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F1-Vorschau GP China 2016

Folgt der nächste Rosberg-Streich?

Safety-Car - GP China 2015 Foto: xpb 60 Bilder

Am kommenden Wochenende steht auf dem Shanghai International Circuit das dritte Rennen der 2016er Saison an. Nico Rosberg hat an den chinesischen Kurs gute Erinnerungen. Aber auch Lewis Hamilton. Oder kann Ferrari die silberne Konkurrenz aufmischen?

13.04.2016 Andreas Haupt

Nico Rosberg hat einen Lauf. Das Vorjahr beendete der Mercedes-Pilot mit drei Siegen. Und die aktuelle Saison startete er mit zwei Erfolgen. Macht fünf Siege am Stück.

Beim kommenden WM-Lauf in China könnte Rosberg seine Serie ausbauen und mit Michael Schumacher gleichziehen. Der siebenfache Champion gewann zwischen 2000 und 2001 sechs Mal in Folge. Es gibt bisher nur drei Siegesserien, die länger anhielten. Eine weitere von Schumacher (GP Europa 2004 bis GP Ungarn 2004) und Alberto Ascari (GP Belgien 1952 bis GP Argentinien 1953) mit jeweils sieben Triumphen, sowie die Rekordfolge von Sebastian Vettel mit neun Erfolgen in Reihe (GP Belgien 2013 bis GP Brasilien 2013).

Rosbergs Aussichten auf Nummer sechs stehen gut. Die Strecke in Shanghai liegt ihm und seinem Silberpfeil. 2012 sicherte sich der WM-Zweite in China nicht nur seine erste Pole, sondern auch seinen ersten von bislang 16 Siegen. "Ich gehe mit viel Rückenwind in dieses Wochenende und freue mich auf den nächsten Kampf", sagt Rosberg.

Doch aufgepasst: Teamkollege Lewis Hamilton kommt der GP China ebenfalls äußerst entgegen. Der dreifache Weltmeister kreuzte bereits viermal als Erster den Zielstrich (2015, 2014, 2011, 2008). Allerdings versenkte Hamilton hier auch den Großteil seiner WM-Chancen 2007. Unvergessen das Bild, als er in der Boxeneinfahrt seinen McLaren im Kiesbett eingrub.

Dagegen hat die Formel 1 einen Weg aus der Qualifying-Misere gefunden: Nach zwei verpatzten Zeittrainings wendet sich die Königsklasse von dem bei den Zuschauern verhassten neuen Modus ab und fährt in China die Startplätze wieder nach dem 2015er Format aus.

Die Strecke - Shanghai International Circuit

Der 5.451 Kilometer lange Kurs wurde 2004 vom deutschen Streckenarchitekt Hermann Tilke in ein Sumpfgebiet vor den Toren Shanghais gepflanzt. Mittlerweile sind im Umfeld der Grand Prix-Strecke zahlreiche Wohngebiete wie Pilze aus dem Boden geschossen.

Vom Layout her bietet der breite Kurs mit seinen 16 Kurven jede Menge Abwechslung. Es gibt schnelle Kurven, mittelschnelle aber auch sehr langsame Ecken. Besonders bekannt sind die ersten drei Passagen, die in ihrer Form einer "Schnecke“ ähneln. Die Fahrer bremsen am Ende der Zielgeraden tief in die erste Kurve hinein, lassen sich hinaustragen, um den Scheitelpunkt der zweiten Kehre perfekt zu treffen. Es folgt ein langgezogener Linksknick auf eine etwas längere Gerade.

Die meisten Attacken wird es wie immer auf der Geraden zwischen den Kurven 13 und 14 geben. Mit mehr als einem Kilometer ist es eines der längsten Geradeausstücke im Kalender. Weitere Überholmöglichkeiten bieten sich vor Kurve 1, 6 und 11.

Gut 80 Prozent einer Runde bestehen aus Kurvenfahrten. Die vielen langgezogenen Kehren - einige davon werden in hohem Tempo durchfahren - sorgen für eine ungewöhnliche Belastung der Reifen. Normalerweise sind die Gummis auf der Hinterachse stärker gefordert. In Shanghai sind die vorderen Gummis der limitierende Faktor - besonders der linke, der in den Kurven 1,2 sowie 12,13 stark beansprucht wird. Doch auch die Hinterreifen müssen bei der Beschleunigung aus langsamen Ecken standhalten.

Fast Facts zum GP China 2016

  • Streckenlänge: 5,451 Kilometer
  • Rundenanzahl: 56
  • Renndistanz: 305,066 Kilometer
  • Anzahl Kurven: 16 (9 rechts, 7 links)
  • Streckenrekord: 1:32.238 Minuten (Michael Schumacher)
  • Pole Position 2015: 1:35.782 (Hamilton)
  • Weg von Startplatz 1 bis Scheitelpunkt Kurve 1: 267 Meter
  • Länge des Speedlimits in der Boxengasse: 382 Meter
  • Safety-Car-Wahrscheinlichkeit: 33 Prozent

Das Setup für Shanghai

Wegen der beiden langen Geraden sind die Teams gezwungen, mit etwas weniger Abtrieb als gewünscht zu fahren. Sowohl Front- als auch Heckflügel werden etwas flacher gestellt, um den Top-Speed zu erhöhen und die Zweikampf-Chancen zu verbessern. Generell ist in Shanghai ein mittlerer Abtriebslevel gefragt.

Da der Asphalt auf der permanenten Rennstrecke in Shanghai sehr eben ist und die Kerbs auch keine großen Hindernisse darstellen, wird die Bodenfreiheit in China traditionell weit heruntergeschraubt. Nur in der Bremszone vor Kurve eins gibt es kleinere Bodenwellen, auf denen das Auto unruhig wird.

Bei den Bremsen und Motoren sind keine besonderen Belastungen zu erwarten. Der Vollgasanteil liegt mit 54% im unteren Bereich. Die Temperaturen sind in Shanghai zumeist gemäßigt. Es kann aber auch sehr warm werden. Für den Rennsonntag sind Temperaturen bis maximal 22 Grad vorausgesagt. Bei größtenteils Sonne. Dagegen könnte es am Samstag ungemütlich werden. Nach derzeitigen Prognosen beträgt die Regenwahrscheinlichkeit 70 Prozent.

Der Asphalt ist relativ glatt, allerdings wird der linke Vorderreifen in den langen Kurven besonders gefordert. In Shanghai droht häufig das Phänomen des Grainings, also das Körnen der Reifenoberfläche. Besonders, wenn die Strecke in den ersten Übungseinheiten noch "grün" ist, sprich wenig Gummi auf dem Asphalt liegt. Betroffen sind in diesem Fall die Walzen an der Vorderachse. Durch das Graining erhöht sich der Abrieb und Verschleiß, was die Fahrer vor Probleme stellt.

Pirelli bringt wie nach Australien und Bahrain auch nach China die Mischungen "supersoft", "soft" und "medium" mit. Die aggressivste Reifenauswahl haben HaasF1, McLaren und Williams getroffen. Ihre Fahrer erhalten jeweils sieben Sätze des weichsten Klebers. Mercedes und Ferrari gehen es dagegen etwas konservativer an, wenn auch mit leicht unterschiedlichen Prioritäten. Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen dürfen drei Medium-, vier Soft- und sechs Supersoft-Garnituren verbraten. Für Nico Rosberg stehen drei Medium-, fünf Soft- und fünf Supersoft-Reifen parat. Dagegen hat Lewis Hamilton einen Satz mehr der härtesten Mischung und einen weniger der Softs als sein Teamkollege.

Mercedes-Technikchef Paddy Lowe erwartet unterschiedliche Strategielösungen. Vor allem wegen des Supersofts, der das erste Mal überhaupt in China eingesetzt wird. "Wenn dieser im Rennen Graining entwickelt, könnten wir schon innerhalb der ersten fünf Runden die ersten Stopps sehen. Somit gibt es am Freitag viel zu analysieren und wir könnten einige interessante Strategie-Entscheidungen für das Qualifying und das Rennen erleben. Erschwert wird all dies durch die unvorhersehbaren Bedingungen. In Shanghai kann es ziemlich warm sein, aber auch so kalt wie in Belgien."

Technik-Updates

Nachdem wir schon in Bahrain die ersten größeren Technik-Updates gesehen haben, legen die Teams in China weiter nach. Überraschungsteam HaasF1 hat für das dritte Rennen des Jahres einen neuen Frontflügel angekündigt. Es hätte auch schon für Bahrain geklappt, Teamchef Guenther Steiner wollte die neue Truppe aber nicht gleich überfordern. Platz fünf für Romain Grosjean gab ihm Recht.

Nachdem Williams nur ein Exemplar seiner neuen Kurznase für den Wüsten-GP fertig bekam, wird der englische Traditionsrennstall für den GP China auch das Auto von Valtteri Bottas mit der neuen Frontpartie bestücken - inklusive des dazu gehörigen neuen Frontflügels und neuer Leitbleche.

Auch Mercedes plant für China die ersten Updates der Saison. "Wir befinden uns in der Optimierungsphase unseres Pakets. Unsere Updates werden schwierig von außen zu sehen sein", erklärt Chefdesigner Aldo Costa im Vorfeld des Rennens.

Favoriten für den GP China 2016

"Hoffentlich wird dieses Rennen der Wendepunkt", sagt Lewis Hamilton. Der Weltmeister sicherte sich in den ersten beiden GP des Jahres jeweils die Pole-Position, kam aber zweimal nicht richtig vom Fleck. In Bahrain kam erschwerend hinzu, dass ihn Bottas in der ersten Kurve torpedierte. Das Ergebnis war beides Mal dasselbe: Nico Rosberg fuhr zum Sieg, während Hamilton einmal Zweiter und einmal Dritter wurde.

Bekommt Hamilton seine Startschwäche in den Griff, ist er zusammen mit seinem Teamkollegen der heißeste Anwärter auf den Sieg. Weil der Mercedes das schnellste Auto im Feld ist. Erster Verfolger sollte wieder Ferrari sein. Der SF16-H ist ein schnelles Auto, allerdings noch mit Schwächen im Motorbereich. In Melbourne schied Räikkönen mit einem Turboschaden aus, in Bahrain erwischte es Vettel, an dessen Ferrari-Motor sich ein Ventil löste. Der V6-Turbo war wohl nicht mehr zu retten. Für China baut Ferrari ein neues Aggregat ein.

Wie nah Ferrari an Mercedes dran sein wird, hängt auch mit dem Umgang der Reifen zusammen. Dass nicht die Hinterräder, sondern der rechte vordere Gummi der limitierende Faktor ist, dürfte eher dem Weltmeisterteam in die Karten spielen. Der Respekt bei Mercedes ist trotzdem groß: "Wir haben noch nicht die wahre Stärke von Ferrari gesehen", warnt Rosberg. Der letzte Ferrari-Sieg in China datiert übrigens aus 2013. Damals mit Fernando Alonso im Auto.

Hinter den beiden Topteams machte bislang Red Bull die beste Figur. Im Mittelfeld dürfte wieder der Kampf zwischen HaasF1, Toro Rosso, Williams, Force India und McLaren toben. Dort darf man gespannt sein, ob Fernando Alonso wieder ins Auto steigen darf.

So lief das Rennen im Vorjahr

Nach der überraschenden Niederlage in Malaysia setzten sich Mercedes und Hamilton in China wieder an die Spitze. Im Qualifying eroberte der Brite denkbar knapp den ersten Startplatz. Sein Vorsprung auf Rosberg betrug gerade einmal 0,042 Sekunden. Vettel verlor dagegen über neun Zehntel.

Die Pole münzte Hamilton auch in den Sieg um. Wieder vor Rosberg. Im Gegensatz zum Samstag war Ferrari jedoch näher dran. Zumindest bis nach dem zweiten Boxenstopp und dem Wechsel auf Medium-Reifen. Zeitweise beschwerte sich Rosberg über Boxenfunk angesichts der roten Bedrohung, dass Hamilton doch bitte schneller fahren würde. Doch der kontrollierte lieber seine Reifen. Rosberg seinerseits kam nie nahe genug heran, ohne sich die schwarzen Walzen in den Turbulenzen zu zerstören.

Hinter Hamilton, Rosberg und Vettel brachte Kimi Räikkönen sein Auto ins Ziel. Der Finne passierte gleich zu Beginn die beiden Williams. In der Schlussphase kam er Vettel immer näher, bis ein Safety Car - ausgelöst durch Max Verstappen - seine Aufholjagd beendete. Das Rennen wurde hinter Bernd Mayländer abgewunken.

Rang fünf und sechs belegten die Williams von Felipe Massa und Valtteri Bottas. Vor Romain Grosjean, Felipe Nasr, Daniel Ricciardo und Marcus Ericsson. Einen schwarzen Tag erwischte Nico Hülkenberg. Der Rheinländer musste seinen Force India nach zehn Runden abstellen. Die Kurbelwelle war gerissen. Für Spektakel sorgte einmal mehr Pastor Maldonado. Der ehemalige Lotus-Pilot verpasste zunächst die Boxeneinfahrt, drehte sich im späteren Verlauf noch und geriet zudem mit Jenson Button aneinander.

In unserer Bildergalerie zeigen wir Ihnen die Highlights aus dem Vorjahr.

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