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F1-Technik-Krieg

Sauber und Red Bull im Visier der Konkurrenz

Sauber C31 2012 Foto: xpb 15 Bilder

Die FIA-Regelhüter haben aktuell viel Arbeit. Nicht nur gegen den F-Schacht von Mercedes und das Motorenmanagement von Renault wird Politik gemacht. Auch gegen Sauber und Red Bull gab es Anfragen der Konkurrenz beim Weltverband.

29.03.2012 Michael Schmidt

Die Formel 1 ist Krieg, auch wenn das die Gesundbeter im Zirkus nicht wahrhaben wollen. Zurzeit regiert wieder mal das Prinzip jeder gegen jeden. Red Bull, Lotus und Ferrari machen mobil gegen den Mercedes-F-Schacht. Mercedes gegen das Motormanagement von Renault. Und selbst Sauber geriet ins Visier.

Das Schweizer Team ist wohl einigen zu stark. Was sollen die Schlitze im Boden vor den Hinterrädern, fragte ein Konkurrent an. Die FIA winkte ab. Die Stelle liegt in einem Bereich, der sich hinter dem Ende der Referenzstufe im Unterboden befindet. Dort sind Schlitze im Boden erlaubt, solange an den Kanten der 50 Millimeter Radius eingehalten wird.

Red Bull an mehreren Stellen unter Verdacht

Schwieriger ist der Fall Red Bull. Ein Team hat die Legalität des Lufteinlasses vor dem Cockpit in Frage gestellt. Wer das Reglement beim Wortlaut nimmt, kommt zu dem Schluss, dass der Briefkastenschlitz in der Chassisstufe illegal sein müsste, solange er geöffnet ist. Die einzigen Löcher, die das Reglement im Chassis erlaubt, sind das Cockpit und Bedienungsluken.

Mercedes hat jetzt einen ähnlichen Schacht, aber der liegt über einem Zugang für die Vorderradaufhängung. Bei Red Bull führt besagtes Loch ins Nirgendwo. Viele würden gerne wissen, was außer der Cockpitkühlung noch damit gemacht wird.

Der Red Bull-Frontflügel regte die Phantasie der Konkurrenz schon bei den Testfahrten in Barcelona an. Als Sebastian Vettel am letzten Testtag nach einem Ausrutscher ins Kiesbett in Kurve vier an die Boxen zurückkehrte, hing der Flügel auf Halbmast.

Red Bulls Gegner waren überzeugt, dass es im Inneren des Flügels eine vorgespannte Drehstabfeder gibt, die den Flügel steif hält, um den FIA-Belastungstest zu bestehen. Ab diesem Punkt lässt der Torsionsstab eine kontrollierte Verbiegung zu. "Als Vettel seinen Unfall hatte, hat der Mechanismus versagt", wettern die Gegner.

FIA kontrolliert nicht bei Tests

Die FIA-Regelhüter winken ab: "So etwas wäre nicht erlaubt." Und bei Testfahrten kann Red Bull machen, was sie wollen. Solange alle Crashtests bestanden worden sind, muss das Auto bei Testfahrten nicht zwingend den Regeln entsprechend. Keines der Messgeräte, die da spazieren gefahren werden, sind legal.

Wie auto motor und sport in seiner aktuellen Ausgabe (8/2012) berichtet, entsprach auch die Präsentationsversion des Red Bull RB8 mit dem nach innen zielenden Auspuff nicht dem Reglement. Um sich vor Hitzeschäden zu schützen, musste Red Bull an Stellen Abweiser und Finnen anbringen, an denen sie verboten sind. Deshalb gibt es auch kein Zurück mehr zu dieser Version, es sei denn Red Bull löst das Problem mit der Überhitzung der Bauteile in der Peripherie der Endrohre anders.

Mercedes F-Schacht weiter unter Protest-Gefahr

Die Front gegen den F-Schacht von Mercedes gibt nicht auf und bombardiert die FIA mit Zweifeln an der Legalität des Systems. Es geht hauptsächlich darum, dass der Fahrer keinen Einfluss auf die Aerodynamik nehmen darf, was er nach Meinung der Gegner jedoch tut, weil er zum Aktivieren des F-Schachts den DRS-Knopf drückt.

Die FIA hat bislang auf alle Bedenken eine Antwort gefunden. "Es kommt nichts Neues. Sie drehen die Argumente von links nach rechts", heißt es aus FIA-Kreisen. Ross Brawn nennt den F-Schacht schlau DRS (Drag Reduction System): "Weil genau das passiert, was wir unter DRS verstehen. Es wird der Luftwiderstand reduziert."

Trotzdem steht der Mercedes-Trick auf wackligen Beinen. Er könnte noch aus dem gleichen Grund gekippt werden, aus dem die adaptive Radaufhängung des Renault nach langen Diskussionen verbannt wurde. Die Ingenieure könnten mit immer verrückteren Spielarten des F-Schachts kommen.

Für die großen Teams kein Problem, für die kleinen schon. "Wenn wir heute mit einem weißen Blatt Papier beginnen würden, wären wir in zwei Monaten fertig. Es würde richtig ins Geld gehen. Wir müssten uns überlegen, ob sich das für uns lohnt, oder ob es nicht besser wäre, Rundenzeit durch konventionelle Schritte zu gewinnen. Die großen Teams können so eine Entwicklung parallel zum normalen Programm betreiben. Bei uns geht das nicht", erklärt Sauber-Chefdesigner Matt Morris.

In unserer Fotogalerie zeigen wir Ihnen noch einmal im Detail, welche Stellen unter Verdacht der Illegalität stehen.

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