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Was ist mit Alonso los?

Zwischen Aufgabe und Traumrunde

Fernando Alonso - GP Abu Dhabi 2015 Foto: McLaren 94 Bilder

Fernando Alonso hat sich zuletzt selbst kritisiert. Er gab zu, dass er zeitweise mit der Motivation zu kämpfen hatte und nächstes Jahr besser werden muss. In diesem Dilemma steckte der Spanier auch in Abu Dhabi. Erst wollte er das Auto abstellen, dann fuhr er die drittschnellste Rennrunde.

08.12.2015 Michael Schmidt

Mark Webber hat bei Sky England seinen Kumpel Fernando Alonso so beschrieben: "Er ist eine Zeitbombe, die jederzeit explodieren kann." Der Australier wollte damit sagen: Lange tut sich Alonso das Hinterherfahren nicht mehr an. Selten ist einer der besten Rennfahrer seiner Zeit so tief abgestürzt. Meistens verschwand der zweifache Ex-Weltmeister in der Versenkung. Er kämpfte mit stumpfen Waffen gegen Fahrer, die er normalerweise nur beim Überrunden traf.

Und das ist Alonsos Horror-Saison in Zahlen: 18 Starts, 11 Punkte (Platz 17), durchschnittlicher Startplatz 15,67 (Platz 17), bester Startplatz 9, bestes Rennresultat Rang 5, zwei Punkteplatzierungen, 4.026 Rennkilometer (Platz 18), acht Ausfälle. Das nagt an einem, der Ferrari verlassen hat, weil er dort nicht Weltmeister werden konnte. Alonso hielt sich mit Durchhalteparolen über Wasser: "Wenn ich mit McLaren-Honda einmal gewinne, werden die Siege umso besser schmecken."

Zweifelt Dennis an Alonsos Geduld?

Die Frage ist, wie lange es dauert, bis McLaren-Honda siegfähig ist. Und ob Alonso die Geduld aufbringt, so lange zu warten. Zweifel sind wohl auch McLaren-Chef Ron Dennis gekommen. Sonst hätte er seinem Star-Piloten nicht ein Jahr Pause angeboten. Was Alonso umgehend ablehnte. Der Spanier will sich nicht mit einer Saison wie dieser davonschleichen. Und woanders ist kein Platz frei.

Ron Dennis sagt nichts ohne Grund. Auch er hat gemerkt, dass sein teuerster Angestellter nicht immer die Leistung abruft, die man von ihm erwartet. Jenson Button zweifelt zwar, dass sein Teamkollege oft nur Dienst nach Vorschrift macht, doch das letzte Rennen des Jahres gibt Alonsos Selbstkritik Recht. Der Spanier hatte in Brasilien zugegeben, dass er manchmal mit seiner Motivation kämpfe, wenn er chancenlos im hinteren Teil des Feldes fahre. Alonso sagte auch: "Es war nicht eines meiner besten Jahre. Ich muss mich 2016 steigern."

Gleiche Reifen wie Vettel

In Abu Dhabi zeigte sich einmal mehr, wie Alonso mit seinem Schicksal hadert. Er war auf einer schnellen Trainingrunde unterwegs, als ihm der linke Hinterreifen von der Felge sprang. Wieder nur Statplatz 16. Beim Start geriet er in ein Knäuel von Autos und wurde von dort in den Lotus von Pastor Maldonado torpediert. Alonso konnte weiterfahren, fasste eine Durchfahrtstrafe aus und kam insgesamt vier Mal an die Box. Chancenlos fuhr er mit zwei Runden Rückstand hinterher.

Irgendwann fragte er seinen Renningenieur, ob er sein Auto abstellen dürfe, wenn kein Safety-Car mehr käme. Der Wunsch wurde ihm abgeschlagen. Dafür wollte Alonso wenigstens ein bisschen Spaß. Er bestellte in Runde 47 Supersoft-Reifen. Und drehte fünf Runden später die drittschnellste Rennrunde. Das wäre eigentlich nur ein kleines Ausrufezeichen wert, denn zum Schluss des Rennens waren nur noch 7 Fahrer auf den extraweichen Reifen auf der Strecke. Unter ihnen aber auch Sebastian Vettel.

Der Ferrari-Pilot hatte seine Supersofts in Runde 39 abgeholt und war acht Runden später mit 1.44,550 Minuten die zweitschnellste Runde des Rennens gefahren. Da gewinnt die Zeit von Alonso mit 1.44,796 Minuten richtig an Gewicht. Nur zwei Zehntel langsamer mit einem deutlich schlechteren Paket. Alonso schaffte auf der Geraden im Rennen nur 306,7 km/h. Vettels Top-Speed lag immerhin bei 325,3 km/h.

Alonso machte dort die Zeit gut, wo ihm das McLaren-Chassis die Chance dazu gab. Im ersten Sektor mit der viertschnellsten Zeit, im dritten mit der zweitbesten. Austin war auch so ein Fall. Da war er in den ersten 20 Runden 9 Mal schneller als Hamilton. Die wenigen Highlights zeigen, dass der Spanier nichts verlernt hat. Alonso stellt sich damit aber auch selbst kein gutes Zeugnis aus. Viel zu selten hat er seine Qualitäten abgerufen. Das darf einem, der angeblich 35 Millionen Euro im Jahr verdient, nicht passieren. Bei dem Schmerzensgeld muss man sich durchbeißen. Auch wenn es weh tut.

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