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F1 Tagebuch GP Malaysia 2015

Vettels erster Streich für Rot

Sebastian Vettel - Ferrari - GP Malaysia 2015 - Formel 1 Foto: xpb 31 Bilder

Die auto motor und sport Formel 1-Reporter berichten in ihren F1-Tagebüchern von ihren persönlichen Erlebnissen bei den 19 Grand Prix-Rennen der Saison 2015. Im zweiten Teil berichtet Andreas Haupt vom GP Malaysia.

08.12.2015 Andreas Haupt

Meine Formel 1-Saison beginnt mit dem zweiten Rennen in Kuala Lumpur. Es ist meine erste richtige. Zwar durfte ich meine beiden Kollegen bereits zu Testfahrten begleiten und beim GP Spanien 2014 als dritter Reporter mit an die Strecke, doch irgendwie fühlt es sich erst jetzt nach einem echten Startschuss an. Schließlich werde ich 2015 zu sieben Grand Prix reisen.

Schockierende Nachricht kurz vor der Landung

Unsere Reise nach Südostasien startet am 24. März in Stuttgart. Es geht via Frankfurt und Dubai nach Kuala Lumpur. Wir müssen früh aus den Federn. Der erste Flieger hebt um 7:00 Uhr morgens ab. In Frankfurt schieße ich das erste Foto für unser Tagebuch. Das Objekt: eine Boeing 777-300. Die Flüge laufen reibungslos. Das Essen an Bord von Emirates schmeckt, und ich finde sogar ein bisschen Schlaf. Kurz vor der Landung in Malaysia checke ich auf meinem kleinen Sitzmonitor die Nachrichten. Eine davon ist schockierend. Auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf soll eine Maschine von Germanwings abgestürzt sein.

Aus der Meldung wird später traurige Gewissheit. Alle 150 Insassen kommen bei der Tragödie ums Leben. Trotz unseres großen Tagespensums beschäftigt uns das Unglück sehr in den kommenden Tagen. Auch über 9.900 Kilometer entfernt von der Heimat bröckeln die Details herein. Das schreckliche Puzzle fügt sich nach und nach. Kollege Schmidt fragt mich jeden Abend im Hotel nach den neuesten Erkenntnissen. Das lässt sich über ein Handy, das er selbst nicht besitzt, eben schneller machen, als über den eigenen PC. Schließlich muss der ja erst einmal angeworfen werden.

Wir landen am 25. März um 9:00 Uhr in Kuala Lumpur. Im Gegensatz zu Michael Schmidt habe ich kein malaysisches Geld in der Tasche. Im Bankautomat ziehe ich mir 1.000 Ringgit. Damals umgerechnet etwa 250 Euro. Wie sich im Nachhinein herausstellen wird, viel zu viel. Das Essen ist recht billig. Am Ende unseres Trips werde ich noch etwa 600 Ringgit übrig haben. Den Großteil tausche ich zurück, ein paar Scheine hebe ich mir zur Erinnerung auf. So habe ich es mir vorgenommen. Aus jedem Land muss ich irgendetwas mitbringen.

Nachdem wir unseren Mietwagen abgeholt haben, geht es weiter an die Strecke. Richtig gelesen. Nix duschen, nix frisch machen oder ausruhen im Hotel. Wir geben gleich Vollgas. Die Fahrt vom Flughafen dauert nur zehn Minuten. Bereits in den frühen Morgenstunden brennt die Sonne runter. Die hohe Luftfeuchtigkeit macht mir aber nicht so viel aus, wie ich vorher befürchtet hatte.

Fernando Alonso gibt sein Comeback

Im Pressezentrum beziehen wir die von unserem Schweizer Freund Roger Benoit reservierten Plätze. Ich ziehe gleich los, um die ersten Schüsse vom Aufbau im Fahrerlager und aus der Boxengasse zu machen. Es ist ein geiles Gefühl, wenn aus Fernsehbildern die eigene Realität wird. Während ich nach schönen Motiven suche, sucht Michael Schmidt nach ersten Gesprächspartnern.

Das große Thema im Fahrerlager ist das Comeback von Fernando Alonso. Nach seinem schweren Unfall bei den Testfahrten in Barcelona kehrt der zweifache Weltmeister in den GP-Zirkus zurück. Den Saisonauftakt in Australien hatte der neue McLaren-Piloten noch auslassen müssen.

Fragen zum Unfall lässt McLaren nur auf der offiziellen FIA-Pressekonferenz am Donnerstag zu. Die Journalisten löchern Alonso. Und der brüskiert sein Team. Alonso schiebt der Lenkung den schwarzen Peter zu. McLaren seinerseits will in den Daten keine technischen Auffälligkeiten erkannt haben. Auch am Wind soll es Alonso zufolge nicht gelegen haben: "Bei diesem Tempo hätte nicht einmal ein Hurrikan das Auto bewegen können." Der Unfallhergang bleibt weiter mysteriös. Eine schlüssige Erklärung gibt es bis heute nicht. Ob die Schuld den Fahrer oder die Technik trifft: Wahrscheinlich werden wir es nie erfahren.

Das Spiel mit den Mechanikern

Apropos Technik. Die Formel 1 ist ein sehr technischer Sport. Das fasziniert nicht nur uns Journalisten, sondern auch die Fans. Wir merken das an unseren Abrufen. Ein neues Leitblech hier, oder ein zusätzliches Flügelchen dort, und sei es noch so klein, sorgt für gute Klick-Zahlen. Allerdings wollen die Teams ihre Autos verstecken. Manchmal habe ich das Gefühl, dass sie ihre Rennwagen am liebsten in Schachteln packen würden und erst zum GP herausholen wollen. Damit auch ja niemand irgendetwas sieht.

Ich bin bei den Mechanikern noch nicht bekannt. Also halten sie mich potentiell für einen Spion. Einer, der von einem anderen Team angeheuert wurde und nun technische Details abfotografiert. Bei Mercedes und Lotus fragt mich ein Mechaniker nach meinem Fahrerlager-Pass. Erst danach darf ich halbwegs frei fotografieren. Bei Ferrari und Red Bull stellt man sich mir vor die Linse. Egal an welcher Ecke des Autos ich mich gerade befinde. Trotzdem klappt es mit guten Fotos. Man muss nur auf den richtigen Moment warten. Und dann schnell sein.

Es ist ein Privileg, zu einem Formel 1-Rennen reisen zu dürfen. Man kommt, wie sagt man so schön, in der Welt herum. Auch wenn man vom Land nicht so viel sieht und mitbekommt, wie Außenstehende glauben mögen. Kuala Lumpur sehe ich zum Beispiel nur aus der Luft. Der Zeitplan ist zu eng getaktet für einen Abstecher in die malaysische Millionen-Metropole. Nico Rosberg schafft es dagegen. Er stiefelt sogar die 2.170 Stufen der Petronas-Towers hoch.

Wir verlassen unser Hotel immer gegen acht Uhr morgens. Zurück sind wir nicht vor acht Uhr abends. Meistens wird es später. Am Sonntag kehren wir dem Pressezentrum erst um 1:15 Uhr den Rücken. Nur drei tapfere Franzosen und ein japanischer Reporter halten es länger aus.

Vettel spielt Mercedes einen Streich

Das Rennen ist aus meiner Sicht ein Knaller. Weil Ferrari und Sebastian Vettel entgegen der Erwartungen mit Mercedes mithalten können. Sogar auf trockener Strecke. Im verregneten Qualifying konnte sich der Ferrari-Neuzugang bereits zwischen die Silberpfeile schieben. Da war es aber halt auch nass. Im Gegensatz zum Rennsonntag. Rund eine Stunde vor dem Start frage ich Ferrari-Pressesprecher Alberto Antonini, ob ihm Regen nicht lieber sei. Klare Antwort: "Wenn man ein schnelles Auto wie wir hat, will man, dass es trocken bleibt."

Ferrari und Vettel nutzen eine frühe Safety-Car-Phase aus und schnappen sich die Führung. Weil sie im Gegensatz zu Lewis Hamilton und Nico Rosberg draußen bleiben. Ein Strategie-Fehler von Mercedes, wie sich später herausstellen sollte. Bis die beiden die Positionen hinter Vettel einnehmen, ist der Heppenheimer schon enteilt. Der viermalige Weltmeister fährt an diesem Tag perfekt. Er streichelt die Reifen auf dem fast 60 Grad heißen Asphalt und kommt mit zwei Stopps über die Runde. Sein Speed: erste Sahne.

Nach 56 Umläufen feiert er seinen ersten Sieg in Rot vor Hamilton und Rosberg. Kimi Räikkönen rast trotz eines Reifenschadens in der Startphase bis auf den vierten Platz nach vorn. Ein sehenswertes Duell um die fünfte Position liefern sich Valtteri Bottas und Felipe Massa. Mit dem besseren Ende für den Finnen. Für Red Bull springen nur die Plätze neun und zehn heraus. Der Abonnement-Weltmeister der Jahre 2010 bis 2013 hechelt wie schon in der Vorsaison hinterher. In der Startaufstellung war ich übrigens mit Dr. Helmut Marko zusammengeprallt. Doch er ist nicht nachtragend und beantwortet mir später im Fahrerlager alle meine Fragen.

MotoGP zum Ausklang

Mein Bett sehe ich in der Nacht von Sonntag auf Montag erst um drei Uhr. Zuvor essen Michael Schmidt und ich noch zu Abend. Im Restaurant gegenüber unseres Hotel. Zu unserem Glück überträgt der Gastronom den Saisonauftakt der MotoGP in Katar. Und zu meinem Glück gewinnt mein Lieblingsfahrer Valentino Rossi ein aufregendes Rennen.

Am Montag stehe ich erst spät auf, ehe ich mich zu den anderen an den Pool geselle. Für eine Fahrt in das rund 50 Kilometer entfernte Kuala Lumpur reicht mein Akku nicht. Von Malaysia bleiben mir daher nur die Ausschnitte rund um unser Hotel und die Fahrt zur Rennstrecke. Ein bisschen was habe ich aber schon gesehen. Ein Bild bleibt mir besonders in Erinnerung. Wie ein verschwitzter Malaie in Gummistiefeln bei über 30 Grad an einem Ferrari F430 vorbei läuft. Arbeiterklasse und Millionärsauto in einem Foto.

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