Ferrari F138 F1 2013 35 Bilder Zoom

Fernando Alonso: "Platz zwei ist nicht gut genug"

Ferrari ist zum Gewinnen verdammt. Der letzte WM-Titel datiert aus dem Jahr 2007. Deshalb gibt es für Präsident Luca di Montezemolo, Rennleiter Stefano Domenicali und Fernando Alonso nur ein Ziel. Der WM-Pokal muss wieder nach Maranello.

Präsentationen bei Ferrari sind immer auch ein emotionaler Akt. Da kommen alle Honoratioren der Firma, alle Sponsorvertreter, alle wichtigen Mitarbeiter. Und alle in Schale mit Anzug und Krawatte. Es ist, als ginge man in die Oper. So wird auch das Wegziehen des Tuchs zelebriert. Erst flimmert die Historie der Firma über die Großleinwand, dann gibt es bedeutungsschwangere Ansagen, und schließlich fallen unter tosendem Applaus die Hüllen. Auch das gibt es nur bei Ferrari. Es wird ausschließlich italienisch gesprochen, auch in den Interviewrunden. Entweder man versteht die Sprache, oder man besorgt sich ein Übersetzungsgerät. Sonst ist man ein armer Hund.

Ferrari-Ingenieure bleiben stumm

Ingenieure kommen nicht zu Wort. Nur auf der Website äußern sie sich in vorgefertigten Interviews zu ihrem Produkt. Seit den Tagen von Ross Brawn und Rory Byrne bleiben die Techniker anonym. Das Team ist der Star. Vielleicht liegt es auch daran, dass Technikchef Pat Fry nicht italienisch kann. Er verliert sich irgendwo unter den Zuschauern.

Auch der frühere Chefdesigner Rory Byrne ist da. "Ich arbeite mit Volldampf am 2014er Auto", lacht der 69-jährige Südafrikaner. Der Ferrari F138 interessiert ihn nur am Rande. "Ein nettes Auto, aber gegen das was 2014 auf uns zukommt, ist das alles ein Kinderspiel."

Zwei Titel auf dem Spiel

Der größte Einschnitt in der Formel 1-Geschichte wirft seine Schatten voraus, Stefano Domenicali mag gar nicht daran denken. "Wir stehen vor der größtmöglichen Herausforderung. Die Top-Teams haben es doppelt schwer, weil sie entscheiden müssen, wann sie vom 2013er Modell loslassen sollen, wenn es nicht funktioniert. Wer sich falsch entscheidet, kann zwei WM-Titel verlieren."

Während McLaren von einem kalkulierten Risiko sprach, nimmt Domenicali lieber das Wort "Optimierung" in den Mund. "Es wäre fahrlässig, an den genialen Trick zu glauben und alles auf ihn zu setzen. Wir haben mit dem F138 Optimierung an den Stellen betrieben, an denen die Aerodynamik den größten Zeitgewinn verspricht." Und dann träumt der 47-jährige Teamchef von seinem Wunschszenario: "Wir haben ein Siegerauto und können uns früh auf 2014 konzentrieren."

Fernando Alonso spuckte diesmal leise Töne. Den Testverzicht für Jerez begründet er damit, dass ihm sein Zeitplan bis zum 16. Januar kaum Zeit zum Training gegeben habe. "Ich gehe jetzt für zehn Tage in wärmere Gefilde ins Trainingslager, damit ich für die zweite Testwoche in Barcelona optimal vorbereitet bin." Angeblich nistet sich Alonso in Gran Canaria ein. Er greift erst am 19. Februar in Barcelona ins Testgeschehen ein. "Drei Tage dort geben mir mehr als eine Woche in Jerez." Warum? Weil da der erste große Entwicklungsschub von Ferrari kommt.

Montezemolo: "Vettel und Alonso gibt es nicht"

Präsident Luca di Montezemolo stellte sofort klar: "Das war eine Entscheidung von Ferrari und nicht von Alonso." Es könnte ja jemand auf den Gedanken kommen, dass der wahre Chef im Team ein Spanier ist. Alonsos Saisonziel liegt auf der Hand. "Platz zwei ist nicht gut genug. Mein Vertrag läuft bis 2016 und ich habe noch vier Mal die Chance mit Ferrari Weltmeister zu werden, aber mir wäre natürlich früher lieber als später."  Zum Reizthema Vettel sagt der Vize-Weltmeister nichts. Dafür Luca di Montezemolo: "Vettel und Alonso in einem Team, das wird es nicht geben."

Felipe Massa kann beim F138 schon einmal optische Fortschritte erkennen. "Sieht viel besser aus als der Ferrari vom letzten Jahr. Das Gefühl ist gut. Wir haben da ein paar wirklich gute Detaillösungen. Jetzt muss das Auto nur noch schnell sein." Massa will nicht wieder einen Anruf tätigen wie nach dem ersten Testtag vor einem Jahr. "Da habe ich unseren Präsidenten angerufen und ihm ungeschminkt die Wahrheit über unser Auto gesagt." Montezemolo erinnert sich mit einem gequälten Lächeln. "Es gab angenehmere Telefonate als dieses."

Ferrari-Lösungen zu extrem?

Domenicali preist stattdessen die Vorzüge des neuen Autos: "Wir haben Optimierung im Detail betrieben und sind dabei zu einigen extremen Lösungen gekommen." Intern bei Ferrari sagen sie schon. "Wir warten nur darauf, bis sich Newey zum ersten Mal über unsere Hinterradaufhängung beschwert." Gemeint ist das Flügelprofil, das den unteren Querlenker und Antriebswelle bedeckt. Das macht Red Bull zwar auch, aber nicht so extrem.

Domenicali erwartet von seinem F138 keine Alleinherrschaft, aber wenigstens einen besseren Saisonstart als 2012. "Es wäre vermessen darauf zu hoffen ein Auto zu haben, das allen anderen überlegen ist. Uns reicht eines, das auf Augenhöhe mit den Autos unserer Gegner steht. Dann entscheiden das Team und die Fahrer." Und da setzt Ferrari voll auf Fernando Alonso.

Michael Schmidt

Autor

Foto

Ferrari

Datum

1. Februar 2013
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