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Formel 1-Verkauf an Liberty Media

Fragen & Antworten zum F1-Mega-Deal

Formel 1-Flagge - 2015 Foto: xpb 41 Bilder

Liberty Media hat für 746 Millionen Dollar einen Anteil von 18,7 Prozent an der Formel 1 gekauft. Der erste Schritt der Übernahme ist damit getan. Aber was ändert sich für die Formel 1? Was passiert mit Bernie Ecclestone? Wir geben Antworten auf die dringendsten Fragen.

08.09.2016 Michael Schmidt 8 Kommentare

Es ist der Start einer langen Reise. Sie begann am 7. September mit einer Investition von 746 Millionen Dollar und sichert Liberty Media 18,7 Prozent der Anteile des Formel 1-Universums. Inklusive einer Aktienausschüttung für CVC wird der Deal die Amerikaner am Ende rund 4 Milliarden Dollar kosten.Wer 100 Prozent vom gesamten Kuchen kaufen wollte, müsste 8,045 Milliarden Dollar investieren. Doch so viel braucht der US-Konzern nicht. Er muss nur die 35,3 Prozent von CVC Capitals und einen bestimmten Prozentsatz der anderen 15 Anteilseigner kaufen, um an 100 Prozent der Stimmrechte zu kommen. Das soll im ersten Quartal 2017 passieren.

Und genau um die geht es. Wer die Stimmrechte hat, bestimmt wie es kommerziell mit der Königsklasse weitergeht. Im Zusammenhang mit der Übernahme tauchen viele Fragen auf, wie es mit dem GP-Sport weitergeht. Müssen wir in Zukunft auf den Sport zugunsten einer Show verzichten? Wird die Formel 1 die Zuschauer nach dem Vorbild der Nascar-Serie mit 36 Rennen pro Jahr überschwemmen? Und wer wird der neue starke Mann der Formel 1? Viele Fragen. Wir geben die Antworten.

Was hat Liberty Media gekauft?

Der US-Medienkonzern hat bis Mittwoch (7.9.2016) 18,7 Prozent der Formel 1-Holding Delta Topco gekauft. Es handelt sich hierbei um die Aktien von Mehrheits-Anteilseigner CVC Capitals. In einem zweiten Schritt erwirbt Liberty Media weitere Aktien im Gesamtwert von 35,3 Prozent. Das bedeutet 100 Prozent Kontrolle an der Formel 1-Holding Delta Topco. Gleichzeitig erhält CVC 138 Millionen Aktien von Liberty Media in einem Wert von 2,9 Milliarden Dollar. Die Cash-Einlage von Liberty wird beim Abschluss der Übernahme nächstes Jahr um 350 Millionen Dollar auf insgesamt 1,1 Millionen erhöht. Das Unternehmen wird dann in Formula One Group umbenannt. Auch die anderen Aktionäre Waddell & Reed, der Lehman Brothers Insolvenzverwaltung, Norges Bank, der Bambino Trust und Bernie Ecclestone selbst stoßen laut dem Geschäftsplan von Liberty Anteile ab. Gemäß der Pressemitteilung sinkt Ecclestones Anteil dann auf 2,1 Prozent.

Wann hat Liberty Media die Kontrolle über die Formel 1?

Zunächst bleibt alles beim Alten. Liberty Media hat von der Formel 1-Holding Delta Topco nur eine Minderheitsbeteiligung gekauft, vom stimmberechtigten Mehrheitseigner CVC Capitals allerdings 52,9 Prozent. Der US-Medienkonzern will in ein einem zweiten Schritt seinen Einfluss ausweiten. Im ersten Quartal 2017 soll die Übernahme perfekt sein. Davor muss die EU-Kommission den Deal noch kartellrechtlich abklopfen und genehmigen. CVC-Chef Donald Mackenzie soll in Monza gegenüber Teamchefs gesagt haben, dass dies sein letzter Rennbesuch gewesen sein soll. Der Zeitrahmen ist also vorgeben.

Warum hat die Formel 1 Schulden?

Liberty Media hat mit dem Deal auch Schulden von 4,1 Milliarden Dollar gekauft. Warum hat die Königsklasse überhaupt Außenstände? CVC Capitals hatte seit der Übernahme 2006 das Formel 1-Geschäft drei Mal beliehen, um mit dem Geld in anderen Geschäftszweigen noch mehr Geld zu verdienen. Die Außenstände sind noch nicht vollständig zurückgezahlt.

Kann die FIA den Deal noch verhindern?

Theoretisch ja. Sogar ohne Angaben von Gründen. Der frühere FIA-Präsident Max Mosley hat in seiner Amtszeit die so genannte „Don King-Klausel“ im Concorde-Abkommen verankert. Damit wollte sich der Weltverband gegenüber einer Übernahme durch unseriöse Aktienfonds oder dubiose Finanzjongleure absichern. Bei Liberty Media besteht diese Gefahr nicht. Das 1991 in Colorado gegründete Unternehmen ist eine bekannte und seriöse Größe mit über 25.000 Mitarbeitern und mehr als 10 Milliarden Dollar Jahresumsatz. Außerdem profitiert die FIA von einem Verkauf. Der Weltverband hält 1,07 Prozent der Anteile, die er aufgrund der komplizierten Verkaufskonditionen zum Teil einlösen muss, wenn Liberty die Formel 1 an die Börse bringt. Die FIA hatte für den Anteil 458.000 Dollar bezahlt und würde bei einer kompletten Abtretung 80 Millionen Dollar zurückbekommen.

Kann die EU-Kommission noch dazwischenfunken?

Sie kann. Theoretisch dürfte die FIA kein kommerzielles Interesse an dem Sport haben. Solange die Aktien ruhen, hat die Brüsseler Behörde den 2013 zwischen Bernie Ecclestone und der FIA ausgehandelten Deal offenbar gebilligt. Das könnte sich ändern, wenn tatsächlich Geld an die Pariser Behörde fließen sollte. Die EU Kommission könnte den Verkauf als Interessenskonflikt werten. Eventuelle Bedenken der Brüsseler Wettbewerbshüter sind auch der Grund dafür, warum Liberty Media nicht in einem Schritt die Kontrolle übernimmt.

Chase Carey - Liberty Media GroupFoto: Liberty
Chase Carey ist der neue starke Mann neben Bernie Ecclestone.

Was wird aus Bernie Ecclestone?

Liberty Media wird für ihr neues Betätigungsfeld es eine Doppelspitze installieren. Die neuen Besitzer haben Chase Carey als Präsident und Bernie Ecclestone als Geschäftsführer nominiert. Der 62-jährige Carey ist ein TV-Direktor im Liberty-Konzern. Er übernimmt die Rolle von CVC-Chef Donald Mackenzie. Ecclestone wurde ein neuer Dreijahresvertrag angeboten. In der Aufteilung der Verantwortlichkeiten liegt der erste Konfliktstoff. Ecclestone ist ein Diktator, der ungern mit anderen Köchen in der Küche steht. Und von Carey hört man, dass er sich aktiver in das Geschäft einmischen wird als sein Vorgänger Mackenzie. Carey wird sich nach Ecclestones Einschätzungum die TV-Rechte und die Digital-Strategie kümmern. „Dinge, von denen ich nichts verstehe.“ Doch der neue Besitzer wird mit Sicherheit auch in die prinzipielle Formel 1-Ordnung eingreifen. Zum Beispiel Bernies Politik mit den Veranstaltern. Liberty Media-Gründer John Malone und sein Vorstandskollege Greg Maffei werden nur im Direktorium der Formel 1-Holding auftauchen. Der 75-jährige Unternehmer ersetzt Peter Brabeck-Letmathe. Der Formel 1-Vorstand soll innerhalb von 30 Monaten nach dem zweiten Schritt der Übernahme auf 15 Direktoren ausgeweitet werden. Mit genügend Liberty-Vorständen, um eigene Pläne durchzusetzen.

Wird es mehr oder weniger Rennen geben?

Das bestimmt nicht der neue Besitzer. Die maximale Anzahl an Rennen pro Jahr ist im Concorde-Abkommen verankert. Im Moment liegt das Limit bei 22. Die neuen Besitzer werden die Haupteinnahmequelle nach dem Vorbild vieler US-Sportarten auf die Bewegtbild-Rechte verlagern und den Veranstaltern Luft zum Atmen geben. Viele Promoter stehen kurz vor dem Kollaps. Es ist keinem gedient, wenn sie jedes Jahr garantierte Verluste schreiben. Inzwischen hat sich auch im Formel 1-Zirkus die Meinung durchgesetzt, dass die Rennen hauptsächlich in den Kernmärkten stattfinden müssen. Und dazu zählt Europa, wie auch der neue Boss Carey bestätigt. „Wir wollen den Sport nicht amerikanisieren. Seine Wurzeln liegen in Europa. Wenn wir in den USA zusätzliche Fans generieren, ist das ein Plus.“

Werden die Formel 1-Tickets billiger?

Mittelfristig ja. Die neuen Herren der Formel 1 werden den Veranstaltern keine Knebelverträge mehr aufs Auge drücken. Sonst haben sie bald keine mehr. Und ohne die starke Hand von Bernie besteht die Gefahr, dass sich die Promoter zusammenrotten und die Preise drücken. Sie haben genug Drohpotenzial in der Hand. Es gibt nicht beliebig viele Rennstrecken mit Formel 1-Lizenz und immer weniger verrückte Länder, die bereit sind, Summen von 30 bis 50 Millionen Dollar zu investieren, um auf die Landkarte des GP-Kalenders zu kommen. Kleinere Antrittsgelder bedeuten automatisch niedrigere Eintrittspreise.

Was ändert sich an den Regeln?

Gar nichts. Die Regeln macht die FIA in Abstimmung mit den Teams. Die Rechteinhaber haben zwar 6 Stimmen in der Strategiegruppe und der Formel 1-Kommission, doch das ist zu wenig, um selbst Hand ans Reglement anzulegen. Sie können damit nur kurzfristige Entscheidungen blockieren.

Wird die Auszahlung an die Teams gerechter?

Bis 2020 ändert sich auch hier gar nichts. Bis dahin gilt das Financial Agreement im Rahmen des Concorde-Abkommens. Das kann auch ein neuer Besitzer nicht aushebeln. Höchstens die EU-Kommission. Doch die hat auf die Beschwerde von Force India und Sauber noch nicht geantwortet. Nach Ablauf der aktuellen Verträge könnte sich aber tatsächlich etwas ändern. Liberty Media kennt sich bei den US-Sportarten aus. Ein Ableger des Unternehmens ist Besitzer des Baseball-Teams Atlanta Braves. Im American Football (NFL), Baseball (MLB), Basketball (NBA) und Eishockey (NHL) ist es üblich, dass die Teams an der Ausschüttung der Einnahmen ungefähr gleich behandelt werden, um zu verhindern, dass immer die gleichen Clubs gewinnen. Das dürfte auch das Konzept der Formel 1 werden.

Geht die Formel 1 an die Börse?

Wahrscheinlich ja. Wenn die Übernahme abgeschlossen ist. Bislang waren alle geplanten Börsengänge gescheitert. Zuletzt vor drei Jahren an der Börse von Singapur.

Was passiert mit den Teams?

auto motor und sport hat erfahren, dass Liberty Media den Teams Anteile zum Kauf angeboten hat. Sie könnten dann nicht nur über die Ausschüttung der Einnahmen durch die TV-Rechte, Antrittsgelder, des Paddock Club und der Werbepartner mitverdienen. Die Teams sind den neuen Besitzern offenbar wichtig. Drei Teams werden in den neuen Vorstand berufen.

Neuester Kommentar

"besonders finanziell ist es zur zeit eine katastrophe, vom anfang bis ende"

Für wen? Nicht für die Formel 1, die ein knappe halbe Milliarde Gewinn pro Jahr erwirtschaftet, nicht für die Teams, an die eine runde Milliarde an Antrittsgeldern und Prämien ausgeschüttet werden, nicht für die FIA, die nicht nur Lizenzgebühren von den Beteiligten einzieht, sondern auch am Verkauf profitiert. 404 - Katastrophe not found.

"Liberty will natürlich auch geld verdienen, aber offensichtlich sind sie klug genug etwas weitsichtiger zu schauen, und nicht nur aufs sofortigen gewinn"

Also bitte, wir reden von einem Finanzinvestor, der genau das gleiche Ziel hat wie der andere Finanzinvestor, der die letzten Jahre Gewinn aus der Formel 1 gesaugt hat. Sie haben die Formel 1 auch gekauft, weil bereits Verträge über 9 Milliarden Umsatz mit Streckenbetreibern und Sponsoren bestehen, weil die Formel 1 in den letzten Jahrenzehnten eine immense Expansion geschafft hat, sowohl was die Anzahl der Rennen als auch deren Lizenzeinnahmen angeht, und man sich weiter eine robuste Gewinnentwicklung erwartet.

Jetzt lautet die Aufgabe die Einnahmen zu steigern, damit die höheren Antrittsgelder, auf die es 2021 ff hinauslaufen wird, finanzierbar werden, denn dazu wird die aktuelle Rolltreppe nicht ausreichen. Mehr Rennen, mehr direkte Sponsoren, mehr kostenpflichtige Angebote an die Fans.

Proesterchen 12. September 2016, 12:22 Uhr
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