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Fahrer dafür, Ingenieure dagegen

Fünf Gründe gegen Tankstopps

McLaren - 2006 - Tanken - Formel 1 Foto: Wilhelm 38 Bilder

Die Diskussion um Tankstopps entzweit Fans und Experten. Die Fahrer sind größtenteils für ein Comeback des Nachtankens. Weil das schnellere Rundenzeiten erlaubt. Die Ingenieure sind eher dagegen. Weil die Nachteile überwiegen.

21.05.2015 Michael Schmidt

Seit der Strategiesitzung am 14. Mai in London ist es wieder ein Thema. Bernie Ecclestone packte seine Geheimwaffe aus. Schon 1994 sah er das Wohl des Sports in Tankstopps. Und genau so will er die Formel 1 ab 2017 wieder spannender und spektakulärer machen.

Der Vorschlag findet im Fahrerlager ein geteiltes Echo. Die Fahrer sind zum großen Teil dafür. Aus zwei Gründen. "Wir könnten im Rennen wieder schneller fahren, müssten nicht so auf die Reifen aufpassen", meint Fernando Alonso stellvertretend für seine Kollegen.

Der Spanier bringt noch einen weiteren Punkt ins Spiel: "Wenn dein Auto nicht so gut war, konntest du trotzdem mit wenig Benzin an Bord auf die Pole Position fahren und dann die ersten zehn Runden führen. Es gab die Möglichkeit, total gegen den Strom zu schwimmen."

Tankstopps kosten eineinhalb Millionen Euro

Die kleinen Teams dagegen schlagen die Hände über dem Kopf zusammen. Die Ausrüstung, die Tankanlage und der Transport der Utensilien rund um die Welt kosten jedes Team rund eineinhalb Millionen Euro. "Viel Geld, und für was?", fragt Sauber-Teammanager Beat Zehnder.

Eine gute Frage, finden auch die Ingenieure und Strategen. Wir haben mit dem Chefstrategen eines Top-Teams gesprochen. Er will wegen der politisch aufgeheizten Lage nicht genannt werden. Unser Experte nennt vier weitere Gründe, die gegen Tankstopps sprechen.

Zuerst die Statistik: Nachtanken wurde ab 2010 verboten. Im Vergleich zu 2009 stiegen die Überholmanöver auf der Strecke auf das Zweieinhalbfache an. Und 2010 war noch ein Jahr ohne DRS. Der Grund dafür liegt auf der Hand: "Hat der Hintermann weniger Sprit an Bord, reicht der Gewichtsunterschied nicht für ein Überholmanöver aus. Weil er in der Regel relativ gering ist. Hat er mehr Benzin im Tank als der Vordermann, wartet er einfach ab, bis der an die Box geht. Er muss ja früher reinkommen."

Der so genannte "Undercut" ist nicht mehr möglich. Weil der Vorteil des frischen Reifens durch das Spritgewicht kompensiert wird, das beim Tanken an Bord genommen wird. Tankstopps reduzieren die technischen Unterschiede, die man braucht, um auf der Strecke zu überholen. Mit weniger Gewicht leiden die Reifen weniger. Damit hat ein reifenschonendes Fahrzeug weniger Vorteile.

Die Strategien sind eingeschränkter. Unser Experte erklärt: "Die Top Ten legen sich schon beim Start auf eine Spritmenge im Tank fest. Alle anderen beim ersten Boxenstopp. Ab dann ist der Rest des Rennens vorbestimmt. Du kannst dann nicht mehr so einfach umdisponieren, weil keiner freiwillig mit zu viel Benzin durch die Gegend fährt." Das macht die Rennen berechenbarer. Die Ingenieure rechnen größtenteils mit Einstopprennen.

Der von den Fans oft zitierte Schumacher-Sieg 2004 in Magny-Cours mit vier Stopps hatte nichts mit dem Tanken zu tun. Die unterschiedliche Charakteristik der Bridgestone- und Michelin-Reifen, die Erkenntnis, dass Michael Schumacher seinen Gegner Fernando Alonso auf der Strecke nie hätte überholen können und dass die Lücke zum drittplatzierten Jarno Trulli genügend groß war, haben zu der Entscheidung geführt.

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