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F1-Technik-Regeln 2012

Angeblasener Diffusor endgültig verboten

Mercedes Auspuff GP England 2011 Foto: Grüner 26 Bilder

Der angeblasene Diffusor ist Geschichte. Die FIA und die Technikdirektoren haben Regeländerung beschlossen, die es praktisch unmöglich machen, Auspuffgase in den Diffusor zu blasen, um Abtrieb zu generieren. Die kleinen Teams atmen auf.

27.10.2011 Michael Schmidt

Der erste Schritt war nicht genug. Im ursprünglichen Regelentwurf für 2012 wurde die Auspuffposition neu festgelegt. Die letzten zehn Zentimeter des Endrohres müssen bei allen Teams den gleichen Durchmesser haben. Vorschrift ist ein mehr oder weniger rundes Rohr.

Von der Seite betrachtet muss der Auspuff zwischen zehn und 30 Grad nach oben ansteigen, aus der Vogelperspektive darf er maximal zehn Grad nach links und rechts von der Längsachse abweichen. Die Mündung muss in einem Bereich zwischen 250 und 600 Millimeter über der Referenzebene, zwischen 200 und 500 Millimeter außerhalb der gedachten Mittelachse des Autos und zwischen 500 und 1.200 Millimeter vor der Mittelachse der Hinterradaufhängung liegen.

Teams auf der Suche nach Schlupflöchern

Die großzügige Auslegung der Endrohrposition motivierte die Ingenieure offenbar dazu sich zu überlegen, wie man trotzdem den Diffusor anblasen könnte. Gerüchteweise war zu hören, dass schon bis zu 40 Prozent der derzeitigen Wirkung zurückzugewonnen waren, wenn man die Auspuffgase über eine Schnorchel auffängt und von dort nach unten in den Diffusor leitet. Das hätte ein erneutes Wettrüsten zu horrenden Kosten bedeutet.

In der letzten Sitzung der Technikdirektoren schob die FIA den Plänen der Ingenieure einen Riegel vor. Für die Motoren gilt ab 2012 die Regel, die der Weltverband beim GP England einführen wollte, bevor der Plan an den Bedenken der Motoreningenieure scheiterte. Der sogenannte "Overrun", womit das Anblasen im Schleppbetrieb des Motors gemeint ist, wird nun endgültig verboten.

Das heißt: keine Spätzündung mehr, Einspritzen nur noch auf vier statt acht Zylindern beim Gaswegnehmen. Damit kann der Motor kaum noch Auspuffgase produzieren, wenn der Fahrer vom Gas geht. Und damit wäre der Effekt, Auspuffgase in den Diffusor zu blasen, praktisch aufgehoben.

Neue Aerodynamik-Regeln gegen Tricks

Die FIA hat aber noch eine weitere Maßnahme beschlossen, um extreme Auspuffkonstruktionen zu unterbinden. Das Endrohr und ein gedachter Trichter im Drei-Grad-Radius drumherum muss aus einem bestimmten Winkel in Gänze sichtbar sein und darf nicht von irgendeinem anderen Karosserieteil bedeckt werden. Das würde die Schnorchellösung unmöglich machen. Ein Team wollte den Auspuff angeblich in den kanonenförmigen Luftauslass am Ende der Airbox legen, um von dort eine Umleitung in den Diffusor einzubauen.

Ross Brawn ist mit dem neuen Regelentwurf zufrieden. "Die Optionen den Auspuff für Aerodynamikzwecke zu nutzen ist nun sehr stark unterdrückt." Vor allem die kleinen Teams sind froh, dass der Auspuffzirkus endlich ein Ende hat. "Mit den neuen Regeln kriegt man höchstens zehn Prozent der aktuellen Wirkung zurück, je nachdem, welches Teil man mit dem Auspuff anbläst", glaubt Peter Sauber. Der Schweizer Rennstall hatte die Entwicklung des angeblasenen Diffusors bereits zu Saisonmitte eingestellt.

"Damit haben sie in der Theorie zwei Sekunden hergeschenkt", glaubt Lotus-Technikchef Mike Gascoyne. Lotus hat einen angeblasenen Diffusor, nutzt die Vorteile aber nur zu 50 Prozent. "Uns fehlt ein halbes Jahr Entwicklungszeit. Die großen Teams haben mit diesem Projekt bereits Ende 2010 begonnen." Gascoyne sieht in den Verbot ein Geschenk an die Teams, die sich die teure Entwicklung auf diesem Gebiet nicht leisten können. "Damit wird uns eine Sekunde geschenkt, die uns die Topteams auf diesem Gebiet voraus haben."

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