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F1 Tagebuch Monaco 2013

Reifen-Skandal im Fürstentum

GP Tagebuch 2013 Monaco Foto: Reinhard 31 Bilder

Die auto motor und sport-F1-Reporter waren auch 2013 wieder auf den Grand Prix-Strecken dieser Welt unterwegs. In ihren Formel 1-Tagebüchern gewähren sie einen persönlichen Blick hinter die Kulissen. Rennen 6: GP Monaco.

07.12.2013 Bianca Leppert

Auf das Rennen in Monaco habe ich schon die ganze Saison hingefiebert. Zum ersten Mal trat Kollege Tobias Grüner einen seiner Lieblings-Grands-Prix an mich ab, worüber ich mich natürlich wie ein Schnitzel freute. Ich war erst wenige Wochen zuvor zum ersten Mal für einen anderen Auftrag in Monaco und malte mir schon aus, wie turbulent es dann erst bei der Formel 1 in der Fürstenmetropole zugehen musste.

Brennendes Auto im Gotthard-Tunnel

Schon die Anreise mit dem auto motor und sport-Testwagen gestaltete sich interessant. Zunächst holten ich mit dem Kollegen Michael Schmidt die Reporter-Legende Roger Benoit vom Schweizer Blick in Zürich ab. Später wurde im Gotthard-Tunnel alle paar Minuten auf Italienisch, Deutsch, Englisch und Französisch durchgegeben, dass irgendwo ein brennendes Auto stehen würde. Bedeutete das etwa unser armseliges Ende in einem Tunnel? Natürlich nicht. Denn obwohl wir uns wirklich aufmerksam umschauten, war nirgendwo ein brennendes Auto zu sehen.

Vielleicht testete man auch einfach nur die Lautsprecheranlage. Mit dem Effekt, dass alle Autos extrem langsam durch den Tunnel krochen. Das stellte wieder einmal die Geduld unseres Chauffeurs und bekennenden Schnellfahrers Schmidt auf die Probe. Er hatte die ganze Fahrt über das Gefühl, noch nie so lange für die Strecke nach Monaco gebraucht zu haben.

In unserem Hotel in Menton angekommen, wurden wir für die anstrengende Anreise gebührend entschädigt. Wir setzten uns bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel in ein Café an der Strandpromenade und ließen es uns gut gehen. Weil die Hotels in Monaco während des Grand Prix nur für Millionäre erschwinglich sind, hauste fast die gesamte Formel-1-Gemeinde ein paar Kilometer weiter jenseits der französischen Grenze in dem beschaulichen Küstenstädtchen.

Besenkammer für Frau Leppert

Die Kollegen Schmidt und Grüner hatten mir schon angekündigt, dass für die auto motor und sport-Fachkraft aus der Online-Redaktion im Hotel immer nur die Besenkammer reserviert ist. Ich nahm die Scherze zunächst nicht ernst. Als ich dann das kleine Kämmerchen neben der Personaltoilette zugewiesen bekam, verstand ich schnell. Zuerst wunderte ich mich, warum auf dem Gang ständig jemand staubsaugt. Bis mich Leidensgenosse Grüner via Skype aufklärte, dass es sich nicht um einen Staubsauger, sondern um den Händetrockner der Personaltoilette handelte. Aber, hey, für den Monaco Grand Prix nimmt man einiges in Kauf.

Am Mittwoch herrschte im Fahrerlager noch Newsarmut. Die große Bombe sollte erst am Sonntag platzen. Ich nutzte die Zeit, um mich etwas zu orientieren, und mir einen Eindruck vom Kurs zu machen. Zudem stand das traditionelle Car Spotting auf der Agenda. So ruhig es an der Strecke zuging, so ruhig war es auch in Menton. Bei einem abendlichen Spaziergang durch die Stadt wunderten wir uns, warum hier alle ausgeflogen waren. Selbst die Lieblings-Eisdiele unseres Fotografen Daniel Reinhard hatte schon geschlossen. Dabei wollten er mir unbedingt das beste Eis der Welt präsentieren.

Faszination Formel 1 in Monaco

Am Donnerstag deutete sich mit den Trainingsbestzeiten von Nico Rosberg schon an, dass sich der Mercedes-Pilot in den Gassen von Monaco tatsächlich bestens auskennt. Schließlich ist er hier aufgewachsen. Die Faszination Monaco erlebte ich am Freitag zum ersten Mal aus der Nähe. Zwar war die Formel 1 nicht auf der Strecke, aber die GP2 genügte schon, um einen Eindruck davon zu  bekommen, wie verrückt die Piloten sein müssen, um im engen Leitplankendschungel auf Bestzeitenjagd zu gehen. Obwohl ich wirklich nicht schreckhaft bin, zuckte ich ständig zusammen, wenn eines der GP2-Autos nur Millimeter entfernt von mir um die Kurve bog.

Am Samstagmorgen wagte ich das gleiche Experiment im Formel 1-Training. Nur ein kleines Mäuerchen trennte mich im dritten Training von diesen Kamikaze-Piloten. Mein erster Gedanke: Die haben nicht mehr alle Latten am Zaun. Ich sendete Stoßgebete zum Renngott, er möge mir nach diesem Erlebnis noch alle Körperteile lassen. Umso verwunderlicher, wie die Streckenposten diese Aufgabe meisterten. Sie schienen alle mit XL-Kannen voll mit Baldrian-Tee ausgestattet zu sein.

Am Abend verwandelte sich der Asphalt, auf dem eben noch diese Superhelden unterwegs waren, zur Partymeile für die Fans. Plötzlich standen Bartische herum, ein DJ heizte den Massen mit viel Bass ein und auf den Yachten war ebenfalls der Teufel los. So authentisch wie an diesen beiden Tagen erlebte ich die Formel 1 nur selten. Ich hatte mich neu in diesen Sport verliebt.

Champions League Bayern gegen Dortmund

Im Qualifying auf teils nasser Piste, was Monaco erst recht zu einem Glücksspiel macht, setzte sich Nico Rosberg vor Lewis Hamilton durch. Die Frage lautete: Wie lange kann sich das Mercedes-Duo da vorne vor Sebastian Vettel behaupten? Nach dem Zeittraining interessierten sich viele aber schon gar nicht mehr für die Formel 1, sondern nur noch für Fußball.

Im Champions League-Finale spielten Borussia Dortmund und Bayern München gegeneinander. Ein Duell, das die Gemüter im Fahrerlager bewegte – vor allem die deutschen Piloten. Sebastian Vettel drückte den Borussen die Daumen, Nico Rosberg fieberte auf der heimischen Couch mit Bayern mit und sollte damit richtig liegen.

Reifenskandal zum Frühstück

Es dauerte aber nicht lange, bis am Sonntagmorgen jegliche gute Stimmung bei den Silberpfeilen verflogen war. Der geheime Reifentest mit Pirelli sickerte durch. Die Journalisten belagerten sowohl die Mercedes-Verantwortlichen als auch die Pirelli-Chefs. Dass Nico Rosberg am Nachmittag den ersten Mercedes-Sieg einfuhr, ging bei den Diskussionen um den Reifentest fast unter.

In der anschließenden Fragerunde musste sich Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff sichtlich zusammenreißen, denn es schmeckt ihm nicht, dass sich alles nur um den Test drehte und der Sieg in Vergessenheit geriet. An Arbeit und Storys mangelte es nicht. Irgendwann spät in der Nacht verließen wir das Pressezentrum und freuten uns nur noch auf einen Happen zu essen. Und bei der leckeren Pizza zum Abschied aus Monaco, war uns der Reifentest auch schon wieder egal.

In unserer Galerie haben wir ein paar Impressionen vom Geschehen hinter den Kulissen des F1-Rennens von Monte Carlo gesammelt.

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