Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Formel 1: Regenchaos in Malaysia

Arroganz, Dummheit oder Pech?

Felipe Massa Foto: xpb 61 Bilder

Die vier Top-Teams hielten ihre Fahrer zu Beginn der Qualifikation sieben Minuten lang in den Boxen. Alonso, Massa, Hamilton und Button zahlten einen hohen Preis. Schumacher, Rosberg und Webber hatten Glück. Das Fahrerlager diskutierte: Arroganz, Dummheit oder einfach Pech?

03.04.2010 Michael Schmidt

Williams-Technikchef Patrick Head ist ein Mann klarer Worte. Das Urgestein der Formel 1 weiß, wie es sich anfühlt, wenn man mit dem Wetter verzockt. 1997 starteten seine beiden Fahrer Jacques Villeneuve und Heinz-Harald Frentzen beim GP Monaco trotz Regen mit Slicks aus der ersten Startreihe. Der Williams-Wettermann hatte aus Manchester ins Fürstentum gefunkt: Es trocknet ab. Daraus wurde eine der größten Blamagen der Formel 1-Geschichte.

Williams denkt pessimistisch und konservativ

"Seitdem sind wir gebrannte Kinder. Wir denken beim Wetter immer pessimistisch und spielen lieber konservativ." Williams schickte seine beiden Fahrer zur Qualifikation zum GP Malaysia 2010 aus diesem Grund auch sofort auf die Strecke. Obwohl die Wettervorhersage prophezeite, dass es in den nächsten 30 Minuten nicht regnen würde. Danach war gegen Ende von Q1 mit fast trockenen Bedingungen zu rechnen. Ferrari, McLaren. MercedesGP und Red Bull glaubten dem Radar und hielten ihre Fahrer in den Boxen fest. Oder es waren wie im Falle Alonso die Fahrer selbst, die sich fürs Warten entschieden.

Ein fataler Trugschluss. Am Ende fielen beide Ferrari und Lewis Hamilton durch den Rost. Jenson Button kam zwar eine Runde weiter, strandete aber im Kiesbett. "Ich musste volles Risiko eingehen, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass meine 1.52er Runde gut genug zum Weiterkommen sein würde."

Mercedes GP und Red Bull im Glück

Michael Schumacher, Nico Rosberg und Mark Webber schwindelten sich mit Glück durch die erste K.O.-Runde. "Bei mir war es sauknapp", gestand der Trainingsschnellste Mark Webber. "Wenn die erste fliegende Runde nicht gepasst hätte, wäre ich draußen gewesen. Danach regnete es viel zu stark, um sich noch zu verbessern." Teamchef Christian Horner gab zu: "Mit Mark haben wir uns zu lange Zeit gelassen. Das war ein Fehler, der leicht hätte ins Auge gehen können."

So wurden die Top-Teams zur Lachnummer im Fahrerlager. Nur Sebastian Vettel traute dem Braten nicht. Als einziger Top-Pilot stach er sofort in See. "Erst wollte ich auch warten, aber dann entschieden wir uns um. Es waren die ersten Runden im Nassen, und wir wollten mal schauen, wie es sich anfühlt. Wir hatten ja nichts zu verlieren. Besser eine Rundenzeit setzen als warten, bis es vielleicht noch schlechter wird."

Zu sehr auf den Wetterbericht vertraut

Die Ausreden der Gestrauchelten und derer, die gerade noch mit einem blauen Auge davongekommen waren, hörten sich nicht sehr überzeugend an. "Zu früh rausgehen hätte auch bedeuten können, gleich von der Strecke zu rutschen. Am Anfang war es noch extrem nass. Und da der Wetterbericht in den Tagen zuvor absolut exakt war, haben wir ihm geglaubt, dass es bis zum Ende von Q1 trocken wird", erzählte McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh.

Michael Schumacher verteidigte die Teamentscheidung mit ähnlich lautenden Argumenten. "Wir hätten mit den Extremwetterreifen anfangen müssen. Da wir davon ausgingen, dass es abtrocknet, wären diese Rundenzeiten zu langsam gewesen. Unsere Überlegung war: Wenn wir im Verlauf des Trainings sowieso auf Intermediates wechseln müssen, können wir auch gleich warten. Wir haben einfach zu sehr dem Wetterbericht getraut."

Top-Teams glauben zu sehr an die Technik

Rubens Barrichello hat in seiner langen Karriere für viele Teams gearbeitet, an der Spitze und im Mittelfeld. Der Brasilianer machte die Erfahrung: "Je besser die Teams, umso mehr glauben sie der Technik. Deshalb sage ich dem Team, was ich will." Barrichello glaubt, dass die Teams, die dann vom Wetter bestraft wurden, ein doppeltes Handikap tragen: "Erstens die schlechte Startposition. Zweitens die Fahrzeugabstimmung. Bei Ferrari und McLaren ist man davon ausgegangen, dass die Fahrer um die Spitze kämpfen. Da stimmst du dein Auto in Bezug auf die Getriebeübersetzung und den Abtrieb anders ab, als wenn du aus dem Mittelfeld angreifen musst. Deshalb wird es für Hamilton, Alonso und Co nicht einfach, nach vorne zu kommen."

Auch Robert Kubica kann die Top-Teams nicht verstehen. Der Sechstplatzierte dachte nicht einen Moment daran, zu Beginn des Trainings das Geschehen aus der Boxengarage zu beobachten. "Für die Top-Teams ist Q1 doch nur eine Durchgangsstation. Sie haben ohne Grund zu hoch gepokert. Auch wir hatten die Information, dass es trocken bleiben soll, aber wir wollten wenigstens eine Rundenzeit setzen, um eine Basis zu haben. Unser Team hat in jeder Phase des Trainings alles richtig gemacht."

Ross Brawn: "Denkweise überprüfen"

Da hakt auch Patrick Head ein: "Es gab für die Top-Teams nichts zu verlieren, wenn sie sofort ihre Autos auf die Strecke geschickt hätten. Von Arroganz würde ich nicht sprechen, höchstens von einer Fehleinschätzung. Jeder weiß, dass dieses Klima in Malaysia extrem ist. Bei 100 Prozent Luftfeuchtigkeit entscheidet ein Viertelgrad rauf oder runter oder der geringste Luftstoß, ob sich die Wolke entleert oder nicht. Man sollte einfach mit einplanen, dass hier nichts vorhersehbar ist."

Superhirn Ross Brawn glaubt, dass die Top-Teams vielleicht einmal ihre Denkweise überprüfen müssten. "Es ist unter uns fast zum Ritual geworden, solange wie möglich zu warten. Heute haben einige dafür bitter bezahlt."

----

Lesen Sie zu diesem Thema auch den aktuellen Blog von F1-Experte Michael Schmidt:

>> Malysia-Qualifying: Strafe für die Arroganz


Umfrage
Freuen Sie sich über die Pleite der Top-Teams Ferrari und McLaren?
Ergebnis anzeigen
Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden