Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Technik-Updates-Silverstone

Wer war der Sieger des Wettrüstens?

Caterham Technik Affen GP England 2012 Foto: Wilhelm 33 Bilder

Silverstone brachte die zweite große Welle des Technik-Wettrüstens. Doch der tagelange Regen hat die Teams Zeit gekostet, die neuen Teile zu testen. Für viele war das Rennen die Generalprobe. Sauber war trotz einer Nullrunde mit seinen Upgrades zufrieden. Caterham braucht einen zweiten Anlauf.

11.07.2012 Michael Schmidt

Die Entwicklung an den Formel 1-Autos steht nie still. Es gibt aber zwischendrin immer wieder Rennen, bei denen die Teams mit größeren Entwicklungsschüben auftauchen. Der GP Spanien war so ein Rennen. Auch der GP England. Diesmal legte der Mittelstand nach. Die Top-Teams hielten sich zurück, was bei dem engen Feld eigentlich bedeuten müsste, dass die eine Gruppe mit der anderen verschmilzt.

Das schlechte Wetter in Silverstone ließ aber eine echte Standortbestimmung nicht zu. Trocken waren nur das dritte Training und das Rennen. Da reichte die Zeit nicht aus, die neuen Teile ausgiebig zu testen und die Autos darauf abzustimmen. Wir haben dennoch probiert, Licht ins Dunkel zu bringen und beschränken uns dabei auf die Teams, die größere Pakete an den Start brachten.

Sauber - Update-Paket schlägt voll ein

Für Sauber war es der letzte Kraftakt in dieser Saison. "Bei uns läuft schon voll das 2013er Programm und halb das 2014er Auto", verrät Chefdesigner Matt Morris. Der Engländer war mit der Arbeit seiner Truppe zufrieden. "Alles funktioniert nach Plan. Die Wirklichkeit bestätigt die Daten." Insgeheim rechneten die Eidgenossen mit einem Podiumsplatz. Vereinzelte Runden in den Trainingssitzungen rechtfertigten den Optimismus. Im Regen wie im Trockenen.

Dann verzockten die Ingenieure mit der Reifenwahl im Q2. Sergio Perez lag trotz Startplatz 15 schon nach zehn Runden an siebter Stelle. Der Mexikaner war deutlich schneller als seine Vorderleute. Kamui Kobayashi tauchte nach der Serie der ersten Boxenstopps ebenfalls auf Rang sieben auf. Und das vom 17. Startplatz aus. Am Ende gab es null Punkte. Trotzdem zog Geschäftsführerin Monisha Kaltenborn ein positives Fazit: "Das Aerodynamikpaket hat das gebracht, was wir uns erwartet haben. Das müssen wir aus diesem Rennen mitnehmen."

Williams - zufrieden mit neuen Teilen

Ersatzteilmangel hatte bei Williams das Entwicklungstempo verlangsamt. Erst das Boxenfeuer, dann die vielen Unfälle. Vor lauter Reparaturaufträgen blieb der Produktionsabteilung kaum Zeit für neue Teile. In Silverstone gab es für den FW34 das erste größere Aerodynamikpaket mit neuen Flügel vorne und hinten, sowie modifizierten Bremsbelüftungen. Auch am Unterboden wurden kleine Retuschen angebracht.

Der siebte Platz von Pastor Maldonado im dritten Training überzeugte die Williams-Techniker, dass sie den richtigen Weg eingeschlagen haben. Auch im Rennen waren die Williams gut unterwegs. Bruno Sennas Schlussoffensive zeigte einmal mehr, dass der FW34 nett zu den Reifen ist. Silverstone war noch nicht einmal das ideale Terrain für die blauweißen Autos. Die größte Qualität des FW34 ist seine Traktion. Teammanager Dicke Stanford bilanzierte: "Wir sind zufrieden mit unseren Upgrades."

Force India - kein Zeitgewinn auf Konkurrenz

Force India modifizierte Unterboden, Heckflügel und Seitenkästen, um mit Sauber und Williams gleichzuziehen. "Wir müssen eine Schippe drauflegen, wenn wir die aus eigener Kraft schlagen wollen", forderte Nico Hülkenberg. Teamchef Vijay Mallya hatte sich vom besten Saisonergebnis in Valencia blenden lassen und nach dem GP Europa schon von Podiumsplätzen geträumt. "Hey Vijay, wach auf", ermahnte ihn Hülkenberg. "Ich bin Fünfter geworden, weil vor mir vier Autos ausgefallen sind."

Ob die Änderungen am Auto die erhofften drei Zehntel gebracht haben, hat sich in Silverstone noch nicht herausgestellt. "Wir hatten zu wenig Zeit auf trockener Piste", weicht Sportdirektor Otmar Szafnauer aus. Es scheint so, als hätten Sauber und Williams den gleichen Schritt nach vorne gemacht wie Force India. Damit fehlen dem WM-Sechsten vom Vorjahr immer noch zwischen zwei und vier Zehntel auf die Gruppe davor. Das Team hofft, dass man in Hockenheim mehr Gelegenheit bekommt, die Neuentwicklungen zu testen und zu verstehen.

Caterham - Update ist Rückschritt

Die Hoffnung war groß. Nachdem der neue Frontflügel in Valancia ein echter Schritt Richtung Toro Rosso war, sollte eine komplett neu gestaltete Heckpartie die Lücke zu dem Rennstall aus Faenza endgültig schließen. Zumal Toro Rosso nur Kleinigkeiten an seinem STR7 geändert hatte. Der Windkanal versprach Caterham eine Steigerung von einer halben Sekunde. Nach dem GP England hatte man das Gefühl, als wäre das Auto eine halbe Sekunde langsamer geworden.

Im dritten Training fehlten Heikki Kovalainen und Vitaly Petrov sechs Zehntel auf die Toro Rosso. Auch im Rennen konnte das grüne Auto nicht überzeugen. Kovalainen kam mit einer Runde Rückstand auf die Toro Rosso ins Ziel. Die schnellste Rennrunde lag 3,3 Sekunden hinter der Bestzeit. Chefdesigner Mark Smith entschuldigte sich mit fehlenden Testmöglichkeiten für das neue Paket. Ein vor Silverstone geplanter Aero-Test war ins Wasser gefallen. Er soll jetzt am Freitag (13. Juli) nachgeholt werden.

Marussia - Hoffnung für Glock

Für Marussia war es ein teurer Spaß. Eine halbe Million Euro soll das Facelift mit neuer Nase, neuem Frontflügel, neuem Heckflügel und Auspuff nach McLaren-Vorbild gekostet haben. Das ist so, als würde Red Bull fünf Millionen in ein Upgrade investieren. Die Simulation versprach sechs Zehntel Zeitgewinn. Zunächst schien nichts davon angekommen zu sein.

Timo Glock fehlten im dritten Training 4,4 Sekunden auf die Spitze und 2,3 Sekunden auf die ebenfalls nicht sonderlich überzeugenden Caterham. Auch im Regen betrug der Rückstand auf die Caterham über zwei Sekunden. Man war schon geneigt von einem Schuss in den Ofen zu sprechen, als sich im Rennen ein Hoffnungsschimmer abzeichnete. In der 50. Runde fuhr Glock eine Zeit, die schneller war als der Bestwert von Kovalainens Caterham und nur 2,7 Sekunden über der schnellsten Runde von Kimi Räikkönen lag.

Der Marussia war zu diesem Zeitpunkt mit weichen Reifen bestückt, die zwölf Runden auf der Lauffläche hatten. Fernando Alonsos Reifensatz - ebenfalls die weiche Mischung - war in der 50. Runde nur um 5,9 Kilometer älter. Der Ferrari-Pilot markierte eine Zeit von 1.56,0 Minuten. Nur 1,4 Sekunden besser als Glock. Marussia hofft jetzt, auf diesem Ergebnis aufbauen zu können.

In unserer Bildergalerie zeigen wir Ihnen noch einmal, welche neuen Teile die Teams an den Start gebracht haben.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden