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Technikwettlauf

McLaren kontert Red Bull

McLaren MP4-27 2012 Testfahrten Foto: xpb 11 Bilder

Das Wettrüsten geht weiter. Am Morgen konzentrierte sich das Interesse auf den modifizierten Red Bull. Den McLaren-Ingenieuren war das Recht. So merkte keiner, dass Red Bulls Herausforderer ein ähnlich großes Facelift an den Start gebracht hat.

03.03.2012 Michael Schmidt

Man hätte eigentlich Verdacht schöpfen müssen. Normalerweise ist der Platz vor der McLaren-Garage leer. Die Ingenieure stehen drinnen an einem hufeisenförmigen Pult und überwachen von dort den Testablauf über die Monitore. Die Mechaniker sprinten nur aus dem Dunkel, wenn das Auto von seiner Fahrt zurückkommt. Diesen Morgen war das anders.

Als eine Traube von Fotografen vor der Red Bull-Box auf die erste Ausfahrt des umgebauten RB8 wartete, patrouillierten fünf McLaren-Leute in der Boxengasse. Als Abschirmdienst, sollten sich doch noch Spione in die Nähe wagen.

McLaren-Update zunächst unbemerkt

Es war der perfekte Moment, ein großes Upgrade an den Start zu bringen, ohne dass es einer merkt. Die Ingenieure der Konkurrenz haben dagegen ganz genau hingeschaut. Force India-Technikchef Andy Green fragte: "Habt ihr den McLaren gesehen? Die haben ja das halbe Auto umgebaut."

Tatsächlich ist bei McLaren fast so viel neu wie bei Red Bull. Doch in diesem Fall im vorderen und nicht im hinteren Teil des Autos. Der Splitter unter der Nase fehlt. Damit weicht McLaren komplett von seiner Aerodynamikphilosophie ab, die seit geraumer Zeit auf eine niedrige Nase und ein niedriges Chassis setzt. Der Splitter war dazu da,  die Strömung vom Frontflügel aufzunehmen und damit den Anpressdruck der Frontpartie zu übernehmen. Der Nachteil: Die Strömung Richtung Unterboden war beeinträchtigt.

Statt des T-förmigen Karbonträgers unter der Nase hat der McLaren jetzt zwei Leitbleche an den Außenseiten des Monocoques. Damit fließt mehr Luft unter der Nase durch. "Das kommt dem Diffusor zugute", urteilt Ex-Jordan-Konstrukteur Gary Anderson. "Dafür habe sie vorne etwas Abtrieb geopfert."

McLaren kopiert Mercedes F-Schacht

Die Abkehr von bekannten Konstruktionsprinzipien nährt ein Gerücht, das seit Tagen durch das Fahrerlager geistert. Auch McLaren fährt in diesem Jahr mit einem F-Schacht im Frontflügel. Die Erfinder dieser Technologie haben letztes Jahr ganz genau hingeschaut, als Mercedes sein System im Freitagstraining von Suzuka ausprobiert hat.

Jetzt ist die Kopie davon offenbar bereits einsatzbereit. Am Morgen war das System allerdings noch deaktiviert. Das Loch in der Nase blieb zugeklebt. Überzeugen Sie sich anhand der Bilder in unserer kleinen Fotoshow.

Was hat der F-Schacht mit dem Splitter zu tun? Ganz einfach. Die Technik soll durch gezieltes Abblasen der Luft, die in den Frontflügel eingeleitet wird, die Strömung unterhalb des Flügels beruhigen. Das hilft nicht nur dem Unterboden, weil er sauberer angeströmt wird. Es verringert auch den Luftwiderstand und erhöht damit den Top-Speed.

Martin Whitmarsh meinte letztes Jahr gegenüber auto motor und sport, dass man damit bis zu sechs km/h auf der Geraden gewinnen könne. Heute würde er vermutlich nicht mehr so offen darüber reden. Es geht auch umgekehrt. Man investiert den theoretischen Topspeedgewinn in eine steilere Anstellung der Frontflügel-Flaps. Und damit hätte McLaren den Verlust an Abtrieb durch die neue Anordnung der Leitbleche wieder aufgefangen.

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