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Sauber auf Platz 10 der Teamwertung

15 Mio. Dollar extra dank Felipe Nasr

Felipe Nasr - GP Brasilien 2016 Foto: sutton-images.com 65 Bilder

Felipe Nasr hat Sauber mit seinem 9. Platz beim GP Brasilien erlöst. Der Schweizer Rennstall ist mit einem Schlag um mindestens 15 Millionen Dollar reicher. Danach erzählte der Lokalmatador von seinem Ritt durch die Fluten von Interlagos.

14.11.2016 Michael Schmidt

Es ist eine Story, wie sie nur die Formel 1 schreiben kann. Vor dem GP Brasilien lag Sauber in der Konstrukteurswertung auf Platz 11. Mit dem 11. Platz von Marcus Ericsson in Mexiko schien die einzige Chance verpasst, den direkten Konkurrenten Manor noch aus den Top Ten zu verdrängen. Dazu gab es Spannungen mit Felipe Nasr. Der Brasilianer wollte weg, träumte von Force India und Renault, und blieb am Ende als Verlierer im Transferpoker auf der Strecke.

Jetzt ist auch sein Platz bei Sauber in Gefahr. Pascal Wehrlein steht vor der Tür. Das Trainingsergebnis hellte die Stimmung auch nicht auf. Die beiden Sauber standen mit den langsamsten Rundenzeiten ganz hinten in der Startaufstellung. Esteban Ocon rutschte nur wegen einer Strafe ans Ende des Feldes.

Doch dann kam der Regen. Und mit ihm die Hoffnung. Nasr hatte darum gebetet: „Ich wusste, dass ich es im Regen schaffen kann. Und es war mein Traum, bei meinem Heimrennen Punkte zu holen. Es war unsere Chance, und wir haben sie mit beiden Händen gegriffen. Die Auslaufrunde war echt speziell. Die Fans auf den Tribünen haben mich gefeiert. Ich glaube, ich realisiere erst in ein paar Tagen, was da abgegangen ist.“

Der Kampf ums Platzierungsgeld

Nach 71 Runden wurde der blaugelbe Sauber mit der Startnummer 12 auf dem 9. Platz abgewinkt. „71 Runden? Für mich dauerte das Rennen gefühlte 200 Runden“, atmete Nasr auf. Für Sauber und Nasr zählten die 2 WM-Punkte wie ein Sieg. Damit verdrängte der Schweizer Rennstall den direkten Gegner Manor aus den Top Ten der Konstrukteurs-Wertung.

Und Nasr rehabilitierte sich. Sein Ruf hatte etwas gelitten, nachdem Teamkollege Marcus Ericsson zuletzt meistens schneller war. Der Schwede hatte sein Auto in der 12. Runde durch Aquaplaning verloren und in die Mauer gefeuert. Regen ist nicht sein Element. Nasr dagegen ist wie die meisten Brasilianer ein Regenspezialist.

Für Sauber ist der 10. Platz in der Konstrukteurs-WM nicht nur eine Sache der Ehre. Hier geht es auch ums Geld. Um viel Geld. Die Zahlungen aus Bernie Ecclestones Kasse speisen sich aus zwei Quellen. Das Säule 1-Geld bekommt jeder, der in den letzten 3 Jahren mindestens zwei Mal in den Top Ten gelandet ist. Aufgrund der Rekord-Einnahmen 2016 sind das mindestens 35 Millionen Dollar. Diese Bedingung erfüllen Sauber und Manor bei jeder Konstellation. Sauber war 2014 Zehnter und 2015 Achter. Manor belegte 2014 Platz 9 und 2014 Rang 10.

Platzierungsgeld gibt es nur für die ersten 10 Plätze in der Gesamtwertung. Der 10. Platz von 2015 zahlte in dieser Saison 13,5 Millionen Dollar aus. Man geht davon aus, dass diese Summe 2016 auf 15 Millionen steigen wird. Für Teams wie Sauber und Manor Geld, auf das man nicht verzichten will. Deshalb ist das Rennen um den 10. Platz fast so spannend wie das Titel-Duell.

Nasr zu WM-Punkten ferngesteuert

Während der 71 Runden des GP Brasilien änderte sich die Situation der beiden Kellerkinder beinahe im Runden-Takt. Felipe Nasr tauchte in der 10. Runde zum ersten Mal in den Punkterängen auf. Doch bei der ersten Unterbrechung lagen auch die Manor-Piloten Esteban Ocon und Pascal Wehrlein in den Top Ten. Dann begann das große Rechnen. Weil es erst bei einem Abbruch in Runde 55 volle Punkte gegeben hätte und Ricciardo mit seiner 5-Sekunden-Strafe auch noch dazwischenfunkte, gehörte Mal Sauber der 10. Platz, dann wieder Manor.

Für Sauber-Teammanager Beat Zehnder gab es in der Nervenschlacht nur einen Fixpunkt: „Wir haben unser ganzes Rennen auf Manor ausgerichtet. Als bei Felipe in den letzten Runde die Reifen am Ende waren und die Red Bull von hinten angeflogen kamen, haben wir ihm gesagt, dass er sich um die keine Gedanken machen muss. Es war nur wichtig, vor Ocon zu bleiben. Und das Auto auf der Strecke zu halten.“

Nasr fuhr mit der Hamilton-Taktik in die Punkte. Der Brasilianer blieb wie der Sieger das ganze Rennen auf Regenreifen. Und er tauschte sie nur in den Rennunterbrechungen. „Zum Schluss waren die Hinterreifen komplett hinüber. Die Traktion wurde immer schlechter, die Chance auf Aquaplaning immer größer“, berichtet Nasr.

„Ich habe mein Auto immer so positioniert, dass ich auch den am wenigsten nassen Stellen beschleunigen konnte. Das Team hat mir über Funk die besten Linien mitgeteilt, und hat mich immer auf dem Laufenden gehalten, wo die Manor lagen. Das war heute echtes Teamwork. Aber erlöst war ich erst, als ich die Zielflagge sah.“

Je schlechter die Bedingungen, umso besser fuhr Nasr

Ein Wechsel auf Intermediates stand laut Zehnder nie zur Debatte. „Wir haben ständig die Zeiten der Konkurrenz gecheckt, aber dieser Reifen war zu keiner Phase des Rennens 3 oder 4 Sekunden schneller. Er hat selbst in den trockensten Phasen nur im ersten Sektor besser funktioniert und war im zweiten schlechter. Im dritten stand es unentschieden.“

Die Taktik immer auf Regenreifen zu bleiben, spülte Nasr in dem Augenblick in die Punkteränge, als 9 Fahrer begannen mit Intermediates zu pokern. Doch dann passierte das Erstaunliche. Nasr biss sich fest, verteidigte sich zeitweise sogar gegen Ferrari, Force India und McLaren.

„Je schlechter die Bedingungen, umso einfacher habe ich mich getan, meinen Platz zu behaupten“, so der Pilot. Zehnder fügt hinzu: „Die Sicht auf den Geraden war teilweise so schlecht, dass selbst Fahrer in deutlich schnelleren Autos nicht überholen konnten. Es war schnell klar, dass die Position auf der Strecke an diesem Tag wichtiger war als alles andere. Deshalb haben wir auch nie Reifen gewechselt.“

Nasr gab zu: „Das Rennen war mental irrsinnig anstrengend. Besonders bei den Re-Starts als die Reifen und Bremsen noch kalt waren. Manchmal habe ich härter gebremst als nötig, um Temperatur in die Bremsen zu bringen. Ich sagte mir immer wieder: Bleib auf der Strecke.“

„Mich hat beruhigt, dass wir den Speed hatten, um die Position gegen die Manor, Renault und die Williams zu verteidigen. Das Rennen hätte aber keine 2 Runden länger dauern dürfen. Sonst hätte mich noch Alonso gekriegt.“ Da war man am Sauber-Kommandostand entspannter. Auch ein 10. Platz hätte gereicht Manor zu überholen.

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