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Formel 1-Titelkampf

Wer gewinnt die letzten sieben Rennen?

Alguersuari GP Singapur 2011 Foto: Reinhard 22 Bilder

Früher gab es nach der Hälfte der Saison meist ein klares Bild. Die Analysten mussten nur in ihre Statistiken schauen, um zu wissen, wer unter welchen Bedingungen schnell ist. In diesem Jahr sind die Prognosen für den Saisonendspurt etwas schwieriger.

18.09.2012 Michael Schmidt

Die Formel 1-Teams versuchen immer alles zu verstehen. Es gibt eigene Abteilungen in den Rennställen, die nichts anderes tun als Statistiken zu erstellen. Die Frage ist immer die gleiche: Wo sind wir stark, wo die anderen? Und warum?

Für jede Disziplin gibt es Charts. Für Rundenzeiten, Sektorzeiten, Top-Speeds, Kurvengeschwindigkeiten, Beschleunigungswerte, Boxenstopps, Überholmanöver, das Delta zwischen Training und Rennen, den Reifenverschleiß oder die Platzierung in Abhängigkeit der Reifenwahl. Normalerweise lassen sich nach 13 Rennen im Jahr gewisse Gesetzmäßigkeiten erkennen.

Früher war das einfach. Die Saison 2007 verlief beispielsweise nach einem klaren Muster. Ferrari war auf den schnellen Strecken überlegen, McLaren auf den langsameren. Eine Saison später kehrte sich diese Regel ins Gegenteil um. Dafür gab es einen einfachen Grund.

"Ferrari hatte an seinen Schwächen gearbeitet, wir an unseren", erklärt McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh. "Das perfekte Rennauto gibt es nicht. Du musst immer mit einem Kompromiss leben. Wer sich in seinen Schwachstellen verbessert, schenkt bei seinen Stärken etwas her. Im Winter von 2007 auf 2008 sind Ferrari und wir beim Abarbeiten unserer Schwächen offenbar ins andere Extrem gefallen."
 
Diesmal herrscht Verwirrung bei den Zahlenmenschen. Versuchen Sie es mal. Welches Auto ist wo unter welchen Bedingungen schnell? Es gibt ein paar Anhaltspunkte, aber keine gesicherten Fakten. Eindeutig ist nur ein Chart. Das beste Auto im Regen ist der Ferrari. Fernando Alonso gewann den GP Malaysia, und er fuhr in Silverstone und auf dem Hockenheimring auf die Pole Position. In allen drei Fällen war die Strecke nass. Doch dann hören die Gemeinsamkeiten schon auf. Es gibt mehr Abweichungen von der Regel, als es den Analysten in den Teams lieb sein könnte.

Reifenwahl gibt keinen Hinweis auf Favoriten

Beispiele gefällig? Beginnen wir mit dem Reifenangebot. Bei sechs der 13 Rennen brachte Pirelli die Reifentypen "soft" und "medium". Die Sieger hießen je zwei Mal McLaren und Ferrari, ein Mal Red Bull und ein Mal Mercedes. Lotus war überall bei der Musik, aber nirgendwo ein Sieger. Nicht sehr aufschlussreich.

Die Gummimischungen "medium" und "hart" kamen in Sepang, Spa und Monza zum Einsatz. Ferrari gewann ein Mal, McLaren zwei Mal. Ferrari und Sauber gaben auf allen drei Rennstrecken eine starke Figur ab. Immerhin eine Erkenntnis, die gewisse Rückschlüsse erlaubt. Aber Vorsicht: Sepang ist ein Kurs für viel Abtrieb, Spa für mittleren, Monza für minimalen Anpressdruck. Also drei unterschiedliche Streckentypen.

Die Reifenoption "soft" und "hart" gab es in Barcelona und Silverstone. Die Sieger hießen Ferrari und Red Bull. Konstant gut bei beiden Rennen war aber nur Ferrari. Red Bull floppte in Barcelona, war dafür in Silverstone bei der Musik. Bei Williams war es umgekehrt. Immerhin ähneln sich die Streckenlayouts. Vom Ferrari weiß man, dass er in schnellen Kurven im Spitzenpulk liegt. Der Red Bull RB8 hat in den schnellen Ecken eher Mühe. Dafür besitzt er aber neben dem Williams die beste Traktion.

Der Mix "Soft" und "supersoft" wurde bislang nur in Monte Carlo und Montreal angeboten. Mit diesen beiden Reifenvarianten wird auch am kommenden Wochenende in Singapur gefahren. Was lässt sich aus den Grand Prix von Monaco und Kanada für Singapur ablesen? Leider nicht viel. Bei dem einen Rennen triumphierte Red Bull, bei dem anderen McLaren. Ferrari fuhr auf beiden Strecken um den Sieg mit. Aber schon bei McLaren beginnt das Rätselraten. In Monte Carlo Mittelmaß, in Montreal siegfähig. Umgekehrtes Bild bei Lotus.

Singapur gut für Mercedes?

Teilen wir die Rennstrecken in Durchschnittsgeschwindigkeiten ein, dann wird es auch nicht viel erhellender. Singapur fällt mit 175 km/h Schnitt und einem Asphalt, der viel Grip bietet, in das Raster von Monte Carlo. Also müssten am Wochenende die Siegkandidaten Ferrari, Red Bull und Mercedes heißen. Doch da könnte die Papierform trügen. In Monte Carlo sind Vorder- und Hinterreifen gleichermaßen gefordert. In Singapur hauptsächlich die Hinterreifen.

Monte Carlo hat zudem eine größere Vielfalt von Kurventypen. In Singapur biegt die Straße bis auf die Zielkurve fast immer rechtwinkelig ab. Dafür sind gleichbleibende Temperaturen garantiert. Ein Vorteil für Mercedes. Wenn die Sonneneinstrahlung fehlt, dauert es, bis die Reifen in ihr Arbeitsfenster kommen. Ein Nachteil für Lotus. Aber die spielten ja schon in Monaco nur eine Nebenrolle. Die Stop-and-Go Charakteristik ähnelt Montreal und Monza. Nur deutlich langsamer. Also müsste auch McLaren stark sein.

Auf den Strecken mit Durchschnittsgeschwindigkeiten zwischen 180 und 190 km/h hinterließ Red Bull den stärksten Eindruck. Gefolgt von Lotus. Zwischen 190 und 200 km/h waren Ferrari und McLaren stark. Das Gros der Strecken liegt im Bereich zwischen 200 und 220 km/h. Auch hier bietet sich kein eindeutiger Favorit an. In Australien und Kanada gewann McLaren, in Bahrain Red Bull, in Hockenheim Ferrari. Über 220 km/h Schnitt ist das Bild wieder etwas eindeutiger. Da dominieren McLaren, Ferrari und Sauber.

Hitze gut für Lotus und schlecht für Mercedes

Die Asphalttemperaturen am Renntag liefern ebenfalls nicht den magischen Schlüssel, der uns diese Saison hinreichend erklärt. Vier Mal heizte sich der Belag bislang auf über 40 Grad auf. In Montreal (42 °C) siegte McLaren, in Valencia (46 °C) Ferrari, in Budapest (47 °C) und in Monza (42 °C) wieder McLaren. Hohe Temperaturen schaden dem McLaren also nicht. Doch nützen sie ihm? In Valencia fuhr Lewis Hamilton bis kurz vor Schluss auf Rang drei. Red Bull, Lotus und Ferrari waren aber deutlich schneller unterwegs.

Am kältesten war es bislang in China mit 24 Grad auf dem Asphalt. Mercedes gewann das Rennen überlegen. Die Silberpfeile gaben aber auch in Monte Carlo bei 36 Grad auf der Strecke ihre Visitenkarte ab. Temperatur und Erfolg scheinen also nicht unmittelbar zusammenzuhängen.

Das gleiche gilt für das Gripniveau. Viel Grip vom Asphalt favorisierte Mercedes in Shanghai, Red Bull in Monte Carlo, Ferrari in Valencia und McLaren in Budapest. Aus Sicht eines Statistikers eine Bankrotterklärung. Prognosen sind mit diesen Daten nicht anzustellen.

In Singapur sind wegen des Termins in der Nacht Außen- und Streckentemperatur fast identisch. Der Belag heizt sich selten auf mehr als 34 Grad auf. Das fiele in den Bereich von Bahrain, Barcelona oder Hockenheim. Und wie hießen die Sieger dort? Red Bull, Williams, Ferrari. Wieder keine Konstante zu erkennen.

Technik-Updates und Wetter als unberechenbare Faktoren

Wahrscheinlich liegt die Unberechenbarkeit an dem ausgeglichenen Feld. Wenn sich alles innerhalb einer Sekunde drängelt, dann entscheiden das bessere Setup, die letzte Ausbaustufe oder die gerade vorherrschenden Bedingungen über Sieg oder Niederlage. Ein verregneter Freitag schadet denen, die ihre Autos oder die Reifen immer noch nicht verstehen.

McLaren hat die letzten drei Rennen gewonnen und wurde in Hockenheim Zweiter. In Hockenheim wurde die große Aerodynamikoffensive gezündet. Bei Red Bull war es ähnlich. In Valencia debütierte das neue Heck. Das Rennen hätte Sebastian Vettel mit links gewonnen. Das nächste hat Mark Webber gewonnen. In Hockenheim und am Hungaroring fuhr Red Bull um Podestplätze mit. Erst bei den letzten beiden Grand Prix herrschte Flaute.

Ferrari zählt seit dem GP Spanien mit der Ausnahme Budapest ständig zu den Anwärtern auf einen Podiumsplatz. In Barcelona debütierte der runderneuerte F2012. Seitdem gab es effizientes Feintuning in kleinen Schritten. Hier scheint schon eher ein Zusammenhang zu liegen.

In unserer Fotogalerie zeigen wir Ihnen die entscheidenden Charakteristiken der letzten sieben Rennen und suchen nach Anhaltspunkten für Prognosen.

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