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Fernando Alonso im Interview

"Schumacher war mein größter Konkurrent"

Fernando Alonso - GP Brasilien 2016 Foto: McLaren 94 Bilder

Fernando Alonso schöpft langsam wieder Hoffnung. Der Spanier erzählt auto motor und sport, wie er ohne Sieg- und Titel-Chancen klarkommt, warum McLaren-Honda 2017 wieder Rennen gewinnt und warum Michael Schumacher sein stärkster Gegner war.

23.11.2016 Michael Schmidt
Lewis Hamilton und Nico Rosberg fahren bis zum letzten Rennen um den Titel. Vermissen Sie dieses Gefühl?

Alonso: Ja, natürlich. Ich hoffe, dass ich das nächstes Jahr wieder spüren darf. Aber ich will mich nicht beklagen. Ich hatte das Glück, dieses Gefühl fünf Mal zu erleben. Es ist ein ganz besonderer Druck, ganz besondere Emotionen. Viele meiner Kollegen haben ungeheures Talent. Manche haben es nie in die Formel 1 geschafft. Manche kamen in die Formel 1, waren aber nie auf dem Podium, hatten nie die Erfahrung einer Sieger-Pressekonferenz, einer Pole Position oder eines GP-Sieges. Ihnen allen blieb das Höchste aller Gefühle, die Chance auf das größte Ziel versagt. Deshalb bin ich dankbar, dass ich es so weit geschafft habe.

Wer war Ihr größter Konkurrent in all den Titelentscheidungen?

Alonso: Michael Schumacher, ganz klar. Er hatte unheimliches Talent. Er war speziell. Jeder von uns respektiert ihn als Legende. Für meine Generation war er der Dominator der Formel 1. Wenn du dann eines Tages gegen ihn fahren darfst und mit ihm auf Augenhöhe kämpfst, begreifst du erst, wie gut er wirklich war. Er hat immer seine Chance genutzt. Immer das Maximum dessen abgeliefert, was möglich war. Ich kann mich noch gut an 2006 erinnern. Wenn der Bridgestone-Reifen besser war, hat er gewonnen. Hatte Michelin Vorteile, war er trotzdem da. Irgendeine Wahnsinnsrunde in der Qualifikation hat er immer hingekriegt. Selbst wenn bei dir alles perfekt lief und du gehofft hast, viele Punkte auf ihn gutzumachen, wurde er noch Dritter oder Vierter. Nur er konnte das.

Konnten Sie dann verstehen, dass er bei seinem Comeback drei Jahre lang das durchgemacht hat, was Sie heute erleben?

Alonso: Das macht ihn nur noch größer. Jeder hätte verstanden, wenn sich ein siebenfacher Weltmeister verdrückt hätte bei den Resultaten, die das Auto damals zuließ. Aber wir alle haben auch eine Verantwortung. Hinter uns stehen riesige Unternehmen, die 24 Stunden am Tag nichts anderes machen, als die Autos zu verbessern. Im Windkanal, auf Prüfständen, am Computer. Deshalb kommst du zu jedem Rennen mit neuer Hoffnung und Motivation, um das Auto ans Limit zu bringen, das man dir hinstellt.

Kann Honda den Hebel umlegen?

Alonso: Mercedes wird schwer einzuholen sein. Nicht nur für uns. Für alle. Aber ich denke, dass wir nah genug sein können, um wieder zu kämpfen. Ich bin zu 100 Prozent überzeugt, dass Honda die Leistung findet, die wir brauchen. Auf der Aerodynamikseite gibt es größere Fragezeichen. Du kannst genauso gut Glück wie Pech haben. Wer weiß schon, welche Fahrzeug-Philosophie sich durchsetzen wird, wer die Regeln richtig interpretiert, und wer nicht? Es kann gut passieren, dass die einen rechts, die anderen links gehen und plötzlich nach vier Rennen merkst du, dass es besser gewesen wäre, die andere Richtung zu nehmen.

Wie oft in den letzten zwei Jahren haben Sie sich gesagt: Meine Entscheidung zu McLaren war falsch. Wie oft sagen Sie sich, dass sie richtig war?

Alonso: Jeden Tag sage ich mir: Sie war richtig. Ich bin happy. Ich fahre im besten Team meiner Karriere. Das Level an Wissen, an Konzentration auf das Detail, an Analyse, an Organisation habe ich nirgendwo anders so erlebt. Die Fahrzeug-Philosophie ist eine komplett andere, wie das, was ich bislang erlebt habe. Bei keinem anderen Team wurde so auf die Fahrer gehört. Uns fehlt nur noch das schnelle Auto. Ich hatte fünf Jahre bei Ferrari. Wenn ich noch zwei weitere Jahre bei Ferrari abgedient hätte, wäre ich jetzt vermutlich traurig und frustriert. Als ich noch da war, habe ich wenigstens zwei Mal um den Titel gekämpft. Und heute wäre ich Sechster statt Zweiter. Ich hatte meine tollen Jahre bei Ferrari, die ich nie vergessen werde. Aber ich habe zum richtigen Zeitpunkt bye-bye gesagt.

Wird das neue Reglement funktionieren?

Alonso: Ich bin guter Hoffnung. Alle Fahrer, alle Teamchefs, alle Veranstalter, alle TV-Stationen waren sich einig, dass sich etwas ändern muss. Deshalb ist es gut, dass sich etwas ändert. Die Richtung stimmt. Mehr Show, spektakulärere Autos, mehr Unterhaltung.

Wird der Fahrer 2017 wieder den Unterschied ausmachen?

Alonso: Es wird härter, keine Frage. Du wirst mehr trainieren müssen. Wenn du müde wirst, machst du Fehler. Oder triffst die falschen Entscheidungen. Das kann den Unterschied ausmachen. Dieses Jahr sind wir in Malaysia wegen des neuen Asphalts im Schnitt fünf Sekunden pro Runde schneller gefahren. Es war mit Abstand das physisch anstrengendste Rennen. 2017 werden alle Rennen so sein.

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