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F1 Technik Auspuff-Vergleich

Heiße Gase bleiben ein heißes Thema

Auspuff Williams GP Australien 2012 Foto: Grüner 39 Bilder

Trotz strikter Grenzen bei der Positionierung der Endrohre sind die Formel 1-Teams auf sehr unterschiedliche Auspuff-Lösungen gekommen. Wir zeigen die verschiedenen Varianten, die in Australien am Start waren und erklären, was erlaubt ist und was nicht.

20.03.2012 Tobias Grüner

Das neue Reglement sollte eigentlich die Entwicklungskosten senken und weiteren Streit über das Thema angeblasener Diffusor verhindern. Doch wie immer in der Formel 1 schafften es die Ingenieure, aus einem einfachen Reglement einen komplizierten Entwicklungswettlauf zu machen.

Red Bull-Designer Adrian Newey klagte beim ersten Test noch lautstark, dass er mit dem neuen Auspuffreglement einer Spielwiese beraubt wurde. In Australien hatte das Auto von Sebastian Vettel allerdings schon das dritte große Update in Sachen Endrohr. Ganz aufgeben wollen die Formel 1-Konstrukteure die Nutzung der heißen Gase also nicht.

F1 Technik: Auspuff-Regeln für 2012 1:35 Min.

"Man kann den Teams das Wissen nicht mehr nehmen, dass sie sich über die vergangenen Jahre in Sachen angeblasener Diffusor angeeignet haben. Da ist es doch klar, dass sie nach Lösungen suchen, den Auspuff auszunutzen", verteidigte sich McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh.

Statt wie vorher direkt vom Unterboden wird nun aus etwas weiterer Entfernung auf alles geblasen, was Abtrieb bringen könnte: die Flügel auf den Bremshutzen, das untere Heckflügelelement oder gar der obere Hauptflügel. "Wir haben 130 verschiedene Karbonteile alleine an den Bremsverkleidungen", verrät Williams-Geschäftsführer Adam Parr über die Suche nach Abtrieb im Heckbereich.

McLaren geht extremen Weg beim Auspuff

Auf die Innenseiten der Räder zielt auch McLaren mit seinem Auspuffstrahl. Der MP4-27 hat wohl das ausgeklügeltste Sytem im Feld. Über einen Kanal in der Verkleidung werden die Gase gezielt nach außen geführt. Die FIA stufte das System als legal ein. McLaren nutzt mit der tiefen Mulde genau den Bereich hinter dem Endrohr, der frei gestaltet werden darf. Auch die Regelhüter geben allerdings zu, dass die Limits hier extrem ausgereizt wurden.

Bei der Konkurrenz wurde die Lösung eher mit hochgezogenen Augenbrauen betrachtet. Peter Sauber sagt, was viele denken. "Ich möchte nicht behaupten, dass es nicht legal ist. Aber so eine Schlucht ist schon grenzwertig." Dabei ist Sauber nach dem Verzicht im Vorjahr nun selbst beim Thema Auspuff gut dabei. "Wir nutzen die Auspuffgase. Das machen nicht alle. Das funktioniert bei uns auch schon sehr gut. Und wenn man sich das Auto einmal ansieht, dann machen wir das sehr legal."

Bei Sauber werden die heißen Auspuffgase durch die Strömung über dem Seitenkasten in eine Mulde gedrückt, die dem Strahl dann die Richtung zum unteren Heckflügel-Element vorgibt. Um die künstliche Strömung trickreich an den gewünschten Platz zu dirigieren, ist viel Arbeit mit Computersimulationen nötig. Je heißer die Gase, die an den Flügeln ankommen, desto größer die Wirkung.

Je größer das Endrohr, desto mehr Leistung

Die Auspuffanlage kann bis zu 900°C heiß werden, wenn die Auspuffgase mit 860 km/h nach außen gepresst werden. Je dünner das Endrohr, desto schneller die Gase und desto genauer kann man zielen. Allerdings bezahlt man die Engstelle vor dem Ausgang auch mit Leistungsverlust. Ein breiteres Rohr bringt mehr PS, allerdings werden die Gase dann auch weiter gestreut.

Bei Red Bull ist man einen ähnlichen Weg gegangen wie Sauber. Am vorletzten Testtag von Barcelona zeigte Newey seine zweite Endrohr-Variante, die ebenfalls in einer kleinen Mulde in der Verkleidung eingearbeitet ist. Ganz zufrieden war man aber wohl nicht. In Australien hat man direkt noch eine neue Version nachgelegt. Auspuff Nummer drei liegt in einer größeren und eckigeren Einbuchtung. Wir können erwarten, dass dieses nicht das letzte Update in diesem Bereich war.

Viele Teams mit Nachholbedarf in Sachen Auspuff

Auch viele andere Teams haben noch Nachholbedarf. Mercedes, Lotus, Toro Rosso und Williams fahren zu Saisonbeginn noch sehr konservative Versionen. Hier bringt der Auspuff kaum zusätzlichen Abtrieb. "Wir wollten erst einmal sehen, was erlaubt ist und wie weit man den Bogen spannen kann", erklärte Williams-Chefingenieur Mark Gillan. "Die FIA hat nun erklärt, was sie erlaubt und was nicht, und nun werden wir danach ein neues Konzept entwickeln."

Das Thema Auspuffgase bleibt also auch weiterhin ein heißes Thema. In unserer Fotoshow zeigen wir Ihnen die verschiedenen Endrohrvarianten, die die zwölf Teams in Melbourne gefahren sind. In unserem exklusiven Technikvideo erklären wir die neuen Regeln noch einmal an einem 3D-Modell aus allen Perspektiven.

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