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F1-Tagebuch GP Spanien 2016

Neue Helden, alte Helden

Kvyat & Verstappen - GP Spanien 2016 Foto: xpb 28 Bilder

Die Formel 1-Reporter von auto motor und sport berichten in ihren Formel 1-Tagebüchern von ihren persönlichen Erlebnissen bei den 21 Grand Prix-Rennen der Saison 2016. In Teil 5 blickt Andreas Haupt hinter die Kulissen des GP Spanien 2016.

05.12.2016 Andreas Haupt

Der GP Spanien 2016 war gespickt mit Highlights. Ich fange mit meinem persönlichen an. Zwei Stunden vor dem Qualifying am Samstag treffe ich auf einen zweifachen Weltmeister, der mich mit seinen Duellen gegen Michael Schumacher vor 18 Jahren endgültig in den Bann der Formel 1 gezogen hatte: Mika Häkkinen. Ich stelle mich dem Finnen im Fahrerlager vor mit der Frage, was er von der modernen Formel 1 hält. Häkkinen bleibt stehen, schaut mich an und erwidert. „Du bist ein Kollege von Michael Schmidt?“

Häkkinen und Lorenzo in Barcelona

Ich nicke, Häkkinen lacht: „Hat er immer noch kein Handy?“ Häkkinen sagt es so, als ob er die Antwort schon weiß. „Nein hat er nicht.“ Wir müssen beide schmunzeln. Es ist ein guter Eisbrecher. Wir plaudern danach noch fünf bis zehn Minuten. Zwischendrin muss ich mich innerlich kneifen: Du sprichst gerade mit Mika Häkkinen, den du früher jeden zweiten Sonntag im Fernseher gesehen hattest. Auf meine eigentliche Frage bekomme ich keine Antwort. Dafür bittet mich der Weltmeister um meine Visitenkarte. „Wir könnten ja mal ein Interview zusammen führen und über alles Mögliche sprechen. Die alten Zeiten, die neuen Zeiten.“ Mit dem größten Vergnügen. Sieben Monate später muss ich festhalten: Aus dem Interview ist leider noch nichts geworden. Aber ich werde Häkkinen daran erinnern, sobald ich ihn mal wieder im Fahrerlager treffe.

Treffen ist ein gutes Stichwort: Am Sonntag ist MotoGP-Weltmeister Jorge Lorenzo am Circuit de Catalunya-Barcelona. Aber nur vor dem Rennen. Bevor der Zweirad-Spezialist das Fahrerlager verlässt, bitte ich ihn noch um ein Foto. Als Journalist muss man auch mal Fan sein dürfen. Zumal ich nicht über die MotoGP berichte. Ich wünsche Lorenzo noch alles Gute für die weitere Saison. Ernst gemeint, obwohl ich Valentino Rossi die Daumen halte. Doch der Spanier sollte seinen Titel nicht verteidigen und stattdessen gegen Saisonmitte in ein Loch fallen. Die schwache Phase, insbesondere mit katastrophalen Regenrennen, sollte ihn zu weit hinter Marc Marquez werfen.

So wie der Honda-Pilot die Zweirad-Szene eroberte, so macht sich Max Verstappen daran, die Rekordbücher der Formel 1 umzuschreiben. Wir erleben am Rennsonntag eine Geschichte, die eigentlich nur der Sport schreiben kann. In seinem ersten Rennen für Red Bull flitzt der Holländer zu seinem ersten Triumph. Verstappen ist an diesem 15. Mai 2016 exakt 18 Jahre, sieben Monate und 15 Tage alt. Er fährt und verhält sich aber wie einer, der schon ein Jahrzehnt in der F1 mitmischt und bereits Titel eingefahren hat.

Verstappen wie ein ganz Großer

Die Diskussion um den Platztausch mit Daniil Kvyat prallt an Verstappen ab wie ein Flummi von einer Wand. Egoistisch mit ausgefahrenen Ellbogen: Der 18-Jährige hat ja bekommen, was er wollte: den vorzeitigen Aufstieg zu Red Bull. Und damit verbunden ein Auto, mit dem er um Podestplätze kämpfen kann. Kvyat sitzt auf der Pressekonferenz am Donnerstag sichtlich angefressen neben ihm. Er habe die Nachricht über seine Degradierung zurück zu Toro Rosso erhalten, während er sich eine Folge von „Game of Thrones“ angeschaut habe, berichtet der Russe. „Ich habe hart für das Team gearbeitet. Und ich glaube, ich hätte wenigstens eine vernünftige Erklärung verdient. Aber die habe ich nicht bekommen. Die Chefs entscheiden, was sie wollen“, kritisierte Kvyat.

Der Mann aus Ufa holt im Rennen immerhin einen Punkt. Aber das Ergebnis ist trotzdem der nächste Tiefschlag, weil Verstappen eben siegt. In der Schlussphase hält der Überflieger Kimi Räikkönen in Schach. Der Finne tigert zwar im Ferrari im Rückspiegel des Red Bull, erhält vom abgezockten Verstappen aber nicht eine Gelegenheit zu attackieren. Das Streckenlayout spielt ihm in die Karten. In Barcelona ist überholen extrem schwer. Man muss im Prinzip zwei Sekunden schneller sein, um am Gegner vorbeizukommen. Die beste Chance bietet der Weg zu Kurve eins. Doch auf die Gerade führt ein Abschnitt aus drei langsamen Kurven. In dieser Sektion kann Verstappen die gute Traktion seines RB12 ausspielen und immer mindestens mit 0,7 Sekunden Vorsprung auf das Geradeausstück einbiegen. Diesen Nachteil kann auch der offene Heckflügel am Ferrari nicht ausgleichen.

Sebastian Vettel und Daniel Ricciardo balgen sich um Rang drei. Mit dem besseren Ende für den zweiten Ferrari-Piloten. Ricciardos Attacke kann Vettel kontern. Dann zwingt ein defekter Reifen den Australier zu einem vierten Stopp. Vettel tauschte die Pirelli-Walzen insgesamt dreimal. Es hagelt Kritik an der Ferrari-Taktik. Sieger Verstappen und Räikkönen kommen mit zwei Boxenstopps über die 66 Runden.

Crash zwischen Rosberg und Hamilton

Der Grand Prix ist über eine Stunde und 41 Minuten spannend, weil die großen Favoriten sich gleich zu Beginn zwischen Kurve drei und vier gegenseitig von der Bahn kegeln. Ansonsten wären Lewis Hamilton und Nico Rosberg wohl Kreise um die Konkurrenz gefahren. Pole-Setter Hamilton verliert nach dem Start in den ersten beiden Kurven die Führung, sieht aber vor Kurve vier seine Chance gekommen, die Spitze zurück zu erobern. Weil der Mercedes von Rosberg in den Derating-Modus wechselt, um Energie zu rekuperieren. Der WM-Führende haut die Tür zu, Hamilton rodelt übers Gras, dreht sich und schlittert in seinen Rivalen. Das Aus für beide. Nichts wird es aus Rosberg achtem Sieg in Serie. Nichts wird es aus dem elften Erfolg für Mercedes in Folge. Stattdessen verlieren die Silberpfeile 43 Punkte.

Als erstes Europa-Rennen der Saison bietet Barcelona immer technische Schmankerl. Kollege Tobias Grüner verabschiedete mich aus der Redaktion mit dem Auftrag: „Schieß ja anständig viele Technik-Fotos.“ Schon am Donnerstag füllt sich die Speicherkarte. Praktisch alle Teams rollen mit überarbeiteten Autos zur technischen Abnahme. Mercedes hat eine neue Nase, geänderte Lufteinlässe an den Seitenkästen – wie übrigens auch Ferrari -, modifizierte Leitbleche unter der Nase und einen veränderten Monkey-Seat. McLaren und Force India bringen neue Frontflügel. Selbst bei Manor stand die Technik-Abteilung vor Barcelona nicht still.

Am Donnerstagabend lädt wie üblich die Hockenheim-Fraktion zum Essen mit deutschsprachigen Journalisten. Geschäftsführer Georg Sailer berichtet, dass der Ticketverkauf ordentlich angelaufen sei, aber durchaus besser laufen könnte. Ich verstehe die Fans. Die Eintrittskarten sind einfach überteuert. Den Veranstaltern sind aber die Hände gebunden. Hohe Antrittsgelder erfordern hohe Ticketpreise, sonst steht die rote Null.

Noch ein kleiner Abstecher zum Fußball: Am Samstag sichert sich der FC Barcelona die spanische Meisterschaft. Meine Kollegen ziehen mich daraufhin auf. Weil ich großer Fan von Real Madrid bin. Aber ich nehme die Niederlage gegen den Erzrivalen sportlich. Früher wäre mir das schwerer gefallen. Aber mit dem Alter lernt man damit besser umzugehen. Was soll ich auch daran ändern? Zumal das spanische Essen jeden bitteren Beigeschmack aus der Mundhöhle spült. Tellerweise ordern wir Schinken, Käse und Tomatenbrot. Es gilt, schnell zuzugreifen. Die Kollegen haben flinke Finger. Und: Ende Mai sollte ich ja über den 11. Champions-League-Titel für meine Mannschaft jubeln.

In der Galerie finden Sie noch einige persönliche Impressionen der auto motor und sport-Reporter vom Geschehen hinter den Kullissen.

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