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Felipe Massa verkündet Rücktritt nach Saison

Formel 1-Rücktritt zum Saisonende

Felipe Massa - Formel 1 - GP Deutschland 2016 Foto: xpb 45 Bilder

Felipe Massa hat in Monza seinen Rücktritt erklärt. An dem Ort, an dem 10 Jahr zuvor sein Lehrmeister Michael Schumacher das gleiche getan hatte. Massa verrät, warum der Zeitpunkt und Ort für ihn wichtig waren, wie er seine Karriere sieht und warum er gerade jetzt aufhört.

01.09.2016 Michael Schmidt 3 Kommentare

Es braute sich langsam zusammen. Am Donnertag-Vormittag (1.9.2016) sickerte im Fahrerlager von Monza durch, dass Felipe Massa und Claire Williams um 13.45 Uhr eine Pressekonferenz geben würden. Doch schon 15 Minuten vorher war das kleine Martini-Motorhome bis auf den letzten Platz gefüllt. Die TV-Teams prügelten sich fast um die besten Kamera-Plätze. Jeder hatte eine Vorahnung, dass hier nicht ein neuer Vertrag oder der Abschied von Williams verkündet werden würde. Da musste mehr dahinter sein.

Als 5 Minuten vor Beginn der Veranstaltung Massas Vater, seine Frau Raffaela, Sohn Felipinho und sein Manager Nicolas Todt in der ersten Reihe Platz nahmen, da war das ein sicheres Indiz für den Rücktritt eines der Veteranen in diesem Geschäft. „Dabei bin ich erst 35. Es fühlt sich komisch an, schon in diesem Alter in Rente zu gehen“, versuchte Massa einen Scherz.

„Ohne Michaels Rücktritt nicht bei Ferrari“

Der Vize-Weltmeister von 2008 gab vor seiner Rede zu: „So nervös wie jetzt war ich in meinen 242 Rennen nie. Aber es muss jetzt raus. Ich fahre 27 Jahre Autorennen, 15 Jahre davon in der Formel 1. Es ist Zeit am Ende der Saison aufzuhören. Ich hoffe, ich kann meine letzten 8 Rennen noch genießen.“ Das Saisonfinale von Abu Dhabi wird der 250. GP-Start des elffachen GP-Siegers. Besser kann man es nicht treffen.

Massa trägt seine Entscheidung schon „einige Monate“ mit sich herum. „Ich habe gar nicht mehr mit anderen Teams verhandelt, wollte aber auch nicht länger damit warten, es zurückzuhalten. Es musste jetzt raus.“ Der Moment und der Ort sind mit Bedacht gewählt. „Hier in Monza hat vor 10 Jahren Michael Schumacher seinen Rücktritt erklärt. Er war mein Lehrmeister. Seinem Rücktritt habe ich zu verdanken, dass ich bei Ferrari bleiben konnte. Kimi hatte ja schon einen Vertrag.“

„Als hätte ich eine Goldmedaille gewonnen“

Massa hat 11 Grand Prix gewonnen, stand 41 mal auf dem Podium, kam 147 Mal in die Punkte, hat 1.110 WM-Zähler gesammelt, startete 16 Mal von der Pole Position, markierte 15 Mal die schnellste Rennrunde und lag 4.542 Kilometer in Führung. Weltmeister wurde er nie. Er verlor 2008 den Titelkampf mit Lewis Hamilton um einen Punkt. Zwei Kurven vor Schluss. Seine größte Niederlage war gleichzeitig sein größter Triumph. Massa trug die Enttäuschung aufrecht, gratulierte Hamilton und beklagte nicht sein Schicksal.

Der kleine Mann aus Sao Paulo blickt zurück auf eine bewegte Zeit, die mit Sauber begann, mit Ferrari ihren Höhepunkt fand und nun nach 3 Jahren bei Williams endet. „Ich glaube, ich kann stolz auf meine Karriere sein. Ich habe viele Träume verwirklicht, mehr erreicht, als ich je erwarten durfte. Es ist, als hätte ich eine Goldmedaille gewonnen. Um so eine Entscheidung wie diese zu treffen, musst du stark sein. Und ich fühle mich stark. Wenn ich jetzt noch mehr sage, muss ich anfangen zu heulen.“

„Ich kann erhobenen Hauptes gehen“

Massa erklärt, dass eine ganze Reihe von Gründen dazu geführt haben, den GP-Sport zu verlassen. „Mein Position in der WM, meine Leistungen auf der Strecke, die Regeln, die lange Zeit, die ich schon dabei bin. Es ist einfach Zeit zu gehen. Und ich will es noch erhobenen Hauptes tun.“ Massa hat noch keine detaillierten Pläne für die Zukunft, kann sich aber vorstellen, dass er weiter Rennen fährt. So wie sein Landsmann Rubens Barrichello, der die Karriere in der Brasilianischen Stock-Car-Meisterschaft ausklingen lässt.

Massa hat die Leute nicht vergessen, die ihm auf seinem langen Weg geholfen haben. „Meine Familie, mein Vater, ohne den ich heute hier nicht sitzen würde, mein Manager, Sauber, bei denen ich anfangen durfte, Jean Todt, der mir die einmalige Chance bei Ferrari gab, Luca di Montezemolo, Stefano Domenicali, Rob Smedley, die Ärzte, die mir nach meinem schweren Unfall 2009 in Budapest geholfen haben und natürlich Frank Williams, von dem ich schon als kleiner Junge ein Fan war.“ Dann stand Massa auf und legte das Mikrofon zur Seite. Selten wurde ein Formel 1-Fahrer mit so viel Applaus verabschiedet.

In unserer Galerie blicken wir noch einmal auf die Höhe- und Tiefpunkte aus der Karriere von Felipe Massa.

Neuester Kommentar

Respekt, Felipe! Ich hätte ihm sooo den WM-Titel gegönnt damals. Und jetzt nochmal ein Sieg mit Williams, das wäre es gewesen. Fast hätte es geklappt… Aber wenn man die Bilanz liest, muss man ja wirklich sagen Respekt. Kein WM, aber trotzdem erreichen nur ganz ganz wenige so viel. Und er war immer fair (manchmal vielleicht ein wenig ungestüm oder vom südländischen und Rennfahrertemperament leicht einseitig in der direkten Nachfrage) und ehrlich.

Ollie Mengedoht 2. September 2016, 12:07 Uhr
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