Um 10.48 Uhr sprang Fernando Alonso mit einer Zeit von 1.23,640 Minuten auf den vorläufig zweiten Platz des zweiten Testtages von Barcelona. Ein kleiner Lichtblick, der aber in Relation gesetzt werden muss. Sebastian Vettel war zum gleichen Zeitpunkt fast sechs Zehntel schneller. Der Weltmeister fuhr seine Zeit von 1.23,056 Minuten auf harten Reifen. Alonso war mit den weichen Sohlen unterwegs.
Ferrari versteht Auto noch nichtFerrari sucht immer noch nach dem Schlüssel, der den F2012 zum Red Bull-Schreck machen soll. Das neue Auto ist so neu, dass es die Ingenieure erst einmal verstehen lernen mussten. Teil eins dieses Prozesses ist abgeschlossen. Er bestand aus Daten sammeln. Die vier Tage von Jerez gingen für unzählige Messreihen drauf und die Beantwortung der Frage, ob der Windkanal die richtigen Daten liefert.
Doch am ersten Testtag in Barcelona ging die Messerei erneut los. Fernando Alonso fuhr ein paar Mal mit gemäßigter Geschwindigkeit die Zielgerade runter, um Aero-Daten zu sammeln. Kein gutes Zeichen. Zur gleichen Zeit befand sich Red Bull schon mitten in einem Setup-Programm.
In Barcelona wird Stufe zwei der Aufholjagd gezündet. Ferrari wird vier Tage lang verschiedene Aerodynamikkonfigurationen miteinander vergleichen. Das Problem liegt eindeutig in der Aerodynamik, hört man aus dem roten Lager. Mechanisch sei der F2012 gesund. Also auch die viel zitierte Pullrod-Vorderradaufhängung.
Das Problem des neuen Ferrari sitzt im Heck. Vorne macht das Auto, was es soll. Doch im Heck fehlt der Abtrieb. Und er schwankt. Damit ist das Auto für die Fahrer schwer berechenbar.
Ferrari ringt um AbtriebDeshalb experimentiert Ferrari mit unterschiedlichen Motorverkleidungen, Auspufflösungen, Diffusorvarianten und Leitblechen. Eine Problemzone ist der Auspuff. Zunächst wurde die Auspuffgase außen auf den Bremsbelüftungs-Flügel und den Diffusor geblasen. Dann wanderten die Auspuffendrohre immer weiter nach innen und zielen nun auf das untere Heckflügelelement.
Unser Zeichner Giorgio Piola hat auf dem Foto die alte Endrohrposition gelb markiert. Beim Auspuff gibt es Spielraum. Er muss aus der Vogelperspektive zwischen 20 und 50 Zentimeter von der gedachten Mittellinie des Autos entfernt liegen.
Ferrari funktioniert nur in kleinem Fenster
Die ersten Erfahrungen mit dem neuen Auto haben gezeigt, dass der Ferrari F2012 ganz ordentliche Rundenzeiten abliefert, wenn die Aerodynamik-Puzzlesteine richtig zusammengesetzt werden. Doch das Fenster ist klein. Hier liegt eine weitere Schwachstelle. Wenn das Fenster nicht erweitert werden kann, müssen sich die Ferrari-Techniker auf jeder Strecke neu auf die Suche machen. Das bedeutet Schwerstarbeit im Freitagstraining ohne Garantie auf einen Volltreffer.
Nächste Woche in Barcelona zündet Ferrari Stufe drei im Entwicklungsplan. Sobald man weiß, welche Aerodynamikkonfiguration die beste ist, beginnt die Abstimmungsarbeit am Auto. Dann wird die Konkurrenz bereits ihre Rennsimulationen abgeschlossen haben. Ferrari ist also verdammt spät dran. Solange man nicht weiß, wohin die Reise mit der Aerodynamik geht, macht es auch keinen Sinn, neue Teile an das Auto zu schrauben. Das würde nur zusätzlich Verwirrung stiften.





