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F1 Tagebuch Korea 2013

Las Vegas für das Formel 1-Fußvolk

GP Korea 2013 - Formel 1-Tagebuch Foto: Wilhelm 25 Bilder

Die auto motor und sport-F1-Reporter waren auch 2013 wieder auf den Grand Prix-Strecken dieser Welt unterwegs. In ihren Formel 1-Tagebüchern gewähren sie einen persönlichen Blick hinter die Kulissen. Rennen 14: GP Korea.

15.12.2013 Michael Schmidt

Der GP Korea ist bei vielen Mitgliedern des GP-Zirkus neben Indien das meist gehasste Rennen des Jahres. Viele hofften, dass der Taifun, der im Anmarsch war, für eine Absage des Rennens sorgt. Umsonst gehofft. Statt einem Taifun kommt ein laues Lüftchen.

Ich muss sagen: Wenn man mal dort ist, kann man nicht klagen. Die Rennstrecke zählt zu den besseren aus der Feder von Hermann Tilke, das Arbeiten im fast menschenleeren Fahrerlager ist angenehm, die Koreaner sind freundlich und hilfsbereit, und diesmal bekommen wir auch einen ordentlichen Grand Prix geboten.

Nur Atmosphäre fehlt. Glamour-Faktor gleich null. Du fühlst dich wie bei einer Club-Veranstaltung. Die Menschen im Fahrerlager spulen ihr Pflichtprogramm ab. Zu den üblichen Zeiten wird Rennsport geboten. An den Trainingstagen lassen sich noch nicht einmal Zuschauer blicken. Dafür ist es am Renntag überraschend voll.

Würde der Grand Prix in der Nähe von Seoul stattfinden, wäre er wahrscheinlich ausverkauft. Die Koreaner interessieren sich für das Thema. Man merkt es an den Fragen der lokalen Journalisten. Martin Brundle sagt es richtig: "Suzuka liegt auch am Ende der Welt. Aber in Japan lebt der Rennsport, du spürst auf Schritt und Tritt die Tradition. Deswegen ist Suzuka immer ein Highlight und Korea nicht."

Lufthansa war auch schonmal besser

Wie gesagt: Wenn da nicht die langatmige Anreise wäre. Am Dienstag vor dem Rennen geht es in Stuttgart los. Erst mit dem Zug nach Frankfurt. Dort treffen Kollege Tobias Grüner und ich schon den ersten Leidensgenossen. Safety-Car-Fahrer Bernd Mayländer. Auch er ist auf dem Zubringer für den Lufthansa-Flug von Frankfurt nach Seoul.

In Frankfurt schnappt sich Kollege Grüner noch schnell bei McDonalds seine geliebten Burger. Es könnte ja sein, dass er auf unserer 14-tägigen Asien-Tour diesbezüglich auf dem Trockenen sitzen bleibt. Und besser als das Essen, das die Lufthansa derzeit serviert, ist der Junk Food aus dem Burger-Land allemal.

Ich fliege jetzt seit 30 Jahren mit Lufthansa. Aber so schlecht waren sie noch nie. Wie viele große Firmen sparen sie am falschen Platz. Sie sollten besser mal im Management ausmisten. In der Business Class gibt es immer noch die alten Sitze, die nicht vollständig umklappbar sind. Die neuen habe ich bis jetzt nur im Prospekt oder in der Werbung gesehen. Und ich fliege wirklich viel. Da ist die Lufthansa der Konkurrenz um zehn Jahre hinterher. Das Essen wird auch immer schlechter.

Okay, genug geklagt. Wir kommen wenigstens sicher in Seoul an. Da ist unsere Deutsche Airline halt immer noch top. Felipe Massa war auch mit an Bord. Wir quatschen ein bisschen über die Überlegenheit von Red Bull. Massa schüttelt nur den Kopf: "Die fahren Kreise um uns. Der Vettel steigt an Stellen aufs Gas, da darf ich nicht einmal davon träumen." Auch Massa fährt die Strecke ins 400 Kilometer entfernte Mokpo im Auto. Wahrscheinlich in einem Maserati. Wir reisen mit einem Hyundai von Avis in die Hafenstadt am Südende Koreas.

Korea zum Einschlafen langweilig

Vorher laden wir noch Kollege Roger Benoit in einem der Flughafenhotels in Incheon ein. Dann beginnt die langweiligste Reise des Jahres. Vier Stunden lang blickst du rechts auf flaches Land und links auf eine Bergkette. Nur einmal wird das Landschaftsbild unterbrochen. Eine riesige Brücke spannt sich über eine Lagune. Das war's an Abwechslung. Hin und wieder bimmelt es, weil die Tachonadel über 120 km/h anzeigt. Alle paar Kilometer stehen Radarfallen.
 
Kollege Grüner zieht es vor, auf der Rückbank des Autos zu schlafen. Er wacht nicht einmal auf, als wir an einem Rastplatz halten. Wir könnten ihn samt dem Auto verkaufen, ohne dass er was merkt, lästern Benoit und ich, lassen es dann aber doch bleiben. Um halb fünf Uhr nachmittags kommen wir in Mokpo an. Zuerst geht es an die Rennstrecke. Kollege Grüner will erste Bilder auf die Webseite stellen. Benoit will sich wie immer die besten Plätze im Pressezentrum sichern. Hier ist es eigentlich egal. So leer wie in Korea ist es nirgendwo.

Den einzigen, den ich im Fahrerlager treffe, ist FIA-Rennleiter Charlie Whiting. Er gesteht mir, dass Nico Hülkenberg in Singapur zu Unrecht bestraft wurde. So haben wir schon am Mittwoch eine schöne Geschichte fürs Internet. Tobias Grüner spürt irgendwo Sebastian Vettel auf, der sich gerade für eine Jogging-Runde um die Strecke aufmacht. Ich treffe den Weltmeister einen Tag später. Für eine Geschichte über seinen Helm-Tick brauche ich ein paar Quotes von ihm. Wussten Sie übrigens, dass sein Lieblingshelm der von Giorgio Pantano ist?

Mokpo bekommt Promi-Besuch

Als wir mit den Helmen fertig sind, reden wir noch ewig über die jüngsten Buhrufe, das Image von Rennfahrern, und das Problem, dass die heutigen Fahrer von ihren Teams mundtot gemacht werden. Wie bestellt schaut Christian Horner vorbei, zieht aber schnell wieder ab, weil er Deutsch nicht versteht. Vettel ist mit mir einer Meinung: Früher war alles besser. Das "Früher" muss ich ihm erzählen. Dafür ist er noch zu jung.

Dann geht es in unser Hotel, das auch nicht mehr so schlimm ist wie im ersten Jahr. Nur Herr Benoit ist in ein besseres Etablissement am Hafen umgezogen. Kostet aber auch deutlich mehr. Eddie Jordan, der letztes Jahr bei uns im Auto vom Hotel zur Rennstrecke gependelt ist, meinte verächtlich zu Rogers Hotelwahl: "That's posh. You should stay, where we are." Mokpo ist tagsüber eine Plattenbausiedlung im Stile der alten DDR. Abends wird daraus Las Vegas für Arme. Da geht die Post ab. Gute Restaurants, volle Kneipen. Der Abschuss ist die WaBar, ein Pub, wo sich das Fußvolk der Formel 1 trifft. Also wir.
 
Diesmal trauen sich aber erstmals auch welche aus dem Olymp zu den Sterblichen herab. Die Oberen 500 der Formel 1 wohnen im Hyundai-Hotel auf einem Berg hinter der Rennstrecke. Das beste Hotel am Platz, gut 1.000 Dollar die Nacht, aber nichts drum herum. Mokpo kannten sie nur vom Hörensagen.

Red Bull schickt eine Delegation in die "verbotene" Stadt. Helmut Marko und Christian Horner übernehmen die Reiseleitung. Die wundern sich, was da so alles geboten ist an der Basis des Motorsports. Beim Pfeilwerfen versucht Marko auf ein paar kitschige Souvenirs zu ergattern. Er trifft erstaunlich oft.

"Wahrscheinlich stellt er sich vor, das sind junge Fahrer, die nicht seinen Anforderungen entsprechen", meint David Coulthard hinter vorgehaltener Hand, während er nebenann mit einem Luftgewehr hantiert. Man will es sich mit dem strengen Doktor nicht verscherzen. Die Trophäen tritt Marko großzügig an die Red Bull-PR-Damen aus der Reisegruppe ab.

Nix wie weg Richtung Japan

Der Grand Prix am Sonntag entschädigt uns für das triste Ambiente. Zwei Safety-Cars, eines wegen eines Reifenplatzers, das andere wegen eines Feuerwehrautos auf der Strecke, würzen die Vettel-Show. Den Spruch des Tages liefert Bernd Mayländer ab. Als sich das Feuerwehrauto in Kurve 2 eigenmächtig vor das heranbrausende Feld setzt, ulkt Mayländer: "Wer will mir hier Konkurrenz machen?"
 
Am Montag geht es in aller Herrgottsfrüh zurück nach Seoul. Jetzt liegen die Berge rechts und das flache Land links. Die Lagune steht noch am gleichen Ort, die Radaranlagen auch. Keine Ahnung, ob da jemals einer einen Strafzettel bekommen hat. Wir sind rechtzeitig am Flughafen, geben Kollege Benoit wieder an seinem Airport-Hotel ab und checken für unseren Flug nach Osaka ein. Während Benoit noch eine Nacht am Flughafen vorzieht, sind wir der Meinung: Man kann gar nicht früh genug nach Japan reisen.

In unserer Galerie haben wir ein paar Impressionen vom Geschehen hinter den Kulissen des F1-Rennens von Korea gesammelt.

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