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Formel 1-Kräfteverhältnis vor Bahrain

Die ultimative Formel 1-Testbilanz

Fernando Alonso Foto: xpb 44 Bilder

Nach 15 Testtagen wird es ernst für die zwölf Formel 1-Teams. Die Vorbereitung ist gemacht, doch die Experten rätseln immer noch, wer der Schnellste ist. Zum meistgenannten Favoriten Ferrari gesellen plötzlich noch Red Bull und McLaren. Wir sorgen für Aufklärung.

05.03.2010 Michael Schmidt

Die Simulationsprogramme der Teams laufen auf Hochtouren. Rundenzeiten, Sektorenanalyse, Speedmessungen und GPS-Ortung ergeben ein relativ klares Bild, wenn man den Dateninput mit der entsprechenden Software berechnen lässt. Während die Fans noch rätseln, wer als Favorit nächste Woche in den ersten Grand Prix, haben die Betroffenen selbst schon eine ganz gute Ahnung.

Ferrari wieder eingeholt

Bis zum 14. von 15 Testtagen lag in allen Hochrechnungen Ferrari in Front. Doch dann rüsteten Red Bull und McLaren auf. Im Stundentakt trafen im Fahrerlager Lieferwagen ein, die neue Teile aus dem Windkanal im Gepäck hatten. Praktisch jedes Auto veränderte während der vier Tage beim abschließenden Test in Barcelona sein Aussehen. Doch bei Red Bull und McLaren gab es einen richtigen Ruck nach vorne.

Auf eine Runde lag das Feld abgesehen von den Neuzugängen in weniger als einer Sekunde. Das ist ein guter Indikator dafür, dass es im Training wie im letzten Jahr eng zugehen wird. "Es sei denn, einer hat geblufft", warnt Mercedes-Sportchef Norbert Haug. "Ich glaube nicht, dass bei den jeweils schnellsten Runden jeder mit der minimalen Spritmenge unterwegs war."

Analyse mit den Longrun-Zeiten

Mercedes-Testpilot Nick Heidfeld erklärt, dass die Milchmädchenrechnung, wonach zehn Kilogramm pro Runde 0,35 Sekunden kosten, nicht linear ist. "Das kann bei kleineren Spritmengen stimmen. Aber wenn dann mal über 100 Kilo im Tank sind, wirkt sich jedes Kilo zuviel noch dramatischer aus." Trotzdem sind die so genannten Longruns der einzige Anhaltspunkt bei Vergleichsrechnungen. Wer eine Renndistanz überstehen will, muss volltanken.

Und damit sind zwischen 160 und 170 Kilogramm Benzin im Tank. Deshalb beziehen sich alle Hochrechnungen auf den Ausgangspunkt einer Rennsimulation. Dann wird heruntergerechnet und beobachtet, wie sich die Rundenzeiten abhängig vom abnehmenden Gewicht und dem verwendeten Reifen entwickeln. Und da ergab sich am allerletzten Testtag ein verwirrendes Bild.

Red Bull und McLaren mit Sprung nach vorn

Nach einem imaginären Grand Prix am Freitag galt folgende überraschende Reihenfolge: Ferrari vor Sauber, Toro Rosso, Red Bull, Force India, Williams und McLaren. Mercedes stieg aus dem Rennen wegen eines Defekts, der Michael Schumacher eine Stunde in der Box festhielt, aus.

Als die Teams am Sonntag ihre Autos auf den letzten Stand gerüstet hatten, machten Red Bull und McLaren einen riesigen Satz nach vorne. "Lewis Hamilton war verdammt schnell, nach unseren Berechnungen schneller als Massa", verrät Haug. Red Bull-Pilot Mark Webber simulierte nur Teile eines Rennens, zeigte aber ebenfalls ein beeindruckendes Tempo. Heidfeld glaubt: "Red Bull hat nicht alles gezeigt." Ross Brawn erkennt an der GPS-Analyse seiner Techniker: "In schnellen Kurven und beim Bremsen geht der Red Bull exzellent. Und in den langsamen Kurven haben sie sich stark verbessert."

Medium-Reifen deutlich konstanter als soft

Michael Schumacher begann seinen Grand Prix mit den gleichen Rundenzeiten wie Hamilton, brach dann aber ein. Am Ende des ersten Turns war der McLaren eine Sekunde pro Runde schneller als der Mercedes GP. Was aber auch an den verwendeten Reifen gelegen haben kann. Hamilton war mit Marke "medium" unterwegs. Und die zeigten eine atemberaubende Konstanz. Schumacher fuhr "soft", die laut Teamchef Ross Brawn für die Strecke von Barcelona zu weich waren.

Nach dem Reifenwechsel war es umgekehrt. Da hatte Hamilton die Reifen drauf, die bei Schumacher Probleme gemacht hatten. "Und da sah er dann auch nicht mehr überragend aus", wirft Ross Brawn ein. Im Gegensatz zum Freitag fuhr Hamilton ein Zweistopprennen. Man hat offenbar aus dem Desaster der Freitags-Simulation gelernt. Hamilton wäre dabei von Alonso überrundet worden. Der Ferrari ging wesentlicher schonender mit den Reifen über eine lange Distanz um. Und Hamilton nimmt seine Sohlen härter ran. Da fehlten dem McLaren allerdings auch der neue Frontflügel, die modifizierten Leitbleche und die geänderte Motorabdeckung, die am Sonntag das Auto aus Woking regelrecht beflügelten.

Balance-Probleme bei Mercedes

Mercedes GP konnte im Konzert der großen Vier noch nicht mithalten. "Wir haben Probleme mit der Balance des Autos", gibt Brawn zu. Das Auto fällt, je nach Kurve vom Unter- ins Übersteuern oder umgekehrt. Das frisst Reifengummi, vor allem vorne. Ein neues Aerodynamikpaket in Bahrain soll Abhilfe schaffen. Mercedes GP hat in Bezug auf neue Technik am meisten in der Hinterhand. Ferrari hielt sich mit Neuheiten in Barcelona zurück. Auch da wird noch ein Schritt erwartet. Bei Red Bull kommen nur noch Kleinteile, und McLaren hat sein Pulver verschossen. "Meines Wissens war die Barcelona-Version die Bahrain-Version", erklärte Hamilton in Spanien.

Von den Teams im Mittelfeld können Sauber, Toro Rosso, Williams und Force India den großen Teams durchaus gefährlich werden. Vor allem im Kampf um die besten Startplätze. "Wenn da einer mit der Reifenwahl viel riskiert", glaubt Haug, "kann er sich vorne reinfahren." Adrian Sutil fehlten im Kampf um die Testbestzeit von Barcelona nur zwei Zehntel. Der Sauber C29 zeigte gute Langlaufeigenschaften, während der Williams eher auf eine Runde überzeugte.

Auch Toro Rosso steht bei den Teamchefs der Top-Teams mit einem Ausrufezeichen im Notizblock. Die Dauerläufe von Sebastien Buemi und Jaime Alguersuari sorgten für hochgezogene Augenbrauen bei der Konkurrenz.

Ferrari gewinnt Zuverlässigkeitswertung

Insgesamt haben die Teams vor der Saison 56.723 Kilometer abgestrampelt. Genug, um für den Saisonstart gerüstet zu sein. Michael Schumacher amüsiert sich über eine Zeit, in der Testen Placebo war. "2005 sind wir bei Ferrari auf 95.000 Kilometer gekommen, und haben uns trotzdem nicht vorwärts bewegt. Heute machen wir unsere Hausaufgaben im Simulator und im Windkanal." In puncto Standfestigkeit ist Mercedes gerüstet. Die Motoren blieben heil. Zuletzt gab es ein Hydraulikleck im Getriebe.

Ganz anders Red Bull. Keines der Spitzenautos blieb so oft liegen wie die Vize-Weltmeister. Klassenbester ist Ferrari mit 7.320 Kilometern an 15 Testtagen. Macht einen Schnitt von 488 Kilometern pro Tag. Timo Glock könnte neidisch werden. Der Virgin-Pilot schaffte insgesamt nur 978 Kilometer.

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