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F1-Testanalyse Jerez

Spielt Williams ein falsches Spiel?

Williams FW33 Launch Valencia 2011 Foto: xpb 59 Bilder

Die Testwoche von Jerez hat mehr Fragen hinterlassen als Antworten. Williams bringt die Konkurrenz mit einer dominanten Bestzeit ins Grübeln. Mercedes fährt zwischen Genie und Wahnsinn. Und die Red Bull-Piloten finden sich im Klassement nicht unter den ersten Zehn.

14.02.2011 Tobias Grüner

Nach sieben Testtagen sollte sich eigentlich langsam ein Bild über das Kräfteverhältnis abzeichnen. Doch was soll man von einer Woche halten, in der vier Mal ein anderes Team an der Spitze der Zeitentabelle steht? In der Nico Rosberg fast zwei Sekunden langsamer ist als Teamkollege Michael Schumacher. Und in der Rubens Barrichello im großen Finale alles in Grund und Boden fährt.

Beginnen wir mit der Bestzeit des Williams. Lange steckte das Team in der Technik-Krise. Probleme mit dem beweglichen Heckflügel, mit dem Getriebe und mit KERS sorgten an den ersten beiden Tagen für viel Stillstand bei Pastor Maldonado. Barrichello fand sich mit vielen Longruns am Samstag ebenfalls im Hinterfeld der Tabelle wieder. Und am Sonntag explodiert der Brasilianer geradezu und unterbietet die zweitbeste Zeit der Woche von Schumacher um mehr als eine halbe Sekunde.

Was ist das Williams-Geheimnis?

Mit 1:19.832 Min. blieb Barrichello als einziger unter der 1:20er Marke. Direkt im Anschluss fuhr er noch acht weitere schnelle Runden. Die Konkurrenz schluckte. "Ich glaube nicht an diese Zeit", sagte ein Fahrer, der lieber nicht genannt werden will. "Wenn das echt ist, dann ist Williams in diesem Jahr ganz vorne mit dabei." Für Zweifel sorgten vor allem die Longruns, die bis zu sieben Sekunden über der Bestzeit lagen - so weit weg wie bei keinem anderen Team.
 
Außerdem war Williams ab Samstag ohne KERS unterwegs. Die Hybrid-Bauteile wurden wegen Problemen mit der Kühlung teilweise ausgebaut. Wie schnell soll das Auto dann erst mit dem Extra-Boost werden? Oder war Barrichellos Sportgerät ohne den Hybridballast plötzlich unter dem Gewichtslimit von 640 Kilo? Doch was für einen Grund hätte Williams für eine Showzeit?
 
Sind die nicht gerade dabei, an die Börse zu gehen, juxten einige im Fahrerlager. Gute Nachrichten können da nicht schaden. Doch Routinier Barrichello ist eigentlich nicht als großer Blender bekannt. Freimütig kündigte der GP-Rekordhalter schon Tags zuvor bessere Zeiten an. Mit neuen Reifen und wenig Sprit wollte der Mann aus Sao Paulo bei der Setup-Arbeit Fortschritte erzielen. Doch ist das schon das ganze Geheimnis?
 
Dass die Strecke am Sonntag einfach schneller wurde, ist nicht des Rätsels Lösung. Der böige Wind sorgte eher für schlechtere Bedingungen. Und mit den neuen Pirelli-Reifen wird die Strecke nicht mehr automatisch schneller. Der Gummi bleibt einfach nicht auf dem Asphalt kleben, klagen die Fahrer. Mit Verwunderung stellte ein Pilot fest, dass selbst beim Reifenanwärmen mit durchdrehenden Rädern keine schwarzen Streifen zurückbleiben.

Auferstehung der Silberpfeile

Die zweitbeste Zeit der Woche war Schumacher bereits zwei Tage zuvor gefahren. Auch bei der plötzlichen Auferstehung der Silberpfeile reagierte die Konkurrenz mit hochgezogenen Augenbrauen. "Vielleicht war es eine Showrunde für die deutschen Fans", kommentierte Red Bull-Pilot Mark Webber. Der schnelle Zeitenabfall nach der schnellen Runde deutet auf ganz weiche Reifen hin. Schumacher kontert: "Wir haben nichts Besonders gemacht. Die Bestzeit kam in einem Zehn-Runden-Stint."

Nick Heidfeld als Kubica-Ersatz

Mit der drittbesten Zeit der Woche schien auch Renault ein absichtliches Zeichen setzen zu wollen. Nick Heidfeld ist fest eingeplant als Ersatz für Robert Kubica. Mit der Tagesbestzeit am Samstag konnte der Mönchengladbacher die Entscheidung rechtfertigen. Mit dem richtigen Reifenmaterial und der passenden Spritmenge sorgte das Team für die passenden Rahmenbedingungen.
 
Soweit zu den ersten Vier im Wochenklassement. Auf den Rängen fünf und sechs folgen die beiden Ferrari-Piloten. Sechs Zehntel hinter dem Barrichello-Wunder scheinen Alonso und Massa ein normales Programm absolviert zu haben. Die beiden McLaren-Piloten liegen sechs Zehntel hinter dem Scuderia-Duo bereits ein Stück zurück. Ein gutes Zeichen ist das nicht. Doch der MP4-26 konnte sein Potenzial wegen der andauernden Probleme mit Unterboden und Auspuff noch nicht zeigen.

Red Bull mit hervorragender Balance

Die ganz großen WM-Favoriten kommen nach wie vor von Red Bull. Alle Streckenbeobachter sind begeistert von der Balance. Die Longruns werden konstant und schnell absolviert. Das Auto scheint schonend mit den Reifen umzugehen. Mit 395 Runden zeigt der RB7 zudem eine hohe Zuverlässigkeit, die man von Newey-Konstruktionen zu diesem frühen Zeitpunkt nicht unbedingt erwarten konnte.
 
Nur ein Punkt trübt die Euphorie der Experten: Im Wochenklassement tauchen Vettel und Webber erst auf den Rängen 14 und 15 auf. Red Bull ließ sich an den bisherigen Testtagen nicht aus der Reserve locken. "Schnelle Rundenzeiten interessieren uns momentan nicht", erklärte der Weltmeister trocken. Die Reifen der Marke "supersoft" ließ man komplett im Regal. "Die kommen bei den ersten vier Rennen sowieso nicht zum Einsatz", heißt es lapidar aus dem Red Bull-Lager.

Nächster Formel 1-Test Ende der Woche in Barcelona

Vielleicht lässt der nächste Test in Barcelona das Bild etwas klarer werden. Schon am Freitag geht das Winterprogramm in Katalonien in die dritte Woche. Im Vorjahr wurden auf der Grand Prix-Strecke vor allem Rennsimulationen gefahren. Auch ein neuer Schwung technischer Updates ist zu erwarten. Wir werden den Teams weiter ganz genau auf die Finger schauen.

FahrerTeamBestzeitRunden gesamt
1. Rubens BarrichelloWilliams1:19.832202
2. Michael SchumacherMercedes1:20.352226
3. Nick HeidfeldRenault1:20.36186
4. Felipe MassaFerrari1:20.413217
5. Fernando AlonsoFerrari1:20.493246
6. Kamui KobayashiSauber1:20.601170
7. Jenson ButtonMcLaren1:21.009139
8. Lewis HamiltonMcLaren1:21.09994
9. Sebastien BuemiToro Rosso1:21.213182
10. Jaime AlguersuariToro Rosso1:21.214114
11. Bruno SennaRenault1:21.40068
12. Sergio PerezSauber1:21.483150
13. Mark WebberRed Bull1:21.522207
14. Sebastian VettelRed Bull1:21.574188
15. Heikki KovalainenLotus1:21.632104
16. Daniel RicciardoToro Rosso1:21.75531
17. Adrian SutilForce India1:21.780101
18. Nico RosbergMercedes1:22.103112
19. Timo GlockVirgin1:22.20899
20. Vitaly PetrovRenault1:22.493122
21. Pastor MaldonadoWilliams1:22.59151
22. Paul di RestaForce India1:22.945163
23. Jerome D'AmbrosioVirgin1:22.985117
24. Jarno TrulliLotus1:23.21694
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