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F1 Tagebuch Spanien 2013

Mercedes denkt Out-of-the-Box

GP Spanien 2013 - Formel 1 Tagebuch Foto: xpb 18 Bilder

Die auto motor und sport-F1-Reporter waren auch 2013 wieder auf den Grand Prix-Strecken dieser Welt unterwegs. In ihren Formel 1-Tagebüchern gewähren sie einen persönlichen Blick hinter die Kulissen. Rennen 5: GP Spanien.

06.12.2013 Tobias Grüner

Das 5. Grand Prix-Wochenende des Jahres in Spanien begann ganz entspannt. Die Lufthansa setzte mich beim Flug von München nach Barcelona auf einen Notausgang-Platz mit extra viel Beinfreiheit. Auch die Mietwagen-Firma meinte es gut mit uns. Ganze 26 Kilometer hatte unsere Kompaktkiste spanischer Bauart bisher abgespult. Offenbar ist bei der Hertz-Goldkarte des Kollegen Michael Schmidt Neuwagen-Geruch inklusive.

Heim-Grand-Prix in Barcelona

Das Rennen in Barcelona ist für mich wie ein zweiter Heim-Grand Prix. Ich kann schon nicht mehr zählen, wie viele Tage ich auf dem Circuit de Catalunya verbracht haben. Wahrscheinlich doppelt so viele wie auf allen anderen Strecken. Nach den zwei Testwochen im Februar war ich auch 2013 schon wieder zum dritten Mal vor Ort. Manch einem mag das irgendwann zu langweilig werden. Irgendwie freue ich mich aber jedes Mal wieder auf Barcelona.

An unserer Herberge liegt das allerdings nicht. Hotel "Iris" in Granoller. 3 gut gemeinte Sterne. Kleine Zimmer, unbequeme Betten, Blick auf die Straße und null Atmosphäre. Dafür aber günstig und nur 10 Minuten von der Strecke entfernt. Kollege Schmidt hat an der Rezeption so lange über sein Bett gejammert, dass er mittlerweile immer in einem größeren Zimmer mit Doppelmatratze untergebracht wird. Aber bis zu diesem Upgrade muss ich wohl noch häufiger kommen.

Zum Glück befinden sich rundherum fantastische Restaurants mit leckerer und preiswerter spanischer Küche. Das Pressezentrum ist im Boxengebäude untergebracht - mit direktem Blick auf die Ferrari-Boxenstopps. Und das Internet ist schnell und stabil. Damit erfüllt Barcelona alle Kritierien, die für Journalisten wichtig sind: Kurze Anfahrt, gute und günstige Restaurants, Pressezentrum mit Blick auf die Strecke und ein zuverlässiges Internet - mehr brauchen wir nicht.

Sauber-Dinner im Paddock Club

Spanien markiert mittlerweile fast schon traditionell den Auftakt in die Europa-Saison. Für die Trucker der Teams bedeutet das zusätzliche Arbeit. Die Arbeiter müssen die Motorhomes aus dem Winterschlaf aufwecken und zum ersten Mal in der Saison wieder aufbauen.

Für uns ist der Rundgang durch das Fahrerlager mit der Kamera immer die erste Aufgabe des Wochenendes. Die Formel 1-Fans sind offenbar immer ganz besonders interessiert, was sich bei den Team-Tempeln über den Winter getan hat. Dieses Jahr hatte sich allerdings nicht viel geändert. Der Mercedes-Container bekam einen neuen Anstrich – mit einem großen Stern. Außerdem wurde der Eingangsbereich architektonisch umgestaltet.

Für den Freitag hatte Sauber zum traditionellen Media-Dinner geladen. Eigentlich sollte die Veranstaltung wie üblich im Motorhome stattfinden. Doch ein Race-Truck, in dem die Büros der Ingenieure eingerichtet waren, wurde auf der Reise von Hinwil nach Barcelona in einen Auffahrunfall verwickelt. Das Personal belegte deshalb die obere Etage des Motorhomes.

Das Dinner wurde kurzerhand in den exklusiven Paddock Club verlegt. Ich wunderte mich, dass die Veranstaltung nicht komplett abgesagt wurde. Unsere Informationen über die finanziellen Probleme beim Schweizer Rennstalls wurden  immer konkreter. Obwohl das 4-Gänge-Menü ausgezeichnet war, verging mir bei Kalbsfilet und getrüffelten Gnocchi etwas der Appetit.

Alonso wird Fotografen-Opfer

Gemischte Gefühle gab es auch beim Anblick von Maria de Villota. Die Marussia-Testpilotin ließ sich im Fahrerlager von Barcelona erstmals nach ihrem schweren Unfall wieder öffentlich blicken. Wirklich beeindruckend, wie die Powerfrau die Situation meisterte. Mit roter Augenklappe und neuer Frisur schritt sie selbstbewusst zwischen den Motorhomes auf und ab. Die Nachricht von ihrem Tod fast genau 5 Monate später war dementsprechend ein großer Schock für die gesamte Formel 1-Gemeinde.

Eine weitere große Story für die Boulevard-Kollegen war die angebliche Attacke von Fernando Alonso auf einen spanischen Fotografen. Später kam heraus, dass es der Fotograf offenbar auf eine Konfrontation mit dem Ferrari-Piloten angelegt hatte. Erst verklagte er Alonso. Dann bot er an, Interviews zu dem Vorfall  zu geben - gegen 600 Euro Vorkasse.

Aufregung gab es auch um einen weiteren Ferrari-Mitarbeiter. Am Samstagabend machten plötzlich Gerüchte die Runde, dass Technikchef Pat Fry notfallmäßig ins Krankenhaus transportiert wurde. Keiner wusste zunächst, was los war. Der erste Verdacht auf Nierensteine bestätigte sich nicht. Bei der Untersuchung stellte sich heraus, dass der Blinddarm die Schmerzen verursachte. Am Sonntag blieb sein Platz am Kommandostand leer.

Auf der Strecke gab es für Ferrari weniger Probleme als neben der Piste. Von Startplatz 5 fuhr Fernando Alonso ein souveränes Rennen. Nach 66 Runden wurde er von den Fans mit frenetischem Jubel über die Ziellinie getragen. Alonso genoss den Moment des Sieges in vollen Zügen. Damals wusste er noch nicht, dass es der letzte Erfolg der Saison bleiben sollte.

Mercedes bleibt heimlich zum Reifentest

Das wusste die Konkurrenz auch noch nicht. Und so machten Red Bull und Mercedes anschließend fleißig Politik gegen die Reifen. Alonso hatte das Rennen mit 4 Boxenstopps gewonnen. So etwas habe mit Formel 1 nichts zu tun, wetterte Red Bull-Capo Dietrich Mateschitz. Komischerweise gab es von Red Bull keine Klagen, als Vettel 2 Jahre zuvor ebenfalls mit 4 Stopps erfolgreich war.

Während Vettel in diesem Jahr immerhin noch auf Rang 4 ins Ziel kam, blieb für die beiden aus der ersten Reihe gestarteten Silberpfeile nur ein 6. Platz durch Nico Rosberg. Nach dem Rennen versuchte Mercedes-Rennleiter Toto Wolff die erneuten Reifenprobleme im Motorhome zu entschuldigen, fand aber keine Erklärung. Seine Forderung: "Unser Team muss jetzt auch mal über Out-of-the-box-Lösungen nachdenken."

Was Wolff damit meinte, war unter den Journalisten niemandem so genau klar. 2 Wochen später wussten wir es dann. Mercedes hatte direkt nach dem GP Spanien noch 2 Reifen-Testtage für Pirelli mit dem aktuellen Auto absolviert, was zu großen Diskussionen führte. Ich hatte mich zwar gewundert, warum Mercedes sein Motorhome am Abend nach dem Rennen nicht wie die anderen Teams abbaute. Alarmglocken klingelten dabei allerdings nicht. Darüber ärgere ich mich heute noch.

In unserer Galerie haben wir ein paar Impressionen vom Geschehen hinter den Kulissen des F1-Rennens von Barcelona gesammelt.

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