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Felipe Massa im Interview

"Noch engere Beziehung zum Team"

Felipe Massa Foto: 36 Bilder

Ferrari-Pilot Felipe Massa spricht im Interview über seinen Unfall, seinen momentanen Gesundheitszustand, seine Pläne für die nächsten Wochen, seine Ersatzmänner und über seinen neuen Teamkollegen Fernando Alonso.

24.11.2009 Michael Schmidt

Auf einer Skala von ein bis hundert Prozent - wie fit sind Sie im Vergleich zu vorher?
Massa: Ich denke einhundert Prozent. Was die Fitness angeht habe ich keine Probleme. Ich kann alles machen, was ich auch vor dem Unfall konnte, und zwar auf dem gleichen Niveau. Auch mental habe ich keine Probleme. Ich sehe keinen Unterschied. Auch die Menschen um mich herum haben keinen Unterschied bemerkt. Alles läuft gut.

Wann sind Sie wieder in Ihr normales Trainingsprogramm eingestiegen?

Massa: Nach der zweiten Operation. Also fast zwei Monate nach dem Unfall. Ein Monat und drei Wochen um genau zu sein.

Das ist ja nun ein komplett anderes Leben außerhalb des Rennrhythmus. Wie fühlt sich das an?

Massa: Man hat sicher einen langen Urlaub und deshalb Zeit für viele andere Dinge. Aber ich höre ja nicht mit meiner Arbeit auf und versuche mich gut in Form zu halten. Ich habe aber mehr Zeit für meine Familie und meine Frau. Nach allem was passiert ist, muss man auch mal die gute Seiten betrachten. Aber natürlich wird das auch etwas langweilig, wenn man einen Monat lang gar nichts macht. Man will endlich wieder an die Arbeit gehen. Mittlerweile habe
ich echt genug.

Und jetzt haben wir auch noch diese lange Winterpause. Was sind Ihre Pläne für die nächste Zeit?

Massa: Viel Go-Kart fahren, an Rennen teilnehmen und mich fit halten. Es wird etwas anders sein, als in der Vergangenheit. Ich werde auch in Maranello sein und an den Ferrari-Veranstaltungen teilnehmen. Und dann werde ich ja auch noch Vater. Es wird also ein vollgepackter Urlaub.

Sieht man die Dinge aus der Zuschauerperspektive anders als wenn man mittendrin ist?

Massa: Man versucht natürlich auch die andere Seite mitzubekommen und zu verstehen.Von zuhause aus ist das sicher schwieriger. Aber da gehe ich dann an den Computer und schaue mir die Runden- und die Sektorenzeiten an, versuche die Spritmengen und so weiter herauszufinden, um eine bessere Vorstellung von dem Ganzen zu bekommen. An der Strecke ist das natürlich leichter. Da versteht man alles leichter.

Sind sie überrascht über die Ergebnisse Ihrer Ersatzmänner?

Massa: Wenn man ein schwieriges Jahr und ein schwieriges Auto hat, dann kann jeder Fahrer Probleme bekommen, sich an das Auto zu gewöhnen.

Auch Michael Schumacher?

Massa: Michael ist für mich der unglaublichste Fahrer, den ich je gesehen habe. Er ist ein Typ mit einem unglaublichen Talent, Dinge sehr schnell zu lernen, etwas nach vorne zu bringen und mit dem Team zu arbeiten. Und das auf höchstem Niveau. Natürlich können sich nach zwei Jahren Pause viele Dinge ändern. Nicht etwa, weil man plötzlich nicht mehr schnell fahren kann, sondern weil die Erfahrung einfach anders sind. Es ist ein Unterschied zwischen dem Auto von vor zwei Jahren und dem Auto, das wir jetzt haben. Ich kann nicht sagen, dass er keine Probleme gehabt hätte. Es wäre sicher nicht leicht gewesen für ihn. Luca Badoer hat mal gesagt, dass die Autos wie Computer auf Rädern seien und sich stark von den anderen Autos unterscheiden, die er früher gefahren sei.

Ist der Unterschied wirklich so groß?

Massa: Schon vor ein paar Jahren hat sich auf Seiten der Computertechnik viel getan am Auto. Da haben wir teilweise sogar noch mehr am Lenkrad arbeiten müssen. Jede Kurve gab es quasi Arbeit für den Computer. Jetzt haben wir KERS, aber das war für mich nicht sehr schwierig.

Nach ihren optimistischen Plänen wären Sie gerne in Abu Dhabi gestartet. Warum wurde das abgeblasen?

Massa: Ich habe schon bei den Testfahrten in Mugello herausgefunden, dass ich immer noch der Alte bin. Man hat zwar nicht die Konkurrenz um sich herum, aber bekommt schon eine gute Vorstellung. Ich bin auch Go-Kart gefahren und war sehr schnell und konstant. Ich habe das Gefühl, dass sich nichts daran geändert hat, wie ich fahre, wie ich laufe und alle anderen Dinge mache. Ich habe auch nicht selbst entschieden, nicht zu fahren, sondern auf die Ärzte gehört. Die haben es vorgezogen, dass ich bis nächstes Jahr warte. Mein Unfall war keine Bagatelle. Im Falle eines weiteren Unfalls hätte die Heilung anders verlaufen können. Das war der Grund für die Absage.

Es gibt drei Arten von Unfällen: Entweder macht der Fahrer einen Fehler, es stimmt etwas mit dem Auto nicht und dann so etwas wie bei Ihnen, was wohl nur einmal in hundert Jahren passiert. Macht es bei der Verarbeitung irgendeinen Unterschied, was es für ein Unfall war?

Massa: Ja schon, denn ich konnte ja nichts tun. Aus welchem Grund auch immer das passiert, man kann es selbst ja nicht verhindern. Ich muss glücklich sein, dass ich überhaupt noch da bin und nichts Schlimmeres passiert ist. Ich hatte natürlich einige Probleme und musste operiert werden, aber es hat nicht wirklich mein Leben verändert. Erst fragt man sich, warum das gerade mir passiert ist, aber man muss auch sehen, dass ich viel Glück gehabt habe. Mein Helm hat mir sicher geholfen. Jetzt wird daran arbeitet, die Sicherheit zu verbessern, aber am Ende habe ich einfach Glück gehabt. Wenn man selbst einen Fehler macht, ist das viel schlimmer. Weil es dann an einem selbst hängt.

Hat der Unfall Ihre Beziehung zum Team verändert?

Massa: Meine Beziehung zum Team war schon immer fantastisch. Der Unfall hat aber noch eine freundschaftlichere Verbindung hergestellt. Man konnte von Herzen fühlen, dass jeder bei Ferrari einen mag. Das war wirklich positiv für mich und das Team.

Was war das letzte vor dem Unfall und das erste nach dem Unfall, an das Sie sich erinnern können?

Massa: Ich kann mich gar nicht mehr an meine Unfallrunde erinnern. Ich weiß aber noch, wie ich einen Versuch davor mit angefahrenen Reifen auf die Strecke rausgegangen bin. Danach bin ich erst wieder im Krankenhaus aufgewacht. Das war drei Tage später am Dienstag.

Könnten Sie sich vorstellen, dass Sie die Feder im letzten Moment gesehen haben und versucht haben auszuweichen?

Massa: Das weiß ich nicht, ob ich Sie gesehen habe. Vielleicht habe ich Sie zu spät gesehen. Und selbst wenn ich Sie gesehen hätte, ist es in der Position im Auto schwer, etwas dagegen zu tun. Wenn man bremst, ist es sowieso zu spät. Diese Frage ist schwer zu beantworten.

Rubens Barrichello hat sich ein wenig schuldig gefühlt, dass er die Feder verloren hat. Was können Sie zu seiner Beruhigung sagen?

Massa: Als ich ihn das erste Mal anrief, habe ich Witze darüber gemacht: 'Warum hast du mir die Feder in den Weg geworfen?' Er hat sich nicht schuldig gefühlt, aber er war enttäuscht und es hat ihm leid getan. Wir haben eine gute Beziehung und können uns gegenseitig gut leiden. Es tut einem immer leid, auch wenn man vielleicht gar nichts dafür kann. Aber als er gesehen hat, dass es mir gut geht, war er auch glücklich.

Wäre es gerechtfertigt, wegen solch einem Unfall die Form eines Formel 1-Autos komplett zu ändern oder ist das einfach ein Restrisiko, dass man einkalkulieren muss?

Massa: Die äußere Form eines Formel 1-Autos zu verändern ist natürlich schwierig. Aber man kann die Sicherheit schon verbessern.

Was würden Sie vorschlagen?

Massa: Mein Vorschlag wäre, dass die Entwicklung im Bereich der Helme mit Hochdruck weitergeführt wird, um die Qualität der Helme an den gefährlichsten Stellen zu verbessern. Schuberth macht da schon eine gute Arbeit. Wo man auch ansetzen kann, ist der Windschutz, der vor dem Helm des Piloten liegt. Da könnte man versuchen, diesen Windschutz zu verstärken. Der endet genau auf Höhe des Visiers und könnte einen guten Schutz bieten, wenn man ihn verstärkt. Da werden wir vielleicht auch mit der FIA diskutieren, um zu sehen, in welchen Bereichen man den Hebel ansetzen kann.

Ihre Teamkollegen waren immer die besten der Welt. Egal ob Michael Schumacher, Kimi Räikkönen oder zukünftig Fernando Alonso. Wünschen Sie sich manchmal, dass man es Ihnen auch etwas leichter machten könnte?

Massa: Ein guter Teamkollege ist auch gut für einen selbst. Ich kann mit Sicherheit sagen, dass ich nie ein einfaches Leben in der Formel 1 hatte. Ich hatte immer starke Teamkollegen. Ich fühle mich aber in einer guten Position, um zu kämpfen.

Ihr Vorteil ist, dass Sie das Team kennen. Auf der anderen Seite müssen Sie nach der langen Pause auch erst einmal wieder zurückfinden. Hebt sich das gegenseitig auf?

Massa: Die lange Pause macht mir keine Sorgen. Es ist wichtig, hart zu arbeiten, um ein gutes Auto zu bekommen. Ich weiß, wie man mit dem Team arbeiten muss und Ferrari weiß, wie man mit mir arbeiten muss. Ich weiß, wo es mit der Entwicklung des Autos für die nächste Saison hingeht. Es ist wichtig, sich selbst darauf vorzubereiten.

Was sagen sie zu den Testrestriktionen in der Formel 1? Würden Sie gerne mehr fahren?

Massa: Für die jungen Fahrer ist es nicht fair. Was mit Alguersuari vor Ungarn gemacht wurde, war einfach dumm. Der hat das Auto vorher nur geradeaus gefahren und ging dann direkt ins Rennen. Da können wir zusammen mit der FIA sicher noch etwas verbessern.

Sie hatten eine gute Beziehung zu Schumacher und zu Räikkönen. Jetzt kommt Alonso ins Team. Mit den Erfahrungen aus seiner Zeit bei McLaren befürchten Sie dass es in Zukunft etwas mehr Politik gibt?

Massa: Nein, denn ich weiß, wie es bei Ferrari zugeht. Das wichtigste ist, dass wir beide daran arbeiten, das bestmögliche Auto auf der Strecke zu haben. Auf der Strecke ist es natürlich immer noch ein Sport. Er versucht vor mir zu sein, ich versuche vor ihm zu sein. Politischen Mittel sind nicht der richtige Weg, irgendetwas zu erreichen. Das muss mit Arbeit passieren, und das erwarte ich auch von Fernando.

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