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Ferrari Favorit bis Monza

Wer bekommt die Auspuffgase in den Griff?

Ferrnando Alonso Foto: xpb 13 Bilder

Ferrari kann wieder Rennen aus eigener Kraft gewinnen. Bis Monza wird das auch so bleiben. Red Bull fürchtet die nächsten Grand Prix-Schauplätze. McLaren und Mercedes haben sich mit neuen Technikentwicklungen selbst eine Fußfessel angelegt.

28.07.2010 Michael Schmidt

Ferrari lieferte die Überraschung von Hockenheim. "Normalerweise liegen wir eine halbe Sekunde hinter Red Bull", wunderte sich selbst Alonso. Von den drei Entwicklungsschritten bei den letzten drei Rennen fiel der von Hockenheim am kleinsten aus. Auf der Uhr brachte er aber das beste Ergebnis.

"Vielleicht, weil wir das Potenzial des Autos endlich voll ausgeschöpft haben", vermutet Alonso. Ohne Testfahrten dauert es manchmal zwei bis drei Rennen, bis die Teams ihre Neuentwicklungen voll verstehen. Ferrari war klug genug, den angeblasenen Diffusor in zwei Schritten einzuführen. Stufe zwei wird erst in Spa gezündet. Alonso nennt noch einen zweiten Grund für das Hockenheim-Wunder: "Streckentypen wie Hockenheim und Budapest kommen uns entgegen." Dort fehlen die schnellen Kurven, in denen Ferrari auf die Red Bull verliert.

Erfolgreiche Alonso-Ungarn-Wette?

Mark Webber hat einem Freund geraten, sein Geld für den GP Ungarn auf Alonso zu wetten. Tatsächlich werden die roten Autos auch auf dem Hungaroring stark sein, auch wenn der verwinkelte Kurs außerhalb von Budapest Red Bull drei Trümpfe in die Hände spielt. Die Kurven sind runder, es gibt weniger Geraden und weniger Stop and Go. Red Bull hat in Hockenheim auch deshalb verzockt, weil man aus Angst vor den langen Geradeauspassagen mit zu wenig Abtrieb gefahren ist. Die Top-Speeds lagen um fünf km/h über denen von Ferrari. Normalerweise ist es anders herum.

Schon in Spa und Monza wird bei Red Bull wieder das große Zittern losgehen. Da hat man bereits im Vorjahr Federn lassen müssen, und Montreal deutete an, dass der Vorsprung der Red Bull schrumpft, je weniger Abtrieb die Rennstrecke von den Autos fordert. Das allein auf mangelnden Top-Speed zurückzuführen ist ein Trugschluss.

Hoher Abtrieb bremst Red Bull auf der Geraden

Renault ist auf den Geraden ohne F-Schacht so schnell wie die Red Bull mit. Und sie haben den gleichen Motor im Heck. Das kann nur heißen, dass der Red Bull RB6 in gewissen Aerodynamikkonfigurationen viel Widerstand aufbaut. Dafür hat er auch den meisten Abtrieb. Es gibt eben nichts geschenkt in der Formel 1.

Ferrari wird nach der Sommerpause mit einem runderneuerten Auto auftauchen. Wie auto motor und sport in seiner aktuellen Ausgabe (17/2010, ab 29. Juli im Handel) berichtet, bekommt der F10 sogar ein neues Getriebe, um den Einlass in den Doppeldiffusor nach vorne zu legen. Das bringt zusätzlichen Aufwand. Obwohl Alonso mit 34 Punkten Rückstand auf Lewis Hamilton in die letzten acht Rennen geht, glaubt Maranello fest an den Titel und betreibt das Entwicklungsprogramm des F10 weiter mit Vollgas.

Alonso: "Gewonnen ist noch nichts"

Alonso bleibt trotz des Sieges in Hockenheim skeptisch: "Das war nur ein Schritt. Gewonnen ist noch gar nichts. Wir dürfen uns auch in Zukunft nicht mehr die Blöße geben, Punkte zu verschenken." Ferraris Taktik, mit dem zweiten Schritt des angeblasenen Diffusor bis Spa zu warten, erweist sich immer mehr als kluger taktischer Schachzug. Die Probleme, die Mercedes und McLaren damit hatten, als sie begannen die Auspuffgase in den Diffusor zu leiten, werden in Maranello nicht überhört worden sein. Die Techniker haben jetzt in der Sommerpause genug Zeit sich mit dem Problem von Hitzeschäden zu befassen. Da spielte die Konkurrenz unfreiwillig Versuchskaninchen für Ferrari.

Der auf und in den Diffusor gerichtete Auspuff  ist eine heikle Konstruktion. Mercedes und McLaren wurden bei ihren ersten Einsätzen davon überrascht, wo die 600 Grad heißen Auspuffgase überall hinstrahlen können. "Das kannst du nicht hundertprozentig simulieren", bedauert Ross Brawn. "Wir hätten aufgrund unserer Analyse nie erwartet, welche Stellen davon betroffen sein könnten." Die Hitze weichte das Innenleben das Diffusors auf. Das führte zu den rätselhaften Abtriebsschwankungen.

Mercedes-Teams können nicht schnell reagieren

Jetzt ist man schlauer. Und kann trotzdem nicht reagieren. Die Hitzeabdeckungen können nicht zeitgerecht geliefert werden, weil sie in Frankreich bei einem Zulieferer eingekauft werden müssen. McLaren geht es genauso. "Wir werden erst in Spa den vollen Vorteil des angeblasenen Diffusors nutzen können", verrät Whitmarsh. Genau das gibt Ferrari die Gelegenheit, Rückstand in der Weltmeisterschaft aufzuholen. Und in Spa hängt alles davon ab, wie der eigene neue Diffusor funktioniert.

Dass man mit der Technik auf Anhieb klarkommen kann, zeigt Williams. Der Rennstall aus Grove präsentierte in Silverstone zum ersten Mal seine Version des angeblasenen Diffusors. Und bis jetzt gab es keinerlei Alarm. "Wir haben die Sache gut im Griff, sowohl von der Hitzeentwicklung her als auch in Bezug auf das Fahrzeug-Setup, um die Nachteile zu minimieren, die entstehen, wenn der Fahrer vom Gas geht", berichtet Technikchef Sam Michael.

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