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Formel 1 Test-Analyse Jerez

Vettel schon wieder auf Titelkurs

Sebastian Vettel F1 Test Jerez Foto: Red Bull 151 Bilder

Beim ersten Formel 1-Test in Jerez hat Red Bull die Bestzeiten der Konkurrenz überlassen. Zwei Mal Lotus, je ein Mal McLaren und Ferrari. Trotzdem weiß Sebastian Vettel, dass er mit diesem Red Bull wieder ein Siegerauto in der Hand hat. Wir haben die Statistik und die Analyse.

11.02.2013 Michael Schmidt

Alles andere als ein erster Platz ist für Red Bull normalerweise eine Niederlage. An den vier Testfahrten von Jerez landeten Mark Webber und Sebastian Vettel nur auf den Rängen zwei, vier, drei und noch einmal drei. Und trotzdem hinterließ das Weltmeisterteam in Andalusien den stärksten Eindruck. Webber und Vettel drehten Runden am Fließband. 372 an der Zahl. Der neue Red Bull RB9 war zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk. Das war das Ziel.

Dieser Red Bull ist nur ein Basismodell. Der echte RB9 kommt noch. Mark Webber urteilte zufrieden: "Wir sind heute schon weiter als zur gleichen Zeit im letzten Jahr." Teamchef Christian Horner gibt zu bedenken: "Wir haben es dieses Jahr einfacher, weil sich die Regeln nicht geändert haben. Im letzten Jahr mussten wir erst einmal das Verbot des angeblasenen Diffsors verdauen. Das hat uns ein halbes Jahr zurückgeworfen."

Red Bull-Gegner stolpern über Pannen

Im Vergleich dazu stolperten Red Bulls Jäger von einer Panne in die nächste. Bei Ferrari wurde es unter der Verkleidung zu heiß. Am letzten Tag brannte das Auto nach einem Getriebeschaden. McLaren legte eine defekte Benzinpumpe lahm. Lotus verschenkte einen Testtag, weil Kimi Räikkönen im Cockpit nicht richtig sitzen konnte und ein Kupplungsschaden das schwarze Auto stoppte.

Mercedes musste gleich zwei Tage mit Pannen abschreiben, die bei einem neuen Auto passieren können, aber nicht passieren sollten, wenn der Gegner Red Bull heißt. Am ersten Tag trat ein Kurzschluss auf, am zweiten ein Leck in einer Bremsleitung, was für Lewis Hamilton unsanft im Reifenstapel endete. Immerhin kam Mercedes mit zwei Marathons an den folgenden Testtagen insgesamt noch auf 322 Runden.

Red Bull mit Verspätung zum Test

Adrian Newey musste dem WM-Kampf 2012 Tribut zollen. Die Ingenieure in Milton Keynes betrieben am alten RB8 Entwicklung bis zum WM-Finale. Da blieb keine Zeit, gleich beim Testbeginn den großen Hammer auszupacken. Deshalb ist dieser erste Aufguss des RB9 nur eine Evolution, von dem Vettel sagt: "Bis auf die Farbe sieht er aus wie unser letztjähriges Auto. Die größten Änderungen sind unter der Verkleidung."

Aber man kennt das ja von Newey. Je weniger er bei der Präsentation zeigt, umso mehr hat er noch in der Hinterhand. Das Alarmierende für die Konkurrenz sind die Rundenzeiten. Dieser Red Bull ist schon in seinem frühen Entwicklungsstadium verdammt flott unterwegs. Vettel fuhr seine schnellste Runde von 1.18,565 Minuten auf harten Reifen.

Diese Zeit ist nur zu vergleichen mit den 1.18,861 Minuten von Jenson Button am ersten Tag. Auch Button war mit der härtesten Mischung von Pirelli unterwegs. Und am ersten Tag hatte die Strecke weniger Grip als am vierten. Die Tagesbestzeiten von Felipe Massa (1:17.879 Min.), Romain Grosjean (1:18.218 Min) und Kimi Räikkönen (1:18.148 Min) wurden durchweg mit der Gummimischung "soft" erzielt. Und die ist nach Aussage von Massa mindestens eine Sekunde wert.

Ferrari mit Aerodynamikproblemen?

Während Red Bull mit stoischer Ruhe sein Programm abspulte und die Gelassenheit von Dreifach-Weltmeistern an den Tag legte, brannte es bei der Konkurrenz lichterloh. Ferrari widmete die ersten beiden Tage Aerodynamiktests. Immer wieder rollte Massa in langsamer Fahrt um den Kurs. Das Auto war vollgestopft mit Sensoren aller Art. Das Programm hätte man auch auf einem Flugplatz abspulen können. Insgesamt kam Ferrari nur auf 278 Runden.

Irgendwie wird man das Gefühl nicht los, als gäbe es auch mit dem Toyota-Windkanal Korrelationsprobleme. So jedenfalls muss man Massas Aussagen deuten. "Die Testtage in Jerez waren sehr wichtig. Wir glauben, dass wir jetzt den richtigen Weg gefunden haben, den wir mit der Entwicklung gehen müssen." Das hört sich nicht nach übertriebenem Selbstvertrauen an. Immerhin ist das Auto kein totaler Flop wie im Vorjahr.

Neues McLaren-Konzept braucht Zeit

Der neue McLaren MP4-28 stand ebenfalls viel und lange hinter verschlossenen Garagentoren. "Das Auto ist so neu, dass wir von Grund auf neu lernen müssen. Es fühlt sich völlig anders an. Manche Seiten davon sind gut, manche nicht so. Wir müssen jetzt die schlechten davon aussortieren", gab Jenson Button zu. Wenigstens machte er Hoffnung: "Wir haben eine gute Basis, auf der wir aufbauen können. Noch ist das neue Auto langsamer als das alte. Doch das neue Konzept gibt uns mehr Entwicklungsspielraum."

Mit 299 Runden lag McLaren hinter seinen Erwartungen zurück. Button: "In unserem Fall brauchst du jede Runde." Bei Red Bull wundert man sich, dass McLaren so hohe technische Risiken eingegangen ist. "Die hatten doch am Saisonende das schnellste Auto."

Lotus sucht weiter Hauptsponsor

Auch Lotus brachte es bei weitem nicht auf das erhoffte Testpensum. Kimi Räikkönen und Romain Grosjean drehten 272 Runden. Aber das schwarze Auto war wie im Vorjahr aus dem Stand schnell. Technikchef James Allison strahlte: "Wir haben ein sehr gutes Auto. Es macht alles das, was es soll."

Die Sorgen bei Lotus haben nichts mit der Technik zu tun. Teambesitzer Gérard Lopez sucht händeringend nach einem Hauptsponsor. Der erhoffte 30-Millionen-Dollar-Deal mit Honeywell fiel durch. Man ist da wohl einem Hochstapler aufgesessen. Auch Williams hatte mit Honeywell-Vertretern verhandelt. Bei einer Nachfrage im Vorstand der Firma sickerte durch, dass nie Interesse an einem Formel 1-Engagement bestanden habe.
 
Knappe Kassen machen Lotus angreifbar. Die Weiterentwicklung könnte leiden. Außerdem haben Spekulationen zufolge Ferrari und McLaren bereits ihre Fühler nach Technikchef James Allison ausgestreckt.

Mercedes bestätigt Windkanal-Prognosen

Mercedes hinterließ abgesehen von dem Pech zu Beginn der Testfahrten einen soliden Eindruck. Die Fahrer sind in der Lage 1.18er Zeiten zu fahren, allerdings auf der Mischung "medium". Die beiden Dauerläufe an den Tagen drei und vier haben demonstriert, dass der neue Silberpfeil im Prinzip zuverlässig ist. Positive Erkenntnis: "Das Auto macht das, was der Windkanal verspricht", verrät Teamchef Ross Brawn. Er sagt aber auch: "Wir haben noch viel Arbeit vor uns."

Lob kommt von Sauber-Pilot Nico Hülkenberg, der am Donnerstagmorgen in der ersten Kurve stand: "Da macht der Mercedes einen guten Eindruck." Hamilton tröstete sich mit der alten Testweisheit: "Es ist besser, die Probleme treten am Anfang als am Ende der Testfahrten auf."
 
Ein Fragezeichen bleibt das heftig rotierende Personalkarussell. Und so teilen sich die vielen Häuptlinge die Arbeit auf. Ross Brawn und Toto Wolff sind die Männer an der Front. Niki Lauda schaut ihnen auf die Finger. Aldo Costa beaufsichtigt das 2013er Projekt, Geoff Willis die 2014er Entwicklung. Technikdirektor Bob Bell koordiniert. Über den möglichen Neuzugang Paddy Lowe wird nicht gesprochen. "Der arbeitet in diesem Jahr bei McLaren", weicht Wolff lästigen Fragestellern aus.

Sauber schnell in schnellen Kurven

In seinem neuen Tarnanzug sieht der neue Sauber C32 optisch vielleicht aus wie eine graue Maus, doch der Eindruck könnte täuschen. Hülkenberg reiste mit einem Lachen im Gesicht aus Jerez ab. "Ich bin rundherum zufrieden. Windkanal und Wirklichkeit stimmen überein." In den schnellen Kurven liegt der C32 wie ein Brett. Augenzeugen berichten: Das beste Auto im Feld. Das gibt dem Aerodynamikkonzept mit dem schmalen Seitenkästen Recht.

Beim Einlenken tritt wie im Vorjahr noch eine gewisse Unruhe im Auto auf. "Wir kennen das Problem" sagt Chefdesigner Matt Morris. "Es ist lösbar." Sorgen, unter dem Maßanzug könnte es zu heiß werden, erwiesen sich als unbegründet. "Wir müssen bei 18 Grad Außentemperatur sogar einen Teil der Kühler abkleben, damit der Motor richtig warm wird", freute sich Teammanager Beat Zehnder. Mit 430 Runden war Sauber das fleißigste Team. Horner pflichtet bei: "Lotus und Sauber haben den stärksten Eindruck hinterlassen. Alle anderen sind noch schwer einzuschätzen."

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