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Red Bull mit F-Schacht?

Schnorchel-Trick kommt wieder in Mode

Red Bull RB8 Test 2012 F-Schacht Foto: ams 30 Bilder

Die F-Schacht-Paranoia geht um. Mercedes und McLaren haben den Schnorchel-Trick von 2010 schon im Frontflügel ausgepackt. In Barcelona gingen die ersten Gerüchte um, dass auch Red Bull mit F-Schacht fährt - im Heckflügel.

08.03.2012 Michael Schmidt

Es war das Technikthema der Saison 2010. McLaren hatte den F-Schacht erfunden. Dabei wurde über ein Kanalsystem Luft in ein Heckflügelelement geblasen. Wenn der Fahrer im Cockpit mit dem Knie oder der Hand eine Schleuse geschlossen hat, trat über einen kleinen Schlitz auf der Rückseite des Flügels Luft ins Freie. Das führte zu einem Strömungsabriss, zu weniger Luftwiderstand und zu höherem Top-Speed. Bis zu zehn km/h wurden auf diesem Weg gewonnen.

Für 2011 verbot die FIA den Zauber. Der Fahrer durfte keinen Einfluss mehr auf die Aerodynamik nehmen. Und der Steg, der die Airbox mit dem Heckflügel verband, fiel einer neuen Aerodynamikregel zum Opfer. Der Bereich wurde zur roten Zone für Karosserieteile erklärt.

Mercedes geht neue Wege beim Heckflügel F-Schacht

Mercedes war 2010 mit dem F-Schacht spät dran. Man hatte zunächst mit einer passiven Variante experimentiert. In das Hauptblatt des Heckflügels war eine Kassette mit einer Öffnung auf der Vorderseite eingelassen. Im Inneren wurde über Lamellen der Staudruck gemessen. Überstieg dieser eine bestimmte Grenze, wurde Luft abgelassen.

Später schob Mercedes einen aktiven F-Schacht nach. Es war die eleganteste aller Lösungen, denn sie verzichtete auf den Verbindungssteg zwischen Airbox und Flügel. Die Luftkanäle führten durch das untere Flügelelement über die Endplatten in die obere Etage. Auch da schob die FIA einen Riegel vor. Kassetten mit Staudruckmessern in Flügelelementen wanderten auf den Index. Das Flügelelement darf vorne keine Öffnungen mehr aufweisen.

Mercedes als Pionier des Frontflügel F-Schachts

Das F-Schacht-Prinzip ist allerdings weiter erlaubt. Die Regelhüter fühlten sich mit der Einführung von DRS auf der sicheren Seite. Wer per Knopfdruck den Heckflügel-Flap flachstellen darf, der braucht keinen F-Schacht mehr. Glaubte man. Bis Mercedes letztes Jahr in Suzuka einen F-Schacht im Frontflügel ausprobierte.

Die Luft wird dabei durch ein Loch in der Nase angesaugt und dann durch die Pylonen in das Flügelhauptblatt geleitet. Ab einem bestimmten Staudruck wird auf der Rückseite des Flügels Luft ins Freie geblasen. Das führt nicht nur zu einer Ablösung der Strömung, sondern auch zu einer Beruhigung der Luft unterhalb des Flügels. Die Strömung kommt sauberer am Unterboden an. Neben einem Top-Speedgewinn von sechs km/h bietet es auch die Möglichkeit, den Frontflügel-Flap steiler anzustellen.

F-Schacht Pionier McLaren ist dem Beispiel von Mercedes gefolgt. Doch auch die anderen Teams haben spitze Ohren bekommen, als die Geschichte Ende letzten Jahres durchs Fahrerlager geisterte. Und ein paar ganz schlaue dachten sich: Was vorne geht, ist auch hinten möglich. Mercedes hat es 2010 ja vorgemacht, wie man Luft in den Heckflügel bekommt. Über die Endplatten. Die vorne offene Kassette kann man sich sparen.

Kommt auch der Heckflügel F-Schacht wieder in Mode?

Beobachter wollen in Barcelona auf der Rückseite des Mercedes-Heckflügels zwei hauchdünne Schlitze erkannt haben. Das würde erklären, warum die Mechaniker bei jeder Rückkehr an die Boxen sofort eine Decke über den Flügel geworfen haben. Der war ihnen wichtiger als das Abdecken des Diffusors. DRS und F-Schacht im Zusammenspiel wäre auf der Geraden ein gewaltiger Top-Speedspender.

Mercedes soll nicht das einzige Team sein, das im Heckflügel einen F-Schacht verwendet. McLaren wird das ebenfalls zugetraut. Und neuerdings steht auch Red Bull im Verdacht, einen F-Schacht in den Heckflügel gelegt zu haben. Auch hier schwören Boxenspione, dass auf der Rückseite des Flügels mindestens ein Ablassschlitz zu sehen ist.

Hierin könnte auch eine Erklärung für den Lufteinlass in der Chassisstufe vor dem Fahrer liegen, der angeblich zur Cockpitkühlung dient. Es wäre die ideale Position, Luft in ein F-Schachtsystem einzuleiten. Adrian Newey reagierte auf unsere Frage, in welchem der Heckflügelelemente ein F-Schacht im Zusammenspiel mit DRS am meisten Sinn machen würde, plötzlich einsilbig. "Darüber sage ich am besten nichts."

Red Bull verstärkt Spionageabwehr

Außerdem fiel auf, dass es der Red Bull-Abschirmdienst am letzten Testtag in Barcelona besonders eilig hatte, die Heckflügel-Abdeckung in Stellung zu bringen. Dass Red Bull die letzte Ausbaustufe in Melbourne trotz der Testprobleme auf jeden Fall fahren will, wie Teamchef Christian Horner verriet, ist ein weiteres Indiz, dass hier irgendwas im Busch ist.

Leider fuhr Sebastian Vettel am letzten Tag zu selten, um aus den Top-Speed-Werten Rückschlüsse zu ziehen. Solange Red Bull noch mit der Präsentationsversion des RB8 unterwegs war, lagen die Spitzengeschwindigkeiten von Mark Webber und Sebastian Vettel teilweise um bis zu zwölf km/h unter denen von Mercedes und McLaren. Trotz aktiviertem DRS.

F-Schacht 2012 überhaupt legal?

Bei den Teams ist mittlerweile die F-Schacht-Hysterie ausgebrochen. Jeder schaut jedem noch genauer auf die Kohlefaserhaut, um Lufteinlässe und Löcher zu entdecken, die ein F-Schacht-System speisen könnten. Ein Foto des Lotus E20 zeigt zum Beispiel zwei Eintrittslöcher in der Kufe zwischen Unterboden und Chassis.

Andere Teams zweifeln die Legalität der vermuteten Systeme an. Uns ist zu Ohren gekommen, dass ein Rennstall bei der FIA eine offizielle Anfrage gestellt hat, was auf diesem Gebiet erlaubt ist und was nicht.

In unserer Fotogalerie zeigen wir verdächtige Fotos vom Red Bull-Heckflügel und werfen einen genaueren Blick auf die sensiblen Bereiche bei Mercedes und McLaren.

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