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F1 Tagebuch Indien 2013

Tote Kühe und der Taj Mahal

GP Indien 2013 - F1-Tagebuch Foto: Wilhelm 27 Bilder

Die auto motor und sport-F1-Reporter waren auch 2013 wieder auf den Grand Prix-Strecken dieser Welt unterwegs. In ihren Formel 1-Tagebüchern gewähren sie einen persönlichen Blick hinter die Kulissen. Rennen 16: GP Indien.

17.12.2013 Bianca Leppert

In Indien begann meine Formel-1-Saison praktisch von neuem. Das letzte Rennen, bei dem ich für Kollege Tobias Grüner eingesprungen war, lag schon eine ganze Weile zurück. In Silverstone waren sogar noch die alten Pirelli-Reifen im Einsatz. Da Indien nach wie vor nicht zu den Lieblingsrennen von Tobi gehört, schickte er mich ins Land der heiligen Kühe. Wir wussten, dass es voraussichtlich der letzte Besuch dort sein würde, weil das Rennen für 2014 aus dem Kalender flog. So oder so hatte ich nach diesem Trip aber keine Lust mehr, in nächster Zeit nochmal nach Indien zu fliegen.

Taxi-Irrfahrt durch Delhi

Am Mittwoch vor dem Rennen schwebte ich aus Sri Lanka ein. Denn einer der Vorteile der Reiserei ist es, die Arbeit auch mal mit ein paar Tagen Urlaub verbinden zu können. Im Gegensatz zum Vorjahr erwartete mich dieses Mal leider kein Fahrer am Ausgang, sondern ich musste mich zum Taxistand durchschlagen. Bis dahin alles kein Problem.

Ich hatte mich vorher informiert, dass die gelb-schwarzen Taxen eher der niedrigeren Kategorie entsprechen und die Fahrer meist kein Englisch sprechen und mich deshalb für ein Taxi eines Privatanbieters entschieden. Das ist aber noch keine Garantie dafür, dass der Fahrer auch Englisch spricht – wie sich später herausstellte.

Ich zeigte ihm den Zettel mit der Adresse des Hotels und er nickte. Nachdem er meinen Koffer erst auf das Dach verfrachten wollte, wir uns aber ganz diplomatisch auf den Kofferraum einigen konnten, stürzten wir uns in das Verkehrschaos von Delhi.

Schrammen und Beulen als Statussymbol

Man müsste tatsächlich ein Wort für die Zustände auf den Straßen Indiens erfinden. Denn mit "Chaos" ist nicht annähernd beschrieben, was hier wirklich vor sich geht. Ich war ja durch meinen Besuch im vergangenen Jahr schon darauf vorbereitet, aber es ist immer wieder ein Erlebnis. Nach spätestens 15 Minuten ist man durch das ständige Hupen schwerhörig. Zu blöd, dass gerade Rush Hour war. Fahrradfahrer, vergammelte Autos, Tuk-Tuks und abgerockte Busse, die wie Viehtransporter aussehen, bilden ein buntes Potpourri auf den Straßen. Die Schrammen und Beulen im Auto sind quasi Statussymbol. Sie zeigen, dass sich der Besitzer im Straßen-Nahkampf durchsetzen kann.

Das traf auf meinen Taxifahrer nur bedingt zu. Der noch recht junge schlaksige Mann war entweder unmotiviert oder schüchtern. Oder beides. Jedenfalls dauerte es eine halbe Ewigkeit, bis wir uns durch das Moloch Delhi durchgewurstelt hatten. Am Stadtrand angekommen, hielt er plötzlich auf dem Seitenstreifen an und machte mir mit Handzeichen klar, dass er die Hoteladresse nochmal sehen wolle. Er hatte nullkommanull Ahnung, wo er hinmusste.

Schließlich rief er im Hotel an und ließ sich den Weg erklären. 5 Minuten später fragte er mich aber schon wieder, ob er jetzt schon abbiegen solle. Ich war im Erdkundeunterricht zwar keine Niete, aber so weit reichten meine Ortskenntnisse dann doch nicht. Er irrte noch 15 Minuten durch die Gegend, bis wir schließlich - wider Erwarten - ankamen.

Smog beeinträchtigt Training

Am nächsten Morgen ging es zum ersten Mal an die Strecke. Unser Chauffeur erwies sich im Gegensatz zum Taxi-Fahrer als echter Hauptgewinn. Zügig und sogar ohne Kritik des Fahrschulkomitees Schmidt und Benoit - und das will was heißen - brachte er uns zum rund 45 Minuten entfernten Buddh International Circuit. Die moderne Anlage wirkt im Nirwana der indischen Provinz wie ein Ufo, das eigentlich mitten in Europa landen wollte.

Vielleicht lag es am Smog, dass sich die Aliens verflogen haben. Am Freitag war die Strecke von Weitem fast gar nicht mehr zu sehen. Wir kamen zu dem Schluss, dass Delhi wohl nie mehr die Auszeichnung Luftkurort oder Bad Delhi bekommen würde. Der Smog war so extrem, dass sogar das Training verschoben werden musste. Der Rettungshubschrauber bekam keine Flugerlaubnis.

Die Abendgestaltung sah meistens recht eintönig aus. Wir fielen über das Buffett im Hotel her. Zugleich unterstützten wir Force India dabei, die Vorräte an Kingfisher-Bier von Teambesitzer Vijay Mallya zu vernichten. Da soll mal einer sagen, wir hätten kein Herz für die kleinen Teams.

Während Kollege Benoit aus Angst vor Montezumas Rache noch vorsichtig bei der Auswahl der Speisen vorging, schaufelte ich mir jeden Abend indisches Curry auf den Teller. Davon könnte ich mich wochenlang ernähren - dachte ich zumindest.

Ein englischer Kollege meinte es gut mit uns und zeichnete einen Plan mit dem Weg zu einem nahegelegenen Restaurant. Darauf malte er auch detailgetreu alle Hunde, denen wir begegnen könnten. Denn er wusste, dass Kollege Schmidt absolut keine Lust darauf hatte, nähere Bekanntschaft mit den tollwutverseuchten Vierbeinern zu machen. Aus Zeitmangel blieben wir aber dem Hotelrestaurant treu und schafften es, an vier Abenden keinen Fuß aus unserer Behausung zu setzen.

Tote Kuh auf der Autobahn

Etwas Eintönigkeit herrschte auch an der Strecke. Am Sonntag machte Sebastian Vettel mit dem sechsten Sieg in Folge seinen vierten Titel klar. Mit ein paar Donuts und dem Kniefall vor seiner "Hungry Heidi" unterhielt er die Zuschauer und lieferte schöne Bilder. Er half seinem Team sogar noch beim Abbauen. Eine große Party blieb jedoch aus, weil bereits das nächste Rennen in Abu Dhabi anstand.

Weil Kollege Schmidt es bevorzugte, Indien auf schnellstem Weg zu verlassen, harrte ich bis um 1 Uhr noch alleine mit Kollege Benoit im Pressezentrum aus. Eigentlich dachten wir uns so langsam an die Verkehrszustände gewöhnt zu haben. Eine tote Kuh, die mit dem Bauch nach vorne auf der Autobahn lag und ein auf der Seite liegender LKW mitten auf der Fahrbahn überraschten uns dann aber doch noch einmal.

Am Montag wurde ich schließlich selbst zum Randstreifen-Opfer. Ich wollte die Zeit zwischen den beiden Grand Prix nutzen, um mir den Taj Mahal anzuschauen. Ein bisschen Kultur muss auch mal sein und wann hat man mal wieder die Gelegenheit dazu? Das imposante Bauwerk ist nur 3 Stunden Autofahrt von Delhi entfernt. Wenn man nicht gerade einen Plattfuß hat.

Genau dieses Schicksal ereilte das Auto meines Fahrers. Zuerst wechselte er auf das Ersatzrad, dann hielt er nochmal urplötzlich auf dem Randstreifen an. Die Böschung runter befand sich ein kleiner Bretterverschlag, sozusagen die indische Pannenwerkstatt. Es dauerte rund 20 Minuten und schon war der Reifen geflickt und wir konnten unsere Fahrt fortsetzen.

Ausflug zum Taj Mahal

In Agra angekommen, stellte ich fest, dass der Verkehr in Delhi ja geradezu vorbildlich lief. Hier galt ausschließlich das Recht des Stärkeren, dazwischen hampelten neben Kühen nun auch noch Affen herum. Der Taj Mahal war es aber allemal wert. Er wirkt in Wirklichkeit nur etwas kleiner, als ich ihn mir von den Bildern her vorgestellt hatte.

Das Erlebnis schlechthin war das anschließende Essen in einem Lokal, das mir mein Guide vorgeschlagen hatte. Erst nach dem Essen stellte ich fest, dass in der Tür zur Toilette das Fensterglas fehlte und auch in der Toilette keine Türen befestigt waren. Lecker, da kommt einem das Essen gleich wieder hoch. Wie gut, dass ich den Tisch direkt vor der Tür zum WC hatte.

Vielleicht lag es daran, dass ich die ganze Heimfahrt über Bauchweh hatte. Und auch die nächsten Stunden in der Hotellobby waren nicht gerade angenehm. Ich hatte mein Zimmer bereits geräumt, weil ich um 4 Uhr morgens nach Dubai weiterfliegen sollte. Aber nicht damit gerechnet, dass ich es dringender denn je gebraucht hätte.

Die meiste Zeit verbrachte ich auf der Toilette, bis ich mich auf den Weg zum Flughafen machte. Dort wollte man mich erst gar nicht ins Flugzeug einsteigen lassen, weil ich so in den Seilen hing. Ich riss mich aber zusammen und schlummerte noch ein bisschen auf dem Boden am Gate. Die rund 4 Stunden Flug nach Dubai schlief ich ebenfalls durch. Die Sache war allerdings noch nicht ausgestanden. Aber das erfahren Sie im Tagebuch von Abu Dhabi.

In unserer Galerie haben wir ein paar Impressionen vom Geschehen hinter den Kulissen des F1-Rennens von Delhi gesammelt.

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