtown Montreal. Der Trubel wird bisweilen schon fast etwas zu viel. Die Restaurants sind überfüllt. Auf den Gehwegen eckt man ständig an. Und die Shuttles von der Innenstadt an die Rennstrecke brauchen für wenige Kilometer eine gefühlte Ewigkeit.

Blick aus dem Formel 1-Elfenbeinturm

Als deutscher Journalist sollte man sich aber nicht laut über zu viele Fans beklagen. Angesichts leerer Tribünen und sinkenden TV-Quoten kann man über jedes Land froh sein, in dem die Formel 1 noch so angesagt ist. Und in Montreal sind die Zuschauer wirklich hartnäckig. Selbst wenn es regnet, sitzen sie schon Stunden vor dem Start der Sessions auf ihren Plätzen. Die Autogrammstunde der Fahrer in der Boxengasse war am Donnerstag wie üblich komplett überlaufen.

Will man vor den Garagen auf die Jagd nach Technik-Fotos gehen, kann das schon mal schwierig werden. Wenn erst noch 20 Selfies neben dem neuen Ferrari-Frontflügel geschossen werden müssen, dann hilft dem akkreditierten Journalisten auch der rote FIA-Pass nicht weiter. Da muss man Geduld beweisen, auch wenn der nächste PK-Termin nur noch Minuten entfernt ist. Die Zuschauer haben schließlich viel Geld für die Tickets bezahlt und haben ein Recht, den Autos nahe zu kommen.

Die kanadischen Fans sind derart enthusiastisch bei der Sache, dass man beim Feierabendbier in den zahlreichen Bars schnell ins Gespräch kommt. Wenn die deutschen Journalisten aus dem Nähkästchen plaudern, werden sogar die NHL-Eishockey-Playoffs zur Nebensache. Dieser Austausch mit den Fans ist auch für uns extrem wichtig. Aus dem Formel 1-Elfenbeinturm verliert man schnell den Blick fürs Wesentliche. Überrascht hat zum Beispiel, dass der mangelnde Sound auch im Jahr 2 der Hybrid-Motoren immer noch das große Aufreger-Thema ist.

Rennanalyse mit Schwierigkeiten

Das Fahrerlager auf der Ile Notre Dame mitten im Sankt Lorenz-Strom hat seinen ganz eigenen Charme. Nur in Monte Carlo und Sao Paulo ist die Gasse zwischen Teampavillons und Boxengebäude noch enger. Immerhin kann einem hier niemand davonlaufen. Vor allem nach der Zieldurchfahrt ist das ganz praktisch. Wenn alles vorbei ist und die Mechaniker schon mit dem Abbau der Garagen beginnen, gibt es leider keinen geregelten Zeitplan mehr für Presserunden. Man muss praktisch jeden anquatschen, der einem irgendetwas Interessantes zum Rennen erzählen kann.

Ich werde nie verstehen, warum die Teams am Sonntagabend nicht etwas mehr Aufwand für die Journalisten betreiben. Das Rennen ist der Höhepunkt des Wochenendes. Und unsere Leser erwarten von uns zurecht Analysen und Hintergründe dazu. Wir müssen mehr liefern, als das Fernsehen. Doch das ist leider nicht immer einfach, wenn sich die Ingenieure stundenlang in Briefings verstecken oder die Fahrer nicht vom Massage-Tisch aufstehen wollen. Oft sind die Hauptdarsteller direkt nach dem Fallen der Zielflagge schon auf dem Weg zum Flughafen, wenn wir gerade mit der Recherche loslegen wollen.

Bei mir gab es dieses Mal allerdings schon vor dem Rennen die größte Hektik. Am Sonntagmorgen bemerke ich, dass sich meine SD-Karte nicht mehr aus der Kamera entfernen lässt. Auch bei den Service-Technikern im Fotografen-Zelt wusste man nicht weiter. Aus Angst die Kamera zu beschädigen verweigerten mir die Experten die Hilfe.

Mein Retter in der Not war am Ende Arai-Helmtechniker Peter Bürger. Der Ingenieur schnappte sich meine Kamera, ging in die Garage von Force India und entfernte die SD-Karte mit einer Zange auf brutale Art und Weise. Das Speichermedium überlebte den Eingriff nicht. Der Slot in der Kamera war anschließend auch etwas verbogen, ließ sich aber noch benutzen. Mit einer neuen SD-Karte ging es in der Startaufstellung anschließend auf die Jagd nach Technik-Details.

Kanada-Fans bekommen Langweiler-Rennen

Nach dem Rennen gab es dieses Mal nicht viel zu analysieren. Ferrari war trotz Motor- und Aero-Upgrade nicht in der Lage, Mercedes herauszufordern. Sebastian Vettel brachte sich durch ein schwaches Qualifying schon früh um alle Chancen. Kimi Räikkönen drehte sich im Rennen und versuchte den Fahrfehler anschließend der Technik in die Schuhe zu schieben.

Auch das Mercedes-Duell war schnell entschieden. Um die Eingangsfrage zu beantworten: Hamilton ließ sich von der unglücklichen Monaco-Niederlage nicht aus der Spur bringen. Immer wenn der zweite Silberpfeil von Nico Rosberg im Rückspiegel größer wurde, pfiff ihn die Box zurück. Zu hohe Bremstemperaturen brachten die Fans um ein spannendes Duell. Aber die Fans in Montreal sind bekanntlich hart im nehmen und lassen sich von einem nur mittelmäßig spannenden Rennen hoffentlich nicht davon abhalten, im nächsten Jahr wieder zu kommen.

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