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Ferrari gegen Red Bull im Clinch um Platz 2

Red Bull hat einen Plan

Sebastian Vettel - Ferrari - GP England - Silverstone - Formel 1 - Freitag - 8.7.2016 Foto: sutton-images.com 35 Bilder

Ferrari wollte gegen Mercedes um den WM-Titel kämpfen. Weit gefehlt. Im Augenblick liegt Ferrari 50 WM-Punkte hinter Red Bull auf Platz 3. Wie konnte es so weit kommen? Wir schauen hinter die Kulissen.

16.10.2016 Michael Schmidt 5 Kommentare

Der WM-Titel bei den Konstrukteuren ist entschieden. Mercedes hat ihn zum dritten Mal in Folge gewonnen. Noch überlegener als je zuvor. Die Nummer zwei ist nicht etwa Ferrari, der selbst ernannte Herausforderer von Mercedes. Im Duell um die Kronprinzenrolle hat Red Bull vier Rennen vor Schluss die besseren Karten. 50 Punkte Vorsprung sind praktisch nicht mehr aufzuholen.

Doch wie konnte Ferrari in nur einem Jahr so tief sinken? Und wie Red Bull aus den Niederungen, in die man als Vierter der Konstrukteurs-WM 2015 gestürzt war, wieder nach vorne kommen? Bis zum GP Ungarn lag Ferrari wenigstens noch auf Platz 2. Beim letzten Rennen vor der Sommerpause kam dann die Wende. Seitdem wächst der Rückstand. Nur in Monza verschaffte sich Ferrari noch einmal Luft.

Ferraris hohe Erwartungen

2015 nutzte Ferrari alle Chancen, die Mercedes seinen Verfolgern ließ. Sebastian Vettel verwandelte die Steilvorlagen in drei Siege. Dieses Jahr hat Red Bull diese Rolle übernommen. Die Chancenverwertung beträgt aber nicht 100 Prozent. Red Bull sammelte die Siege in Barcelona und Sepang ein, verschenkte aber 25 Punkte in Monte Carlo. Ferrari dagegen verspielte in Australien, Spanien und Kanada drei Siegchancen durch taktische Fehler.

Die Zahlen nach 17 Rennen sprechen eine klare Sprache. Red Bull ist in allen Belangen besser. 285:235 Punkte, 29:28 Punkteplatzierungen, 13:10 Podiumsresultate, 2:0 Siege, 115:74 Führungsrunden und nur 2 Ausfälle gegen 6 bei Ferrari. Wenn man sich den Verlauf der Saison anschaut, dann ist Ferrari besser gestartet. Ab dem GP Spanien hielten sich die beiden Autos die Waage. Von Red Bulls Heimspiel in Österreich an zeigte die Formkurve von Ferrari bergab und die von Red Bull bergauf. Erst beim GP Japan gab Ferrari wieder ein Lebenszeichen von sich. Es kommt wahrscheinlich zu spät.

Doch was ist bei den beiden Verfolgern von Mercedes passiert? Ferrari ging mit hohen Erwartungen in die Saison. Präsident Sergio Marchionne hatte die Order ausgegeben, Mercedes anzugreifen. Red Bull hielt sich bedeckt. Keine großen Ansagen, keine Störfeuer mehr in Richtung Motorenpartner Renault, bestenfalls gespannte Erwartung auf eine Saison, die man mit Anstand überstehen wollte, bevor die vermeintlich große Chance mit den breiten Autos kommt. Ferrari hat sich unnötigen Druck aufgeladen, Red Bull hat ihn abgebaut.

Ferrari baute mit dem SF16-H ein modernes Rennauto, das alle guten Details anderer Autos in sich trug, aber keinen eigenen Geniestreich. Mit dem Motor begab sich Ferrari auf eine Gratwanderung, im Irrglauben, der ganze Vorsprung von Mercedes begründe sich auf dem Antriebsstrang. Es dauerte bis zum GP Kanada, bis Ferrari die Kinderkrankheiten seines V6-Turbo aussortiert hatte. Sie lagen hauptsächlich im Bereich des Turboladers und der MGU-H.

Max Verstappen - GP Spanien 2016Foto: Wilhelm
Max Verstappen hielt Kimi Räikkönen beim GP Spanien in Schach und gewann.

Fahrwerk hilft Aerodynamik

Red Bull stellte ein blitzsauberes Auto auf die Räder, schlicht und effizient, aber auch hier ohne die ganz große Innovation. Auch Red Bull saß einer Fehleinschätzung auf. Im Glauben, Renault würde den Rückstand zu Mercedes so schnell nicht aufholen, baute man ein Auto, das maßgeschneidert war für einen Streckentyp, auf dem man auch mit wenig Power gewinnen konnte. Motto: Abtrieb um jeden Preis. Dafür strafte man sich auf anderen Strecken mit zu viel Luftwiderstand. Hätten die Ingenieure geahnt, dass Renault mit dem Motor so große Fortschritte macht, wäre wohl auch das Konzept etwas anders ausgefallen.

Bis zum GP Russland zehrte Ferrari von seinem Vorsprung. Auf Red Bulls Spezialstrecke Barcelona herrschte Gleichstand. Dann brachte Renault sein 35 PS-Upgrade und Ferrari geriet unter Druck. Mit einer eigenen Ausbaustufe des Motors zum GP Kanada konnte Ferrari noch einmal ausgleichen. Doch ab dem GP Österreich war der Wurm drin.

Ferrari stagnierte beim Chassis und bei der Aerodynamik. Egal, was die Ingenieure an den SF16-H schraubten, es machte ihn nicht schneller. Red Bull dagegen entwickelte seinen RB12 heimlich, still und leise weiter. Von außen nur im Detail. Aber unter der Haube reifte ein Fahrwerkstrick, den man sich von Mercedes abgekupfert hatte. Je mehr die Ingenieure über das Feintuning der Kontrolle des Rollverhaltens und der Bodenfreiheit lernten, umso besser funktionierte die Aerodynamik. Ferrari ist auf diesem Gebiet noch weit hinterher. Man hat ein solches System nur an der Hinterachse. Red Bull vorne und hinten.

Nach den Schlappen von Silverstone und Hockenheim begannen die Ferrari-Ingenieure, ihr Auto etwas kritischer zu sehen. Größtes Problem war der schwankende Abtrieb in lang gezogenen Kurven. Die Technikabteilung von Maranello begann die Aerodynamik auf den Prüfstand zu stellen. Die ersten Ergebnisse sah man in Suzuka. Plötzlich konnte der Ferrari auch schnelle Kurven.

Für Ferrari war es wichtig, das Grundsatzproblem zu lösen. Es hätte das Team sonst wieder im nächsten Jahr eingeholt. Dann lieber etwas Entwicklungszeit für das 2017er Auto opfern. Auch Red Bull betreibt im Detail noch Entwicklungsarbeit am 2016er Auto. „Aber nur auf Gebieten, die uns auch 2017 nutzen“, schränkt Teamberater Helmut Marko ein.

Ferrari hat zu viele Baustellen

Ferrari hat noch andere Baustellen. Die größte ist das Reifenmanagement. Wer seine Reifen nicht einschätzen kann, macht zwangsläufig strategisch Fehler. Insgesamt sieben Mal wurden Punkte am Kommandostand verschenkt. Die Verpflichtung des Sauber-Fahrwerksexperten für 2017 ist ein Zeichen dafür, dass Ferrari sein Problem erkannt hat. Red Bull dagegen ist strategisch sattelfest. Und versteht bis auf wenige Ausnahmen auch die Reifen. Nur in Sotschi und Baku verzockten die Reifenexperten des Teams.

Ferrari muss auch bei der Standfestigkeit aufräumen. Vier Mal wurden Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen wegen eines Getriebewechsels um je 5 Startplätze zurück komplimentiert. In Singapur startete Vettel wegen eines Aufhängungsproblems aus der letzten Reihe. Zwei Mal blieben die Ferrari-Piloten mit Motorproblemen stehen. Vettel war vier Mal in Startkollisionen verwickelt. Red Bull hat nur einen technischen bedingten Ausfall zu beklagen. Daniil Kvyat ging wegen einer defekten Batterie in Australien gar nicht an den Start. Die Red Bull-Piloten schrieben zwei Nuller wegen Unfällen. Kvyat in Sotschi, Verstappen in Monte Carlo.

Ferrari schwächte sich mitten in der Saison mit einem Aufruhr in der Technikabteilung. Technikchef James Allison musste gehen. Mattia Binotto übernimmt seine Rolle. David Sanchez ersetzt Dirk de Beer als Aerodynamikchef. Weitere Posten im Designbüro wurden umbesetzt. Jetzt soll die Struktur stehen. Ferrari verzichtete auf Neueinkäufe, um die Wogen zu glätten. Red Bull dagegen ist so stabil wie Mercedes. Der vierköpfige Führungszirkel im Konstruktionsbüro ist bereits seit Jahren zusammen. Und hat offenbar gut verkraftet, dass Adrian Newey nur noch halbtags arbeitet.

Während Ferrari seine Fabrik und seine Werkzeuge vor zwei Jahren auf den letzten Stand gebracht hat, ist Red Bull mit seinem Super-Simulator und dem Spezial-Prüfstand für Auto samt Motor schon wieder einen Schritt weiter. Unter dem Strich muss man sich nicht wundern, dass Red Bull seinen direkten Kontrahenten überholt hat. Bei Red Bull hat man den Eindruck: Dieses Team hat einen Plan. Bei Ferrari lässt sich der noch nicht eindeutig erkennen.

RennenFerrariRed Bull
Australien1512
Bahrain3330
China6157
Russland7657
Spanien10994
Monaco121112
Kanada147130
Europa177140
Österreich192168
England204198
Ungarn224223
Deutschland242256
Belgien252274
Italien279290
Singapur301316
Malaysia313359
Japan335385
Neuester Kommentar

Ferrari hat vor 2 Jahren die selben Auto + Motor Prüfstände von dem Grazer Unternehmen AVL (einziger Hersteller hierfür) eingekauft.
Ich kann mir nicht vorstellen dass dieser weitläufig von den Fach Medien aufgegriffen Sachverhalt, nicht bis zu ihnen vorgedrungen ist Herr Schmidt. Das Bedürfniss immer wieder neue Geschichten zu erfinden die man seinen Leser vorsetzen kann als Formel 1 verantwortlicher von Auto-Motor und Sport, sorgt immer wieder für unerwartete Früchte. Im bemühen das eine Team als clever, durchdacht, planerisch (Redbull), dass andere als überfordert, chaotisch und technologisch hintendran darzustellen (Ferrari) erscheinen zu lassen, fehlte ihnen einfach noch ein Beispiel dass den unterschied erkennbar werden lässt.
Fehlende modernen Auto+Motor Prüfstände in Ferrari als Antwort zu nennen weshalb Red Bull zukünftig schwer zu schlagen sein wird mag bei Leuten die sich recht oberflächlich mit der Formel 1 befassen funktionieren, wahre Fans wissen allerdings dass Ferrari seit mittlerweile über 2 Jahren mit diesen speziellen extrem teuren AVL Prüfständen arbeitet.
Lügen haben kurze Beine , dass ist nicht dass erste Mal dass sie freundlich ausgedrückt ungenau werden Herr Schmidt

http://www.motorsport-magazin.com/formel1/news-207386-ferrari-fortschritt-dank-mega-pruefstand/

Um bei der Power Unit auf Mercedes aufschließen zu können, soll Ferrari viel Geld in die Hand genommen haben. Wie die Gazzetta dello Sport berichtet, hat Ferrari rund 40 Millionen Euro in einen neuen Prüfstand investiert. Das Grazer Unternehmen AVL soll in Maranello einen Rollenprüfstand gebaut haben, auf dem das komplett zusammengeschraubte Auto getestet werden kann. Geschwindigkeiten bis zu 360 Stundenkilometer sollen möglich sein.

Mikelibramania 20. Oktober 2016, 00:41 Uhr
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