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Ferrari feiert zweites Podium

"Platz vier oder Sieg"

Fernando Alonso - GP Ungarn 2014 Foto: Ferrari 44 Bilder

Ferrari feierte beim GP Ungarn sein zweites Podium nach dem GP China und sein bestes Saisonergebnis. Für einen kleinen Moment träumte man sogar vom Sieg. Lewis Hamilton war Fernando Alonsos Lebensversicherung, doch der Mercedes-Pilot brach zu früh gegen Daniel Ricciardo ein.

29.07.2014 Michael Schmidt

Fernando Alonsos Renningenieur Andrea Stella war nach der Zieldurchfahrt sprachlos. Ihm fehlten die Worte, Ferraris Chefpilot gebührend für seinen zweiten Platz zu danken. Kimi Räikkönen rundete Ferraris bestes Saisonergebnis mit einer tollen Aufholjagd und dem sechsten Rang ab. Die 26 Punkte von Ungarn brachten Ferrari wieder an Williams vorbei auf den dritten Rang in der Konstrukteurs-WM. Das ist das Mindestziel von Maranello.

Für einen kurzen Moment sah es so aus, als könnte Alonso diesen Grand Prix sogar gewinnen. Der Spanier lag insgesamt 27 Runden in Führung. Erst drei Runden vor Schluss gab er die Spitzenposition ab. Als sich im Finale ein Ferrari, ein Mercedes und ein Red Bull zusammenballten, hatte Alonso die schlechteste Waffe in der Hand. Seine Reifen waren mit 32 Runden auf der Lauffläche die ältesten. Und sein Top-Speed war mit 300,7 km/h der langsamste. Zum Vergleich: Lewis Hamilton kam auf 314,3 km/h, Daniel Ricciardo auf 310,7 km/h.

Alonso fuhr in den Schlussrunden mit total abgefahrenen Hinterreifen der Marke "soft". Man konnte es in der Zielkurve sehen. Der Ferrari kam jeweils quer aus dem 120 km/h schnellen Rechtsbogen. Hamiltons Reifen hatten zwar auch schon 31 Runden abgespult, doch die Mischung "medium" hatte nach Pirelli-Angaben fast die doppelte Lebensdauer. Die besten Karten hielt der spätere Sieger in der Hand. Ricciardos weiche Reifen waren im Ziel nur 16 Runden alt. Der Red Bull-Pilot war der einzige aus dem Trio, der drei Mal stoppte.

Alonso ohne Chance im Duell mit Ricciardo

Alonso wusste, dass er gegen Ricciardo chancenlos sein würde. Er brauchte Hamilton als Puffer. Den Mercedes konnte er trotz dessen besseren Top-Speeds abwehren, weil der in der Zielkurve und Kurve 1 ähnlich schlecht aus den Ecken kam. Und weil Hamilton auch mit dem Blick nach hinten fahren musste. Damit konnte sich Alonso auf den Geraden gut wehren. Ricciardo war deshalb gefährlicher, weil er mit seinem Grip-Vorteil schon am Kurvenausgang direkt im Windschatten hing.

Als Ricciardo in der 67. Runde Hamilton im zweiten Versuch überholte, war das für Ferrari eine schlechte Nachricht. Dem Red Bull-Piloten genügte ein Angriff, um am Ende der Zielgeraden an Alonso vorbeizufliegen. "Ich hatte nicht das Auto, um mich gegen Daniel zu verteidigen."

Ferrari präsentierte sich am Hungaroring leicht verbessert, was einerseits am kurvigen Streckenlayout lag, andererseits an den Umständen. "Es war ein chaotisches Rennen, das viele Gelegenheiten bot. Die Kunst war es, immer die richtigen Entscheidungen zu treffen und die Chancen zu nutzen", resümierte Alonso sein bestes Saisonresultat.

Reifenpoker mit kalkuliertem Risiko

Die wichtigste Entscheidung fiel am Ferrari-Kommandostand in den Runden 23 bis 25, als die Dreistopper zum zweiten Mal nach der ersten Safety-Car-Phase einen neuen Satz Slicks aufzogen. Ferrari wählte die Variante Risiko. Ein Zweistopp-Rennen. Alonso erklärte warum: "Das brachte uns die Führung ein. Wir wussten, dass wir sie zum Schluss mit alten Reifen verteidigen mussten. Das gab uns eine ganz kleine Chance, das Rennen zu gewinnen. Wären die Reifen total eingebrochen, wäre ich immer noch Vierter geworden. Wären wir Ricciardos Taktik gefolgt, wäre ich sicher auf Platz 4 gelandet."

Der Poker mit den Reifen war für Ferrari ein kalkuliertes Risiko. Alonso hatte schon mit dem ersten Satz 29 Runden abgespult. Und das war eine gebrauchte Garnitur "soft". Räikkönen schaffte auf einem Satz sogar 33 Runden. Im Training sah es noch nicht so aus, als dürfte Ferrari mit so langen Stints rechnen. Das Auto fraß die Hinterreifen. Alonso erklärte sich das Reifen-Wunder so: "Das kühlere Wetter hat uns in die Karten gespielt. In der ersten Kurve blieb es auf der Innenseite lange feucht. Das hat die Reifen abgekühlt und sie weniger stark belastet."

Auch Kimi Räikkönen war zufrieden. "Endlich mal wieder Spaß im Rennauto. Das Gefühl im Auto war gut, ich konnte attackieren. Leider habe ich viel Zeit hinter einem Sauber verloren. An dem kam ich genauso wenig vorbei wie an Massa. Auf der Geraden fehlt uns einfach noch Top-Speed." Räikkönen und Alonso warnen trotz des guten Resultats vor zu viel Euphorie. "Es gibt Anzeichen der Besserung, aber wir sind in vielen Bereichen noch nicht dort, wo wir sein wollen." Die nächsten beiden Rennen könnten für Ferrari ein böses Erwachen bringen. In Spa und Monza ist Power gefragt.

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