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Ferrari-Geheimtest in Fiorano

Komponententest für Le Mans oder Formel 1?

Ferrari LaFerrari - Rennsport-Prototyp - LMP1 / F1 Foto: SB-Medien 25 Bilder

Ferrari hat im Dezember unter einer La Ferrari-Hülle Antriebskomponenten für den Rennsport getestet. Was genau unter dem getarnten Karbonkleid des Supersportwagens steckt, wollten die Italiener nicht verraten. Wir haben die Bilder und die möglichen Erklärungen.

01/09/2014 Tobias Grüner

Ferrari führt wieder einmal etwas im Schilde. Im Gegensatz zu den anderen Formel 1-Teams hat der italienische Sportwagenbauer einen großen Vorteil: In Fiorano steht eine komplette Teststrecke für die Entwicklungsabteilung bereit. Nur einen Katzensprung von der Fabrik in Maranello entfernt können die Ingenieure hier nach Belieben neue Autos und neue Technik erproben, ohne dass es jemand mitbekommt.
 
Normalerweise bleiben diese Fahrten im Verborgenen. Doch als Ferrari im Dezember mit einem ungewöhnlichen Testträger ausrückte, lagen bereits einige Spione auf der Lauer. Sie konnten einen auffällig umgebauten La Ferrari beobachten, der eine Testrunde nach der anderen drehte. Das Besondere an dem Auto war nicht der auffällige Tarnanzug, der über das Karbonkleid gestülpt wurde, sondern eine verdächtig große Lufthutze über dem Dach und ein riesiger Flügel auf dem Heck.

Ein Video der Ausfahrt, das bei YouTube mittlerweile mehr als 12.000 Mal angeklickt wurde, gibt zudem einen Eindruck von der Geräuschkulisse. Schnell wird klar, dass unter der Haube kein 6,3-Liter-V12-Motor steckt. Der Sound klingt eher nach einem kleinvolumigen Turbo-Triebwerk. Dreieckige gelbe Warnsticker an der Karosserie deuten zudem darauf hin, dass sich ein Hochleistungshybrid-System unter der Haube versteckt.

Formel 1-V6 im La Ferrari-Heck?

Ferrari will sich zu dem Test verständlicherweise nicht öffentlich äußern. Somit bleibt es Spekulation, was die Italiener das genau erprobt haben. Der erste Verdacht: Im Heck des umgebauten Sportwagens steckt der neue Formel 1-Motor für die Saison 2014. Der Sound des Autos klingt verdächtig nach den ersten Hörproben vom 1,6 Liter-Turbo-V6, die Konkurrent Mercedes veröffentlicht hat. Auch ein Bild des Hecks, das ein zentrales Auspuff-Rohr zeigt, würde zu dieser Theorie passen.

Das Timing - rund 2 Monate vor dem F1-Testauftakt in Jerez - würde ebenfalls stimmen. Um die hohen Zuverlässigkeitshürden (nur 5 Antriebspakete pro Saison) zu meistern, ist für die Hersteller jeder Testkilometer wertvoll. Ferrari könnte ausprobiert haben, ob die komplizierten Hybrid-Komponenten im Fahrbetrieb ordnungsgemäß funktionieren. Allerdings lassen sich Fliehkräfte wie in einem Formel 1-Auto mit einem Sportwagen nicht simulieren.

Auf Nachfrage beim traditionellen Journalisten-Treffen mit Präsident Luca di Montezemolo kurz vor Weihnachten wurde von den Verantwortlichen allerdings dementiert, dass hier Formel 1-Komponenten im Praxis-Einsatz ausprobiert wurden. Etwas anderes war allerdings auch nicht zu erwarten.

Ferrari-Test für Le Mans-Prototyp?

Wenn es wirklich kein Formel 1-Test war, könnte es auch ein früher Komponenten-Test für das Le Mans-Projekt sein. Das neue Reglement für den Langstreckenklassiker macht es möglich, dass die F1-Motorenformel ohne größere Umbauten für den LMP1-Einsatz umgebaut werden kann. Auch in Le Mans sind die Prototypen mit immer umfangreicheren Hybrid-Systemen unterwegs. Spritsparen spielt auch beim 24h-Klassiker eine immer wichtigere Rolle.

Dass Ferrari an einem LMP1-Einsatz arbeitet, hat auto motor und sport bereits im Juli 2013 gemeldet. Montezemolo bestätigte das Interesse der Italiener im Dezember auch noch einmal. "Mir gefällt der Gedanke, in Le Mans in der höchsten Kategorie an den Start zu gehen. Vielleicht treten wir irgendwann wieder an, gewinnen dort, sagen Danke und kehren nach Hause zurück. Vielleicht sollten wir wirklich ernsthaft mal darüber nachdenken."

Eine endgültige Entscheidung sei allerdings noch nicht gefallen. Frühestens 2016 könnte das Comeback gestartet werden, heißt es in Maranello. Optisch hat das jetzt in Fiorano getestete Auto jedoch nicht viel mit einem LMP1-Renner zu tun. Ausgeschlossen werden kann auch, dass es sich um einen neuen GT-Prototypen handelt. Erstens ist Ferrari mit dem 458 im Sportwagen-Bereich sehr gut aufgestellt. Und zweitens gibt es aktuell keine Pläne Hybrid-Antriebe im GT-Sport einzuführen.

Das Geheimnis des sonderbaren La Ferrari wird vielleicht niemals endgültig gelüftet. In unserer Bildergalerie können wir Ihnen jetzt erstmals die Fotos von unseren Erlkönigjägern zeigen.

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