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Formel 1-Transfermarkt

Der Hamilton-Wechsel und seine Folgen

Felipe Massa Michael Schumacher 2012 Foto: xpb 25 Bilder

Die Katze ist aus dem Sack. Lewis Hamilton fährt 2013 für Mercedes und Sergio Perez ersetzt ihn bei McLaren. Doch was wird aus Michael Schumacher, Nico Hülkenberg, Paul di Resta, Felipe Massa, Kamui Kobayashi, Adrian Sutil und Heikki Kovalainen? Schon bahnt sich eine neue Sensation an. Paul di Resta könnte bei Ferrari landen.

28.09.2012 Michael Schmidt

Das Unvorstellbare ist passiert. Lewis Hamilton verlässt seine Ersatzfamilie. Das Team, das ihn betreut, seit er zehn Jahre alt ist. Nur einmal hatte sich Hamilton von McLaren getrennt. 2005, als er nach der verlorenen Formel 3-Meisterschaft gegen den Rat von McLaren direkt in die GP2-Serie aufsteigen wollte. Hamilton fand keine Sponsoren und kehrte reumütig in den Schoß von McLaren zurück. Wenn das mal kein schlechtes Omen für seine Zukunft ist.

Für Mercedes ist Lewis Hamilton Chance und Risiko zugleich. Der Weltmeister von 2008 zählt unbestritten zu den drei Top-Piloten. Was er kann, wenn ihm sein Team ein konkurrenzfähiges Auto auf die Räder stellt, zeigte er in den letzten acht Rennen. Hamilton gewann drei Mal, blieb aber auch vier Mal unverschuldet stehen. Mit dem 27-jährigen Engländer gibt es für Mercedes keine Ausreden mehr. Wenn man nächstes Jahr nicht an der Spitze fährt, dann geht das definitiv auf das Auto und das Team.

Hamilton und Perez bringen Transferkarussell in Bewegung

Der Wechsel von Hamilton zu Mercedes hat weitreichende Konsequenzen für den Transfermarkt. Nur zwei Stunden nachdem die ersten Gerüchte über den Sensationstransfer durchs Netz schwirrten, gab McLaren Sergio Perez als Ersatz für Hamilton bekannt. Die Fachwelt ist gespalten, ob das eine gute Wahl war. Perez hatte unbestritten seine Highlights. Die Podiumsplätze in Malaysia, Kanada und Italien waren weltmeisterlich. Allerdings hatte er mit dem Sauber auch das Auto dafür, das ihm diese Aufholjagden ermöglicht hat ohne dabei die Reifen zu ruinieren.

Zwischendrin ist Perez immer wieder abgestürzt. Seine Leistungen schwanken stärker als die von Paul di Resta und Nico Hülkenberg. Selbst Ferrari war unsicher, ob man Felipe Massa durch Sergio Perez ersetzen soll. Das Zögern aus Maranello hätte McLaren eigentlich stutzig machen sollen. Ferrari hat Informationen über den 22-jährigen Mexikaner aus erster Hand. Stefano Domenicali konnte sich jederzeit bei Sauber erkundigen.

Perez könnte für McLaren deshalb auch eine strategische Wahl gewesen sein. Die Gerüchte, dass Hauptsponsor Vodafone Ende 2013 aussteigt, wollen nicht verstummen. Mit Perez hat man Kontakt zu Geld aus der Firmenkette von Carlos Slim. Hamilton und Perez sind seit ein paar Stunden fixe Größen. Doch was heißt das für die restlichen offenen Stellen im Fahrerlager? Und die Piloten, die noch keinen bestätigten Stammplatz für 2013 haben? Wir werfen einen Blick hinter die Kulissen.

Die Akte Schumacher:

Michael Schumacher ist bei Mercedes nicht freiwillig gegangen. Vielleicht hätte er im April Tatsachen schaffen können, wenn er seinen Vertrag damals schon verlängert hätte, doch seit dem GP Kanada Mitte Juni flirtet Mercedes mit Hamilton. Und seit dem Zeitpunkt lag es nicht mehr in Schumachers Hand, wie es weitergeht.

Der Rekordsieger macht zudem nicht den Eindruck, als wolle er aufhören. Er bekam in diesem Jahr schwarz auf weiß die Bestätigung dafür, wovon er seit seinem Comeback überzeugt war. Er kann so schnell fahren wie Nico Rosberg und damit auch wie der Rest der jungen Garde, wenn man ihm das richtige Auto dafür gibt.

Die Alternativen zu Mercedes sind dünn gesät. Eigentlich kämen nur Ferrari, Sauber und Williams in Frage. Beim Thema Ferrari behaupten Insider: Das wird nicht passieren. Frank Williams war immer ein großer Schumacher-Fan. Doch das allein genügt nicht mehr. Williams braucht Geld. Die Fachwelt tippt auf Pastor Maldonado und Valtteri Bottas.

Zu Sauber gibt es Kontakt. Peter Sauber würde den siebenfachen Weltmeister lieber heute als morgen an Bord nehmen, wenn er ihn finanzieren kann. Schumacher meinte, als wir ihn in Monza darauf ansprachen, mit einem Augenzwinkern: "Warum nicht?" Was damals vielleicht noch nicht ganz ernst gemeint war, scheint inzwischen mehr als nur ein Hirngespinst zu sein.

Sauber hat früher als sonst mit der Entwicklung des 2013er Autos begonnen. Der Chef meinte optmistisch: "Die Daten sagen uns, dass es noch einmal deutlich besser wird als das aktuelle." Mit Schumacher an Bord ließen sich Sponsoren finden. Der Abgang von Perez bedeutet übrigens nicht, dass Sauber seine mexikanischen Sponsoren verliert. Der Telmex-Vertrag ist langfristig und nicht an Perez gebunden.

Es liegt jedoch auf der Hand, den Mexikanern mit Esteban Gutierrez einen Gefallen zu tun. Gutierrez wäre aber für Peter Sauber ein großes Risiko. Dann braucht er einen wie Schumacher als sichere Bank im Team. Kamui Kobayashi ist keine Nummer eins. Kommt Schumacher nicht, steigen die Chancen auf ein Comeback von Adrian Sutil.

Die Akte Hülkenberg:

Nico Hülkenberg hängt zwischen vielen Stühlen. Force India drängt ihn zu einer Unterschrift. Lieber heute als morgen. Die Option McLaren ist weg. Die von Ferrari ein Poker mit ungewissem Ausgang. Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo hat sich in der Massa-Frage in dieser Woche weitere Bedenkzeit erbeten. Jetzt schwankt Hülk zwischen Force India und Sauber.

Bedingung ist, dass es Optionen gibt, nach einem Jahr wieder auszusteigen. Der Deutsche hätte aber gerne 2014 Handlungsspielraum, weil dann in vielen Teams wieder Plätze frei werden. Bei Ferrari, sollte Massa noch ein Jahr bleiben. Und bei Lotus, wenn Kimi Räikkönens Vertrag ausläuft. Zu lange warten kann ins Auge gehen. Das kennt Hülkenberg von 2010, als er bei Williams in letzter Minute abserviert wurde.

Die Akte di Resta:

Der Name Paul di Resta tauchte bei allen Spekulationen auf dem Transfermarkt kaum auf. Deshalb kam es überraschend, dass sich McLaren für Perez entschied und nicht für den Schotten, auf den man über Force India leichter Zugriff gehabt hätte. Doch di Resta ist mittellos. Mit Perez eröffnen sich für McLaren neue Sponsormärkte. Di Resta muss bei Force India ausgekauft werden. Das Team hält eine Option für ihn.

Die letzten Gerüchte sagen, dass Ferrari offenbar bereit ist, für den Vierten von Singapur eine Ablösesumme zu zahlen. Das würde erklären, warum Fernando Alonso nach dem Rennen in Singapur nicht bester Stimmung war. Der Spanier hat wohl geahnt, dass di Resta mit seinem vierten Platz nur 3,8 Sekunden hinter Alonso das Ticket für Ferrari gelöst hat. Sollten bei Force India beide Fahrer gehen, wäre das eine Chance für Fahrer wie Sebastien Buemi, Jaime Alguersuari, Adrian Sutil oder Jules Bianchi. Vielleicht sogar Rubens Barrichello.

Die Akte Massa:

Felipe Massa wird weiter auf die Folter gespannt. Eigentlich sollte er Mitte der Woche Bescheid bekommen. Nach seinem guten Rennen in Singapur sollten die Chancen nicht so schlecht stehen für den Brasilianer. Mit Perez ist einer seiner Konkurrenten vom Markt. Doch vielleicht hat genau diese Rochade Ferrari nachdenklich gemacht. Wenn McLaren bereit ist, Hamilton durch Perez zu ersetzen, sollte man dann nicht auch selbst über etwas mehr Risiko nachdenken.

Die möglichen Alternativen sind jedoch dünn gesät. Von den jungen Piloten kommen nur di Resta und Hülkenberg in Frage. Von den erfahrenen Sutil und Kovalainen. Offenbar hat Di Resta das Rennen gemacht. Fernando Alonso machte zuletzt vehement Werbung für Felipe Massa. Am Renntag von Singapur aber muss irgendetwas bei Ferrari passiert sein, was dem WM-Spitzenreiter die Laune vermiest hat. Beobachter meinen, es könnte etwas mit der Besetzung des zweiten Cockpits zu tun haben. Das spräche dann gegen Massa und für di Resta.

Die Akte Sutil:

Adrian Sutil steht bei Sauber auf der Liste. Genau wie Nico Hülkenberg. Heikki Kovalainen dagegen nicht. Der Finne hatte offenbar nie Interesse für Sauber gezeigt. Am liebsten hätte Sutil natürlich den Platz von Massa. Doch da stehen noch andere vor ihm an. Die besten Chancen hat Sutil bei Force India, wenn einer der aktuellen Stammpiloten geht. Zu Williams gab es 2011 Kontakt. Aber mit Bottas und Maldonado haben auch dort zwei Piloten bessere Karten. Zwei Jahre will sich der Bayer nicht auf die Ersatzbank schieben lassen. Sonst bleiben aber nur noch der Job als Pirelli-Tester oder ein Wechsel in die DTM.

Die Akte Kobayashi:

Die Tage von Kamui Kobayashi dürften gezählt sein. Der Japaner überlebt nur, wenn Sauber für Perez einen Ersatz vom Kaliber eines Michael Schumacher findet. Zusammen mit einem Youngster wie Gutierrez wäre Kobayashi überfordert. Zu inkonstant waren die Leistungen des Japaners in diesem Jahr. Zu groß der Abstand zu Perez in der WM-Wertung.

Die Akte Kovalainen:

Für Heikki Kovalainen gibt es offenbar nur zwei Optionen: Caterham oder Ferrari. Doch vorsichtig. Bei Caterham klopfen auch andere Fahrer an die Tür. Zum Beispiel Sebastien Buemi. Wer zu lange pokert, kann schnell seinen Platz verlieren. Zumal Kovalainen nicht ganz billig ist.

Die Akte Alguersuari:

Jaime Alguersuari wirbt öffentlich mit einem großen Sponsorpaket. In Singapur brachte er sich über Medienvertreter bei Sauber ins Gespräch. Doch dort weiß man nichts. "Es gibt keinen Kontakt", hieß es nur. Damit bleiben als einzige Alternativen für den Spanier nur noch Caterham und HRT.

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