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Formel 1 Technik-Streit in Silverstone

Komödie im Auspuffkrieg geht weiter

Taffin, Newey & Horner Foto: xpb 24 Bilder

Für Silverstone bleibt das heiße Anblasen des Diffusors verboten. Bei den nächsten Rennen kann sich das aber schon wieder ändern. Am Sonntag soll noch einmal darüber diskutiert werden, welche Regeln bis zum Ende der Saison gelten sollen.

09.07.2011 Michael Schmidt

FIA-Rennleiter Charlie Whitung wird froh sein, wenn dieses Wochenende vorbei ist. Die Wörter Motorkennfeld, Auspuff, Vierzylinder-Modus und Drosselklappenöffnung kann er schon nicht mehr hören. Geschickte Lobbyarbeit der Teams hat die FIA in einen Zickzackkurs im Auspuffkrieg getrieben.

Zweimalige Regeländerung in Silverstone

Mal gilt der harte Kurs mit nur zehn Prozent Öffnung der Drosselklappen (oder Walzenschieber), mal bekommen die Drosselklappenmotoren von Renault und Ferrari Sonderrechte und dürfen um 50 Prozent öffnen. Was zur Konsequenz hätte, dass der Auspuff dann zu 70 Prozent seine alte Wirkung entfalten könnte. Das wäre gegenüber den Teams, die Mercedes- und Cosworth-Motoren fahren und auf zehn Prozent beschränkt sind ein klarer Wettbewerbsvorteil.

Das sah am Samstagmorgen auch die FIA ein. Um 9.15 Uhr gab der Verband die Order aus, dass für alle die Zehnprozent-Beschränkung gelte. Daraufhin beantragte Red Bull ein außerordentliches Treffen der Technischen Arbeitsgruppe. Die Teamchefs und Technikdirektoren redeten sich in der Mittagspause die Köpfe heiß. Man stand kurz davor, wieder auf die in Valencia geltenden Regeln zurückzugreifen, doch Williams und Sauber legten ein Veto ein. Deshalb gilt für Silverstone der harte Kurs, den die FIA am Morgen ausgegeben hatte. Also im Schleppbetrieb zehn Prozent öffnen und in vier Zylinder zünden und einspritzen.

Nächste Diskussion am Sonntag

Am Sonntag will sich die Gruppe erneut treffen, um eine endgültige Regelung für den GP Deutschland und den Rest der Saison zu finden."Wenn Sauber und wir unseren Widerstand aufgeben, geht es vielleicht schon heute Abend", macht Williams-Technikchef Sam Michael Hoffnung.

Doch die Sache ist kompliziert. Da steht Aussage gegen Aussage, und nur die Motoreningenieure wissen, was wahr ist. "Der Rest versteht doch nur Bahnhof", klagte Lotus-Teamchef Tony Fernandes. Renault behauptet, dass Mercedes darum gebeten hätte, bei vier der acht Zylinder einzuspritzen und zu zünden, weil man so den Einfluss der Motorbremse und von KERS besser steuern könne. Für Renault ist das verkapptes heißes Anblasen. Der aerodynamische Effekt wäre bei zehn Prozent offenen Walzenschiebern allerdings verschwindend gering.

Renault profitiert übermäßig von 50 Prozent-Regel

Mercedes rechnet vor, dass die Renault-Teams bei 50 Prozent geöffneten Drosselklappen über Gebühr profitieren. Das bedeutet 70 Prozent Luftdurchsatz und damit auch 70 Prozent "kaltes" Anblasen mit all seinen aerodynamischen Vorteilen. Ein solches Ungleichgewicht zugunsten von Renault könne man nicht hinnehmen.

McLaren vermutet deshalb, dass Renault die Sorgen um die Standfestigkeit seiner Motoren nur vorschiebt, um aerodynamisch so wenig wie möglich zu verlieren. Um den von Renault gefürchteten Blow-by zu reduzieren, reichen auch zehn Prozent Öffnung.

Auch Renault profitiert vom "Fired Over-Run"

Ein Renault-Ingenieur bestätigte bereits in Valencia gegenüber auto motor und sport.de, dass der so genannte Vierzylindermodus (Fired Over-Run) auch zum eigenen Vorteil sei. Während Mercedes damit offenbar die Motorbremse tunt, nutzt Renault das Zünden und Einspritzen in vier der acht Zylinder dazu, die konstruktionsbedingten Nachteile beim Ansprechverhalten zu minimieren.

Für Motoren mit Drosselklappen ist beim Beschleunigen besonders der Bereich zwischen null und zehn Prozent Gaspedalstellung kritisch. "Der Vierzylindermodus hilft uns, über diese Phase so schnell wie möglich hinwegzukommen", heißt es bei Renault.

Valencia-Regeln am Nürburgring?

Der gordische Knoten soll spätestens am Sonntagvormittag gelöst werden. Experten erwarten, dass ab dem Nürburgring die Regeln gelten, die in Valencia zur Anwendung kamen. Dann ist kalt und heiß Anblasen wieder erlaubt unter der Einschränkung, dass die Motoreinstellung zwischen Training und Rennen nicht angefasst werden darf.

Das wäre ein Nachteil für die Teams, die das heiße Anblasen perfektioniert haben. Sie können dann im Training mit extremen Einstellungen nicht mehr fahren, weil sie sonst im Rennen zu viel Sprit an Bord nehmen müssten. McLaren und Mercedes wären davon am meisten betroffen. Andere Teams wie Sauber und Williams könnten dagegen sein, weil sie das Anblasen im Schleppbetrieb ganz abschaffen wollen. Wie die FIA in einem offiziellen Schreiben bekanntgab, werden die Regeln nur auf den Valencia-Stand zurückgesetzt, wenn die zwölf Teams einstimmig dafür votieren.

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