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Fahrer über Bianchi-Unfall geschockt

"Das schlimmste ist das Warten"

Sebastian Vettel - GP Russland 2014 Foto: xpb 16 Bilder

Der Unfall von Jules Bianchi in Suzuka fährt auch eine Woche später in Sochi noch mit. Die Fahrerkollegen sind immer noch geschockt von den Nachrichten aus Japan und den Unfallbildern. Jetzt wird über mögliche Lösungen für die Zukunft nachgedacht.

09.10.2014 Michael Schmidt

Es war keine normale Pressekonferenz. Man hatte eher das Gefühl auf einer Beerdigung zu sein. Die Fahrer sind immer noch geschockt vom Crash ihres Kollegen Jules Bianchi am letzten Sonntag in Suzuka. "Es ist emotional ein schwieriges Wochenende. Unsere Gedanken sind bei Jules. Wir werden dieses Wochenende für ihn fahren und für ihn beten", fasste Fernando Alonso die Gefühle in Fahrerkeisen zusammen. Sebastian Vettel und Felipe Massa sprachen vom "schwierigsten Rennen des Jahres." Valtteri Bottas meinte: "Das schlimmste ist das Warten. Es gibt keine Neuigkeiten über seinen Zustand. Das zehrt an den Nerven."

Die meisten Fahrer waren sich auch einig, keine überhasteten Lösungen zu suchen. "Wir haben nicht alle Informationen zur Hand, die es uns erlauben würden, ein Urteil abzugeben. Deshalb wollen wir erst die Untersuchung des Unfalls abwarten. Dann ist immer noch Zeit, über mögliche Lösungen zu diskutieren", mahnte Alonso zum Abwarten.

Dunkle Wolke liegt über Sochi

Sebastian Vettel hat seine Lehren aus dem Unfall bereits gezogen: "Es waren schwierige Bedingungen, unter denen es einfach war, Fehler zu machen. In Fall von Jules führten viele unglückliche Umstände zur Katastrophe. Wir müssen uns klar sein, dass bei den Geschwindigkeiten, die wir fahren, immer Unfälle passieren können. Doch es müssen schon sehr viele Umstände zusammenkommen, dass ein Unfall solche Folgen hat."

Adrian Sutil hat als Augenzeuge in Kurve 7 am meisten Verdrängungsarbeit zu leisten. Man merkte ihm an, wie schwer es ihm fiel über das zu sprechen, was er gesehen hatte. "An diesem Wochenende liegt eine große dunkle Wolke über uns. Vielleicht hilft uns das Rennen in Sochi, etwas darüber hinwegzukommen." Felipe Massa fühlt sich elender als nach seinem eigenen Unfall 2009 in Budapest: "Damals konnte ich mich wenigstens nicht mehr daran erinnern, was passiert ist."

Safety-Car-Pflicht bei Traktor-Einsatz

Natürlich wurde in Fahrerkreisen auch der Einsatz eines Safety-Cars bei der Bergung von anderen Fahrzeugen mit schwerem Gerät diskutiert. Eine klare Meinung vertritt da nur Sergio Perez: "Egal, ob nass oder trocken. Wenn in Zukunft ein Auto mit einem Traktor geborgen wird, brauchen wir ein Safety-Car. Es kann ja auch passieren, dass ein Fahrer ausgerechnet in dem Auto ein Bremsproblem hat. Dann hilft es auch nicht, wenn er vorher Speed rausgenommen hat."

Die doppelt geschwenkte Flagge bedeutet für jeden Fahrer etwas anderes, auch wenn die Regel einen Zeitverlust von mindestens einer halben Sekunde an der Unfallstelle vorschreibt. "Das reicht in so einem Fall nicht aus. Schon gar nicht in so einer gefährlichen Stelle wie Kurve 7", warnt Perez. "Weil die Regel nicht klar ist, wie du Speed verlierst. Du musst nur das Gaspedal so lupfen, dass es auf der Telemetrie erkennbar ist. Jeder versucht dabei so wenig wie möglich Zeit zu verlieren."

Und wie hat es Perez selbst gemacht? "Ich habe mich auf dem Gaspedal durch die Kurve gezittert, Gas weg, Gas drauf, Gas weg..." Bottas bestätigt: "Die Regel bereit zu sein zum Anhalten ist schwer zu definieren. Es ist schwer einen genauen Wert festzulegen, um wie langsamer fahren musst."

Dach hätte Massa geholfen, aber nicht Bianchi

Auch der viel diskutierte Cockpitschutz per Käfig oder Kanzel (>>> zur Sicherheitsdiskussion) lässt die Gemüter nicht kalt. Massa ist skeptisch: "Ein Dach hätte in meinem Fall geholfen, weil er die Feder abgelenkt hätte. Bei Jules bin ich mir da nicht so sicher." Sutil bittet, wenigstens darüber nachzudenken: "Formel 1-Autos waren immer offen, aber vielleicht kann es auch eine Zukunft für geschlossene Fahrzeuge geben. Wenn wir das Risiko minimieren wollen, ist es eine Option. Es gibt heute technisch so viele Möglichkeiten so etwas darzustellen ohne dass wir etwas vom Charakter der Autos herschenken müssen."

Vettel ist eher ein Purist: "Das offene Cockpit ist das Spezielle an der Formel 1. Seit dem Beginn der Weltmeisterschaft sehen sie so aus. Man kann nicht behaupten, die FIA hätte in der Vergangenheit nicht alles für die Sicherheit getan. Wir hatten in den letzten Jahren viele massive Unfälle, und nichts ist passiert. Gegen jedes Risiko kann man sich nicht absichern."

Das Schlusswort hat Alonso: "Wir sollten darüber nachdenken. Alle schweren Unfälle der letzten Jahre haben gezeigt, dass der Kopf immer noch dem größten Risiko ausgesetzt ist. Ich hätte in Spa 2012 in der ersten Kurve sterben können. Es ging um zehn Zentimeter hin oder her, dass mich das Auto getroffen hätte. Wenn es eine Technologie gibt, die uns noch besser schützt, sollte man sie wenigstens testen."

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