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F1 Tagebuch GP Russland 2015

Riesen-Show für Putin

Podium - GP Russland 2015 Foto: xpb 30 Bilder

Die auto motor und sport Formel 1-Reporter berichten in ihren F1-Tagebüchern von ihren persönlichen Erlebnissen bei den 19 Grand Prix-Rennen der Saison 2015. Im 15. Teil blickt Andreas Haupt hinter die Kulissen des GP Russland.

21.12.2015 Andreas Haupt

Wo soll man bei einem Rennen wie dem GP Russland 2015 anfangen? Es gab Geschichten am laufenden Band. Das scheinbar nie enden wollende Wirrwarr um die Motorensuche von Red Bull. Die Klage von Force India und Sauber vor der EU-Kommission gegen die ungerechte Geldverteilung in der Formel 1 und den Regelfindungsprozess.

Das 250. GP-Wochenende von Fernando Alonso. Das Diesel-Gate im ersten Freien Training. Der Abflug von Carlos Sainz bei 309,4 km/h in FP3. Das Blitzcomeback des Spaniers im Rennen. Der Highspeed-Abflug von Romain Grosjean. Die Kollision zwischen Nico Hülkenberg und Marcus Ericsson. Das finnische Duell zwischen Kimi Räikkönen und Valtteri Bottas. Und die Frage: Kommt er oder kommt er nicht?

Putin gibt sich die Ehre

Gemeint war Wladimir Putin. Und natürlich kam er. Diesmal sogar vor dem Rennen und nicht wie 2014 erst inmitten des GP. Auch den Besuch auf dem Podest schlug der russische Präsident wieder nicht aus.

Der Reihe nach: Am Stuttgarter Flughafen treffen wir auf Bernd Mayländer. Der Safety-Car-Fahrer quetscht Michael Schmidt zu den heißesten Themen aus. Er will auch die Meinung unseres Reporters über die Hybridformel wissen. Natürlich. Sie steht ja im direkten Zusammenhang mit Red Bulls Motorenproblemen. Dann wirft Mayländer noch ein weiteres Streitthema auf: den Kalender, der 2016 mit 21 Rennen gefüllt ist. "Wo hört das Mal auf?", fragt Mayländer.

Unser Flug führt uns über Istanbul. Von dort geht es weiter nach Sochi. Der Nachtflug bringt den halben Formel 1-Zirkus ans Schwarze Meer. Fahrer - Romain Grosjean und Will Stevens -, Mechaniker, Fotografen und Journalisten. Erst gegen 2.30 Uhr Ortszeit landen wir am Olympiastandort von 2014. Die Schlange vor der Einreise ist lang. Sehr lang. Die russischen Behörden lassen sich Zeit. Jede Person wird genau gecheckt. Am Ende der Prozedur muss jeder einen Zettel unterschreiben. Ich sehe nur russisch und habe keine Ahnung, was ich da genau unterschreibe, mache es aber.

Nach der Einreise ziehe ich mir 4.000 Rubel. Das sind rund 52 Euro. Mehr spuckt der Automat nicht aus. Also das Ganze ein zweites Mal. Und ein drittes und viertes Mal. Weil mein Kollege an keinem Schalter der Welt Geld abhebt, muss ich das übernehmen. Er drückt mir im Gegenzug gleich die Euros in die Hand.

Organisation in Russland ist top

Um 4 Uhr erreichen wir unser Hotel. Zum Glück vor der restlichen Meute. Ansonsten wäre die zweite Geduldsprobe zur frühen Stunde angesagt gewesen. Michael Schmidt hatte über die FOM einen Shuttle-Service organisiert. Unsere Rettung.

Der Weg vom Hotel zur Strecke ist ein Katzensprung. Er führt uns durch einen Security Check - ähnlich wie am Flughafen. Ich kenne das schon aus Peking. 2014 reiste ich zur Premiere der Formel E in die chinesische Großstadt. Die Piste liegt wie in Sochi auf dem Olympiagelände. Und es gibt diesselben Kontrollen. Die Organisation in Russland ist top. Das Internet läuft reibungslos. Trotzdem gibt es Ärger mit dem Netz. Ein paar Fotografen richten sich Hot Spots ein und taufen sie zum Beispiel "CIA Spy". Die Russen finden es gar nicht lustig und die FIA ruft zur Ordnung auf.

Ich hatte vor der Reise ein paar Bauchschmerzen. Im wörtlichen Sinn. Meine Kollegen machten mir ein bisschen Angst. Vor allem die Restaurant-Besuche seien schwer verdaubare Kost, sagten sie. Weil man entweder gar nicht bedient wird oder das Essen eine Stunde auf sich warten lässt. So soll es 2014 gewesen sein. Ich erlebe es von einer anderen Seite. Der guten. Alles geht recht zackig. Das Essen mundet. Nur einmal bekomme ich einen lauwarmen Burger und labbrige Pommes serviert. Gibt es in Deutschland aber auch mal.

Sainz mit deftigem Unfall - und Blitzcomeback

An der Strecke herrscht mehr Chaos. Das erste Freie Training verkommt zur Lachnummer. Ein Fahrzeug verteilt vor dem Start eine fette Ladung Diesel auf dem Asphalt. Ironie: Es war ein Reinigungswagen. Danach spielt das Wetter nicht mit.

Der Tenor im Fahrerlager wird von Red Bulls Motorensuche bestimmt. Es scheint eine unendliche Geschichte zu werden. Zunächst meldet der Fahrerlager-Funk: Red Bull bekommt Motoren von Ferrari. Dann wieder nicht. Dann sind es 2015er Aggregate. Dann gar keine. Dann soll nur Toro Rosso Motoren erhalten. Bernie Ecclestone versucht, wie in guten alten Zeiten das Ruder in die Hand zu nehmen und zu vermitteln. Ein Ergebnis gibt es in Russland aber nicht.

Am Samstag schwenkt das Scheinwerferlicht auf die Piloten. Besser gesagt auf Carlos Sainz. Der Spanier bohrt sich im dritten Training in seinem Toro Rosso unter drei Schichten Tecpro. Die Bergung nach dem Unfall mit über 300 km/h dauert. Sainz muss auf eine Trage, gibt aber per Handzeichen Entwarnung. Mit dem Helikopter wird er sicherheitshalber ins Krankenhaus geflogen. Aus einer Nacht werden jedoch nur ein paar Stunden. Am nächsten Vormittag tritt Sainz gemeinsam mit Teamchef Franz Tost vor die Mikrofone. Der 21-Jährige nimmt am GP teil. Und fährt ein Klasse-Rennen. Bis ihn ein Bremsproblem stoppt.

Gleich am Start rappelt es im Gebälk. Nico Hülkenberg dreht sich in den Kurven 2 und 3 ins Feld und wird von Marcus Ericsson torpediert. Den Schweden trifft keine Schuld. Im dichten Getümmel konnte er den Force India nicht sehen. Nach ein paar Runden muss Nico Rosberg aufgeben. Eine Gaspedalrückholfeder gibt den Geist auf. Ein Pfennig-Teil, das Rosbergs Hoffnung auf eine WM-Chance endgültig zunichtemacht. Lewis Hamilton räumt ohne Schwierigkeiten seinen 9. Saison- und 42 Karriere-Sieg ab.

Weil Kimi Räikkönen nach dem GP von Position fünf auf acht zurück gestuft wird - die Kommissare befinden ihn für den Zusammenstoß mit Valtteri Bottas schuldig -, erringt Mercedes sogar vorzeitig die Konstrukteurs-WM. Da sind Niki Lauda und Toto Wolff schon auf dem Weg zum Flughafen.

Einen Highspeed-Crash muss Romain Grosjean verdauen. Seinen Lotus zerlegt es in der schnellen Linkskurve. Der Pilot klettert unverletzt aus dem Auto. Zum Glück gehen alle Zwischenfälle glimpflich aus. Putin dürfte die Show erfreut haben.

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