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Ferrari-Boß droht seinen Mitstreitern

"Mehr eigene Interessen vertreten“

Montezemolo & Domenicali Ferrari Mondiali 2011 Mugello Foto: Ferrari 39 Bilder

Ferrari fährt fortan wieder den harten Kurs. Der Rennstall ist aus der FOTA ausgetreten, weil man enttäuscht feststellen musste, dass Eigeninteressen über dem Gemeinwohl stehen. Präsident Luca di Montezemolo fordert Rennleiter Stefano Domenicali dazu auf, in Zukunft mehr auf eigenen Belange zu schauen.

23.12.2011 Michael Schmidt

Einmal im Jahr zieht Luca di Montezemolo Bilanz. Dann sagt der Ferrari-Chef, wie er die Formel 1 sieht und wie er sich die Zukunft des GP-Sports vorstellt. Vieles davon ist Stehsatz. Montezemolo lobt die Rückkehr der königsklasse in die USA, will aber gleichzeitig die Formel 1 in ihren Kernmarkt Europa zurückholen, weil die Königsklasse hier ihre Wurzeln hat. Er will die Aerodynamik einschränken, "weil sie der Serienentwicklung nichts bringt. Wir bauen Flugzeuge für die Straße." Er will das dritte Auto, weil er so jungen Fahrern eine Chance geben kann und die Klassenunterschiede im Feld nivelliert. Er will mehr Testfahrten, weil es keinen anderen Sport gibt, bei dem das Trainieren begrenzt ist. Er will klare Regeln ohne Grauzonen"“, weil wir sonst die Glaubwürdigkeit unseres Sports aufs Spiel setzen."

Mehr Nutzen für die Serie

Ein Schlüsselerlebnis war der Grand Prix von England, wo ein ganzes Wochenende lang über den angeblasenen Diffusor stritt. "Wir haben an einem Wochenende drei Mal die Regeln geändert. Das kann nicht sein." Montezemolo erinnert sich heute unter Schmerzen daran, dass es Ferrari damals in der Hand hatte, dem Verbotsvorschlag der FIA zu folgen. Stattdessen gab Ferrari dem Druck der anderen Teams nach. "Wir haben im interesse des Sports gehandelt. Hätten wir es nicht getan, wäre es zum Bruch gekommen. Alle hätten Ferrari vorgeworfen, wir würden nur blockieren, weil wir nicht schnell genug sind."

Inzwischen weiß man, dass sich Ferrari mit seiner versöhnlichen Haltung ein Eigentor geschossen hat. Die Technik des angeblasenen Diffusors haben die Mitbewerber besser beherrscht. Ein Verbot hätte Red Bull und McLaren eine Trumpfkarte genommen. Rennleiter Stefano Domenicali verrät: "Was seinerzeit in Silverstone passiert ist, war der entscheidende Grund dafür, warum wir die FOTA verlassen haben." Nachdem sich Ferrari damals dem Gemeinwohl opferte, hätte man anderer Stelle mehr Entgegenkommen erwartet. Zum Beispiel bei der Frage der Ressourcenbeschränkung. Doch da zog Red Bull nicht mit. Stattdessen endlose Diskussionen ohne Lösung. "Es gab auf den wichtigen Gebieten keine gemeinsamen Interessen mehr. Wir sind ausgetreten, um zu sehen, ob wir damit die Entscheidungsfindung verbessern können", erklärt Domenicali.

Ferrari habe den Entschluss zum Austritt allein gefasst. Mit dem Schritt von Red Bull und Sauber habe das nichts zu tun gehabt, bekräftigte der Rennleiter. "Ich kenne die Gründe der anderen Teams nicht. Wir haben unsere eigenen." Sein oberster Chef will in Zukunft wieder einen harten Kurs fahren. "Wir müssen auf unsere eigenen Interessen schauen. Als Automobilhersteller haben wir andere als Red Bull. Denen ist es egal, ob ein Vermögen in eine für den Serienbau völlig nutzlose Aerodynamik gepumpt wird, oder ob die Formel 1 mit Vier- oder Achtzylindermotoren fährt. Ein Vierzylinder wäre für unser Haus nicht in Frage gekommen. Das ist etwas für Motorradfirmen wie Ducati und Yamaha." Ferraris Vordenker, der 2013 für das Amt des Italienischen Ministerpräsidenten kandidieren will, sagt, wie er sich die Formel 1 vorstellt: "Wir sind ein Hersteller und kein Sponsor. Von der höchsten Spielklasse des Motorsports erwarte ich, dass wir Vorreiter für zukunftsweisende Technologien sind. Da gehören Testbeschränkungen, eine eingefrorene Motorentwicklung und Standardgetriebe nicht hin."

Ferrari will Ressourcen begrenzen

Trotzdem hat Montezemolo kein Interesse daran, dass die Kosten ausufern, so wie das in der Blütezeit der Formel 1 zwischen 2000 und 2009 der Fall war. "Es muss doch irgendetwas zwischen Null und 100 geben. Ein Windkanal muss reichen. Wozu brauche ich zwei, Dreistundenschichten und mehr als 100 Leute dafür?" Deshalb wird Ferrari auch weiter auf die Einhaltung der Ressourcenbeschränkung pochen. Notfalls vor Gericht. Die Kostenbremse ist ein juristisch gültiger Vertrag, bei dem es jetzt nur noch herauszufinden gilt, auf welcher Basis man sich streitet. Auf der des Ursprungsdokuments, das Ende 2012 ausläuft oder der 2010 in Singapur ratifizierten Fassung, die bis 2017 Gültigkeit hat. Auch da verhandelt sich leichter, wenn man nicht mehr Teil der FOTA ist. Wer verklagt schon gerne ein Familienmitglied?

Domenicali will der Verzögerungstaktik von Red Bull ein Ende setzen. "Bis zum Saisonbeginn muss Klarheit herrschen." Da bekommt er von Luca di Montezemolo Rückendeckung. Der mahnt an, dass die Formel 1 Änderungen braucht, um wieder die Autokonzerne anzulocken. "Ich will keinen Krieg", meint er kurz vor Weihnachten versöhnlich. "Ich will im Sinne des Sports nur mehr Glaubwürdigkeit."

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