Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

F1 Tagebuch Malaysia 2013

Vettel macht Ärger

GP Malaysia 2013 - Formel 1-Tagebuch - Impressionen Foto: Gorys 30 Bilder

Die auto motor und sport-F1-Reporter waren auch 2013 wieder auf den Grand Prix-Strecken dieser Welt unterwegs. In ihren Formel 1-Tagebüchern gewähren sie einen persönlichen Blick hinter die Kulissen. Rennen 2: GP Malaysia - Vettel macht Ärger.

03.12.2013 Tobias Grüner

Nach dem spannenden Auftakt in Melbourne sollte es nur 7 Tage später in Sepang aufregend weitergehen. Dieses Mal brannte zwar kein Motorhome und es gab auch kein Weltuntergang-Gewitter. Trotzdem konnten wir uns über Geschichten nicht beschweren - Sebastian Vettel sei Dank.

Lebensgefährliche Taxifahrt zum Hotel

Schon die Taxifahrt vom Flughafen Kuala Lumpur zum Hotel in Subang sorgte für erhöhten Pulsschlag. Das in die Jahre gekommene Gefährt malaysischer Bauart machte an sich schon keinen verkehrssicheren Eindruck. Doch mein Chauffeur setzte noch einen obendrauf. Kaum waren wir auf der Autobahn, klappten dem Taxifahrer immer wieder ganz langsam die Augenlider runter. Dazu schwitzte und zitterte er, als wäre bei ihm gerade das Dengue-Fieber ausgebrochen.

Richtig wach wurde er nur, wenn er bei seiner Schlingerfahrt über die 4 Spuren von anderen Verkehrsteilnehmern angehupt wurde. Dann röchelte er meist kurz, zog ekelhaft hustend irgendwelche schleimige Körperflüssigkeit aus seiner Lunge nach oben, kurbelte das Fenster runter und verteilte den Auswurf auf dem Mittelstreifen. Während der Fahrt versteht sich. Wie schnell wir dabei waren, konnte ich nicht sagen. Die Tachonadel weigerte sich von der Nullstellung wegzubewegen.

Trotzdem erreichten wir irgendwie heil das Hotel, wo Roger Benoit schon auf uns wartete. Die Reporterlegende vom Schweizer Blick ist trotz seiner mehr als 650 F1-Rennen immer als einer der ersten Journalisten am Grand Prix-Ort. Im Gegensatz dazu verbrachte mein werter auto motor und sport-Kollege Michael Schmidt den Dienstag noch entspannt in Sydney und ließ mich alleine in die malaysischen Tropen reisen, um erste Impressionen zu sammeln.

China-Markt und Eis am Stiel

Back-to-back-Rennen innerhalb von 7 Tagen sind zwar anstrengend, sie geben aber auch immer eine kleine Gelegenheit, etwas mehr von Land und Leuten zu sehen, als nur das Hotel und die Rennstrecke. Und so ging es am Dienstagabend nach Downtown Kuala Lumpur auf den China-Markt. Das halbe F1-Fahrerlager war ebenfalls vor Ort, um sich mit billigen Uhren, Handtaschen und Markenklamotten einzudecken. Alles echt - zwinker, zwinker.

Während die meisten anderen Kollegen am Mittwoch noch ihre Eier in den Pool hängen ließen - um mit den Worten von Sebastian Vettel zu sprechen - und Kollege Schmidt irgendwo über dem australischen Outback die Vorzüge der Business-Class genoss, machte ich mich mit der Schweizer Fraktion - Roger Benoit und Speedweek-Kollege Mattias Brunner - schon am Mittwoch auf zur Strecke um erste Bilder und Stimmen einzufangen.

Wie immer war es heiß und feucht. Jeder Meter außerhalb klimatisierter Räume sorgte für spontane Schweißausbrüche. Abhilfe gab es nur im Lotus-Pavillon. Dank neuer Sponsoren-Partner wurde Journalisten dort unbegrenzt Gratis-Eis und Deo zur Verfügung gestellt.

Am Freitag im Training meldete sich dann erstmals der Regen zu Wort. Auch das Qualifying am Samstag fand auf halbnasser Bahn statt. Das Problem: Das Regenradar von Meteo France war just im dümmsten Moment ausgefallen. Pünktlich zum dritten Quali-Abschnitt standen Teile der Piste unter Wasser. Im Gegensatz zu Melbourne konnte die Sitzung immerhin durchgezogen werden. Sebastian Vettel ließ sich am wenigsten durch die Bedingungen irritieren. Pole Position - mit fast einer Sekunde Vorsprung.

Stallorder bei Red Bull und Mercedes

Am Sonntag lief es nicht ganz so rund für den späteren Weltmeister. Nach einem misslungenen Reifenpoker auf halbfeuchter Strecke fand er sich plötzlich hinter seinem Teamkollegen wieder. Freiwillig wollte der nicht Platz machen. Auch der Kommandostand war nicht sehr hilfreich. Für den Funkspruch "Get him out of the way" erntete Vettel viel Kopfschütteln im Media-Center. Obwohl die Red Bull-Leitung einen Nichtangriffspakt verordnete, blies der Deutsche zur Attacke.
 
Bei der Pressekonferenz sah man anschließend einen unglücklichen Sieger. Vettel druckste herum, entschuldigte sich bei Webber und sprach von einem "dummen Fehler." Sein Teamkollege verstand die Welt nicht mehr und gab sich wortkarg. Teamchef Christian Horner versuchte den medialen Super-Gau irgendwie in den Griff zu bekommen. Für die Journalisten sind solche Tage ein seltener Glücksfall. Wenn mal etwas nicht wie gewohnt nach Plan läuft, gibt es die besten Geschichten.
 
Auch im Mercedes-Camp gab es lange Gesichter. Wie Vettel wurde Nico Rosberg während des Rennens zur Zurückhaltung im Teamduell aufgefordert. Rosberg hielt sich daran, was ebenfalls für Verstimmung sorgte. Bei der obligatorischen Medienrunde nach dem Rennen kam es zu einer seltsamen Szene.
 
Rosberg wurde gefragt, ob er - wie von Ross Brawn behauptet wurde - während des Rennens Sprit sparen musste. Eine direkte Antwort verweigerte der Fahrer allerdings zunächst. Rosberg erbat sich zunächst eine Auszeit, um sich mit Toto Wolff abzustimmen. Erst nach 5 Minuten kehrte er zurück zu den wartenden Medienvertretern. Spritsparen sei bei ihm kein Thema gewesen, so die überraschende Antwort.

Vettel spaltet die Formel 1-Welt

Mercedes hatte Glück, dass Red Bull noch mehr Angriffsfläche bot als der Streit im Silber-Lager. Am Montag bekam Vettel auf den Titelseiten die volle Breitseite verpasst. Vor allem die Engländer spielten sich als Hüter des Fair-Plays auf. Vettel musste sich Vergleiche mit dem bösen Schumacher gefallen lassen. Ex-F1-Pilot John Watson forderte gar ein Rennen Sperre. Aus Red Bull-Teamchef Horner wurde laut "Times" ein Dr. Frankenstein, der das Monster, das er selbst geschaffen hat, nicht mehr kontrollieren konnte.

Auch in den Kommentaren auf den auto motor und sport-Seiten wurde wild diskutiert. Im Wissen, dass uns die Angelegenheit noch lange Stoff für Geschichten bieten wird, bestieg ich am Montag das Flugzeug in Richtung Heimat. 14 Tage später war von Entschuldigung bei Vettel übrigens nichts mehr zu hören. Und nach seiner Siegesserie zum Saisonende schrieben auch die britischen Kollegen wieder voller Hochachtung vom neuen und alten Champion. Zum Glück ist die Formel 1 sehr vergesslich.

In unserer Galerie haben wir ein paar Impressionen vom Geschehen hinter den Kulissen des F1-Rennens von Sepang gesammelt.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden