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Favoriten für den GP England

Ferrari hat eine Trumpfkarte

GP China 2012 Parc Ferme Red Bull Lotus Ferrari Foto: xpb 69 Bilder

Silverstone ist wie Sepang und Barcelona. Ein Mix aus vielen schnellen und ein paar langsamen Kurven. Meistens mit langen Radien. Die Reifenoptionen sind auch gleich: Wieder bringt Pirelli die Mischungen medium und hart. Sind Ferrari und Lotus wirklich Favorit? Oder darf sich Red Bull doch Chancen ausrechnen?

27.06.2013 Michael Schmidt

Wer gewinnt in Silverstone? Nutzen Ferrari und Lotus ihre letzte Chance oder versetzt Red Bull seinen Verfolgern einen Tiefschlag? Die Statistik ist wenig aufschlussreich. Ja, Red Bull hat 2009, 2010 und 2012 in Silverstone gewonnen. Ferrari nur 2011 und Lotus gar nicht. Doch Ferrari hatte schon im letzten Jahr das stärkste Auto für den Kurs auf dem ehemaligen Flugplatz der Royal Air Force. Fernando Alonso scheiterte nur, weil Ferrari mit der Reifenwahl verzockte. Die Strategen bestückten Alonsos Ferrari zwei Mal mit harten, dann mit weichen Reifen. Red Bull machte es umgekehrt. Und zog das große Los der Woche.

Sepang und Barcelona wie Silverstone

Um Silverstone einschätzen zu können, schaut man besser auf die Grand Prix von Malaysia und Spanien. Sepang und Barcelona sind ähnliche Strecken wie Silverstone. Alle drei liegen von den Durchschnittsgeschwindigkeiten zwischen 205 und 225 km/h. Alle drei haben viele schnelle und mittelschnelle Kurven, aber auch zwei, drei Ecken, in denen eine gute Traktion das Kriterium ist. In jedem Fall weisen die Kurven längere Radien auf. Die hohen Fliehkräfte strapazieren die sensiblen Pirelli-Reifen. Silverstone verfügt über das flüssigste Layout. Das merkt man schon daran, dass die Bremsen auf dieser Strecke unterfordert sind. Die Fahrer stehen nach Angaben von Brembo nur 6,1 Sekunden pro Runde auf der Bremse. In Montreal waren es 9,7 Sekunden. Bei 1,5 Kilometer weniger Streckenlänge. Dass für die Reifen hohe Anforderungen erwartet werden, merkt man schon an Pirellis Reifenwahl für Silverstone. Medium und Hart. Wie in Sepang und Barcelona. Der Medium-Reifen ist ideal für kühle Asphalttemperaturen zwischen 15 und 35 Grad. Der harte fühlt sich bei jedem Wetter wohl, dass den Asphalt auf mehr als 35 Grad aufheizt. 

Red Bull rechnete in Malaysia mit dem Schlimmsten

Ein Blick in die Siegerliste zeigt: Sepang ging an Red Bull. Barcelona an Ferrari. Also Pattstellung für Silverstone? Nicht unbedingt. In Malaysia herrschten besondere Bedingungen. In der Qualifikation regnete es. Die Temperaturen sanken. Das half Red Bull und strafte Ferrari und Lotus. Trotzdem war sich Red Bull nach den Trainingserfahrungen sicher, dass man sich im Rennen eine Ohrfeige abholen würden. Bei Hitze in den freien Trainingssitzungen schälte es den Gummi großflächig von der Lauffläche. Sebastian Vettel rechnet mit bis zu fünf Stopps. "Nach zehn Runden ist nichts mehr drauf", erzählte er uns am Morgen des Renntages.

Wetter in Malayasia war ideal für Red Bull

Doch dann hatte Petrus ein Einsehen. In der Anfangsphase war die Piste nass und kühl. Ideal für Red Bull. Vettel wählte nach den ersten Runden auf Intermediates den Medium-Reifen, der bei den gemäßigten Asphalttemperaturen perfekt funktionierte. Und im Finale fuhr er wieder auf Medium. Wieder der richtige Riecher, denn die zunächst auf 38 Grad gestiegenen Asphalttemperaturen sackten im letzten Stint um fünf Grad ab. Die Reifen am Red Bull befanden sich meistens in ihrem Arbeitsbereich. Dann kommt Red Bull auch mit flüssigen Strecken klar. Fallen die Reifen aus dem magischen Fenster, geht es bei Red Bull rückwärts. Mark Webber merkte es im letzten Stint auf den harten Sohlen. Ferrari und Lotus reagieren auf Reifenprobleme weniger extrem. Red Bulls Gegner schwächten sich in Malaysia selbst. Fernando Alonso war ab der zweiten Runde Zuschauer. Und Kimi Räikkönen vertrödelte mit einem falsch abgestimmten Lotus nach schlechtem Startplatz die meiste Zeit im Verkehr. Wenn die Dauerläufe im Training eine gewisse Aussagekraft hatten, dann ließen sie ahnen, dass Alonso dieses Rennen mit links gewonnen hätte, wäre er in der ersten Runde nicht zu ungeduldig gewesen.

Leistet sich Red Bull des Luxus eines Spezial-Autos?

Barcelona gibt ein besseres Bild für Rennstrecken dieser Charakteristik ab. Da konnten Ferrari trotz kühler 20 Grad auf dem Streckenbelag bereits im Training mit den Red Bull mithalten. Im Rennen waren sie klar überlegen. Auch weil sich die Bedingungen am Renntag für beiden Reifentypen kritisch erwiesen. Die 35 bis 38 Grad auf dem Asphalt waren dem Medium-Gummi schon eine Spur zu heiß. Und für den den harten Reifen eine Spur zu kühl. Immer wenn das nicht zusammenpasst, leidet Red Bull. Mercedes noch mehr. Doch Red Bull hat viel dazugelernt. Man weiß, dass man dem Reifenverschleiß zuliebe mit den Fahrwerkseinstellungen etwas weicher gehen muss. Auch auf die Gefahr hin, dass die Aerodynamik dann nicht mehr den gewünschten Abtrieb liefert. Unter dem Strich ist es aber trotzdem besser mit diesem Handikap zu fahren. Anpressdruck hat der RB9 auch mit einem Kompromiss-Setup noch genug. Es ist Red Bull aber zuzutrauen, dass man speziell für diesen Typ Rennstrecke ein eigenes Auto baut. Die Gerüchte, wonach Adrian Newey für die schnellen Strecken eine neue Heckpartie plant, wollen nicht verstummen. Red Bull hat die Power, sich so einen Luxus zu leisten.

Pirelli erwartet ein Vierstopp-Rennen

Wer also ist für Silverstone Favorit? Wenn alles normal läuft und die Temperaturen weder nach oben noch nach unten ausschlagen, müssten Ferrari und Lotus beim GP England ihre Trumpfkarte ausspielen. Sie sind auf diesem Typ Strecke nicht die Schnellsten auf eine Runde, aber über die Distanz. Das Rennen wird wahrscheinlich wieder in einen Reifenschon-Wettbewerb ausarten. Selbst Pirelli-Sportchef Paul Hembery erwartet bei trockenen Bedingungen ein Vierstopp-Rennen. Wie in Spanien. Und da hatte Ferrari nicht nur das beste Auto über die Renndistanz, sondern auch die beste Taktik. Die Roten legten sich von vornherein auf vier Stopps fest. Lotus probierte es mit drei und war langsamer. Red Bull disponierte von drei auf vier Stopps um und schoss sich selbst ins Knie.

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