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F1 Tagebuch GP Spanien 2015

Schaut Alonso mit uns Fußball?

McLaren - GP Spanien 2015 Foto: xpb 26 Bilder

Die auto motor und sport Formel 1-Reporter berichten in ihren F1-Tagebüchern von ihren persönlichen Erlebnissen bei den 19 Grand Prix-Rennen der Saison 2015. Im fünften Teil erzählt Andreas Haupt vom GP Spanien.

11.12.2015 Andreas Haupt

Der GP Spanien gehört in den Formel 1-Kalender wie die Paella auf die spanische Restaurant-Karte. Seit 1991 gastiert die Königsklasse des Motorsports auf dem Circuit de Catalunya-Barcelona vor den Toren der katalanischen Metropole. Nicht nur zu GP-Veranstaltungen, sondern auch zu Testfahrten. Meist vor der Saison. Der 4,655 Kilometer lange Kurs eignet sich bestens, um die neuen Rennwagen ausgiebig zu prüfen. Weil das Wetter im Süden meist mitspielt. Und weil die Strecke mit seinen 16 Kurven ein guter Prüfstein für die Mechanik und Aerodynamik der Autos ist.

Geschichtsstunde zum GP Spanien

Auf unserer Fahrt vom Flughafen ins Hotel - wir landen am Mittwoch-Abend (6.5.2015) in Barcelona - gibt es eine kleine Geschichtsstunde für mich. Der Lehrer: unser Formel 1-Hauptreporter Michael Schmidt. Mein Kollege erzählt mir davon, dass der GP Spanien 1951 und 1954 in Pedralbes ausgetragen wurde. Und zeigt mit dem Finger auch gleich auf den Stadtteil am Rande Barcelonas. 1969, 1971, 1973 und 1975 seien die F1-Renner gar vom Muntjuic, dem Hausberg Barcelonas, hinab in die Stadt gerast und im zweiten Teil der Bahn wieder nach oben geflogen. Das müssen fantastische Rennen gewesen sein, denke ich. Das letzte wurde allerdings von einem schweren Unfall von Rolf Stommelen überschattet, bei dem fünf Menschen starben.

Am Mittwoch-Abend grassiert in Barcelona das Fußball-Fieber. "Wann denn nicht"?, werden sich die Fußballfans unter unseren Lesern fragen. Die Stadt ist bekannt für ihren erfolgreichen Fußball-Klub - den FC Barcelona. An diesem Abend ist das Fieber aber besonders hoch. Der katalanische Fußballstolz trifft im Halbfinale der Champions League auf den FC Bayern München. Wir schauen uns das Spektakel, das der spanische FCB mit 3:0 für sich entscheidet, in einem Restaurant in Granollers an. In der kleinen spanischen Stadt werden wir für die nächsten fünf Nächte residieren. Das Hotel ist perfekt zur Strecke gelegen. Keine 10 Minuten und man steht im Fahrerlager.

Mit Schinken, Käse und Bier genießen wir die ersten Minuten. Später folgt der Hauptgang. Natürlich wieder mit etwas Bier. Unsere Konzentration richtet sich nicht ausschließlich aufs Essen und das Spiel. Im zweiten Speisezimmer sitzt ein Mann mit dunklem Haar und dunklem Vollbart. Er sieht Fernando Alonso zum Verwechseln ähnlich. Michael Schmidt und ich müssen gleich mehrmals um die Ecke lugen, ehe wir sicher sind, dass es sich nicht um den McLaren-Pilot handelt. Unser Schweizer Kollege Roger Benoit steht erst gar nicht auf.

Ich habe kein Foto vom Alonso-Double geschossen, da ich es auch nicht wollen würde, dass man mich während des Essens wie ein Papparazzo fotografiert. Die Begegnung mit Fernando Alonso außerhalb der Rennstrecke wird es erst später im Jahr in Budapest geben.

Ferrari-Mechaniker folgt auf Schritt und Tritt

An der Rennstrecke habe ich keine Scheu zu fotografieren. Vor allem nicht, wenn mir ein Formel 1-Renner vor die Linse geschoben wird. Schließlich wollen die Fans die Autos sehen. Am liebsten mit allen technischen Lösungen. Das klingt einfacher, als es ist, wie ich schon im Tagebuch zum GP Malaysia geschrieben habe.

In Spanien wird es unweigerlich schwerer. Der Europa-Auftakt ist bekannt für seine vielen Updates. Die kürzeren Wege erlauben es den Teams, erstmals einen Großteil ihrer neuentwickelten Teile an die Piste zu karren. Die erste Chance, die Neuentwicklungen zu begutachten, ist das Scrutineering am Donnerstag. Bei der Technischen Abnahme schieben die Mechaniker die Autos in die FIA-Garage. Wenn die gerade durch einen Mitbewerber blockiert ist, bietet sich die Chance für Fotografen und Journalisten.

Doch der Auftrag, denn mir Kollege Tobias Grüner mitgegeben hat, ist beileibe kein einfacher: "Schieße so viele gute und scharfe Technikfotos wie möglich." Bei Ferrari wird nach wenigen Sekunden ein Mechaniker als mein persönlicher Wachschutz abkommandiert. Er verfolgt mich auf Schritt und Tritt und tritt mir bei jeder Gelegenheit vor die Kamera. Jugendfußballtrainier sagen häufig, wenn sie von einem ihrer Schützlinge fordern, einen Gegenspieler in Manndeckung zu nehmen: "Du verfolgst deinen Gegnerspieler überall hin - notfalls bis auf die Toilette." Ob der Ferrari-Mechaniker auch neben mir am Pissoir stehen würde? Ich probiere es gar nicht erst aus.

Im Gegensatz zu mir darf sich Reporter-Urgestein Giorgio Piola frei um die roten Rennwagen bewegen. Obwohl er eine sichtbar bessere Kamera für seine Arbeit hat. Damit muss ich mich aber abfinden. Geschenkt wird einem schließlich nichts. Auch bei Red Bull und McLaren läuft es nicht besser. Erst als Michael Schmidt einem Red Bull-Mechaniker ins Gewissen redet, werde ich nicht mehr blockiert.

Maldonado mit Technik-Update der anderen Art

Das österreich-englische Team bläst in Barcelona zum Angriff. Wie Mercedes, Williams, Lotus und Toro Rosso trägt der RB11 von nun an eine kurze Nase. Dazu entwickelten die Ingenieure einen neuen Frontflügel und passten die Leitbleche an. Das große Update soll eine halbe Sekunde bringen. Trotzdem wird es für Daniel Ricciardo und Daniil Kvyat im Rennen nur zum siebten und zehnten Platz reichen.

Nachdem Michael Schmidt ins Pressezentrum verschwunden ist, gehen mich die Red Bull-Mechaniker an. "Du hast jetzt genug Fotos geschossen", raunzt mich einer von ihnen an. "Ich habe genug gemacht, wenn ich es für richtig halte", erwidere ich. Dann frage ich ihn: "Warum habt ihr ein Problem damit, dass ich euer Auto fotografiere. Wenn ihr am Freitag das erste Mal damit draußen seid, schießt jeder professionelle Fotograf ein Foto. Auch die Teamfotografen. Dann könnt ihr eh nichts mehr verstecken." Antwort: "Wir dürfen dich nicht machen lassen. Sonst bekommen wir Ärger." Er meint wohl: von der Chefetage.

Ein Update der anderen Art probiert am Rennsonntag Pastor Maldonado an seinem Lotus aus. Nach einem Kontakt mit Teamkollege Romain Grosjean knickt die linke Heckflügelendplatte im 35-Grad-Winkel ab. Trotzdem ist Maldonado schnell, muss aber wegen der bestehenden Gefahr vorzeitig aufgeben.

Spanien ist nicht nur ein guter Ort für Technik-Fans. Hier sieht man auch die persönlichen Autos oder die Dienstfahrzeuge der Fahrer (Artikel: Privatautos F1-Faher). Der Parkplatz ist nur ein paar Schritte vom Fahrerlager entfernt, wo die Teams ein erstes Mal im Jahr ihre Motorhomes hochziehen. Die Prachtbauten sind stets einen Blick wert.

Fernando Alonso kehrt in Barcelona zurück an den Ort, wo er bei den Testfahrten einen schweren Unfall erlebte. Das Wochenende bringt für den stolzen Spanier, der von seinem Heimpublikum lautstark unterstützt wird, wieder kein Glück. Nach nur 26 Runden ist sein Rennen vorbei. Jedoch nicht ohne einen Schreckmoment. Auf der Anfahrt zum Boxenstopp lassen die Hinterradbremsen an seinem McLaren-Honda nach, weshalb sich der Bremsweg verlängert. Beinahe fährt Alonso einen Mechaniker um, der glücklicherweise rechtzeitig reagiert.

Bottas äußert sich zu Ferrari-Gerüchten

Bedeutend besser läuft es für Nico Rosberg. Der WM-Zweite aus dem Vorjahr schnappt sich in Spanien die erste Pole-Position der Saison, einen Tag später folgt der erste Sieg. Lewis Hamilton hat zweimal keine Chance. Am Start patzt der Weltmeister und muss Sebastian Vettel passieren lassen. Auf der Strecke ist der Ferrari-Pilot für Hamilton nicht zu knacken. Also versucht es Mercedes über die Strategie und macht aus zwei kurzerhand drei Stopps. Hamilton nutzt die Überlegenheit seines Silberpfeils, fährt die notwendigen Sekunden locker raus und kommt als Zweiter ins Ziel. Vettel bleibt nur der dritte Rang. Sein Wunsch ("Hoffentlich sieht Mercedes bald Rot") erfüllt sich nicht.

Mit Ferrari in Verbindung gebracht, wird in Barcelona Valtteri Bottas. Doch der Finne wiegelt ab. "Es werden viele Geschichten geschrieben. Manchmal sind sie lustig. Ich konzentriere mich auf diese Saison." Bottas, der in Spanien die vierte Position erobert, sollte 2015 noch öfters auf Gerüchte antworten müssen. Doch letztendlich bleibt alles beim Alten. Kimi Räikkönen fährt weiter für Ferrari, Bottas weiter für Williams.

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