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Ferrari in Indien

Das Drama um die Frontflügel

Felipe Massa Foto: dpa 34 Bilder

Bei Ferrari drehte sich in Indien alles um den Frontflügel. Unter bestimmten Bedingungen flatterten die Extremitäten, als würden sie künstlich in Schwingungen versetzt. Noch auf dem Startplatz wurde wie wild an Fernando Alonsos rechtem Frontflügel geschraubt. Wir klären auf.

02.11.2011 Michael Schmidt

Seit dem GP Korea fährt Ferrari mit einem neuen Frontflügel. Er ist in seiner Form eine gut gelungene Red Bull-Kopie. Schon bei der Premiere in Korea war zu beobachten, dass sich die Flügelenden bei großer aerodynamischer Last leicht nach unten bogen. Das bringt zusätzlichen Anpressdruck.

Beim zweiten Versuch in Indien war das Verbiegen bereits deutlicher ausgeprägt. In Einzelfällen flatterte der Flügel so stark, dass man fürchten musste, er würde sich dabei selbst zerstören. Meistens betraf es das Auto von Felipe Massa. Das gleiche hatte man im letzten Jahr bei Red Bull in der Frühphase der Entwicklung des Flatterflügels beobachtet. Inzwischen verformt sich das Red Bull-Teil in jeder Phase kontrolliert.

Ferrari-Experiment für 2012

Ferrari gab zu, mit Flügeln unterschiedlicher Steifigkeit zu experimentieren. Es ist ein Testlauf für die kommende Saison. Diesmal hat man es offenbar übertrieben. "Wir werden die Daten auswerten und analysieren, welche Umstände dazu führen, dass der Flügel stark schwingt", erklärte Ferrari-Rennleiter Stefano Domenicali.

In der Startaufstellung waren bei beiden Frontflügeln im Hauptblatt Verstärkungen zu sehen, und zwar an der Stelle, an der der Flügel vom genormten inneren Bereich in das Segment übergeht, bei dem gestalterische Freiheit erlaubt ist. Offenbar wurde nach dem Freitagstraining nachlaminiert. Das Phänomen tauchte bei Massa aber im dritten freien Training und im Rennen erneut auf. Und da war bereits der Ersatzflügel am Ferrari mit der Startnummer sechs. Flügel Nummer zwei war bei dem Crash in der Qualifikation zu Bruch gegangen.

Verschiedene Gründe für Schwingungen

Die Erklärung kann in unterschiedlichen Setups liegen. Womöglich stellt Massa das Fahrwerk eine Spur härter ein als Alonso. Es gibt aber noch einen anderen Verdacht. Im Rennen trat der Schwingeffekt auf, als Massa direkt im Windschatten eines anderen Autos fuhr und dann abrupt ausscherte. Möglicherweise haben Turbulenzen den Flügel in Schwingungen versetzt.

"Ich weiß nicht, ob das so gewollt war", grinste Adrian Newey von Konkurrent Red Bull. Domenicali gab zu, dass dies kein gewünschter Effekt sei, allerdings gehe davon auch keine Gefahr für den Piloten aus. Tests haben ergeben, dass der Flügel hält. Den FIA-Belastungstest besteht er sowieso.

Aufregung gab es noch kurz vor dem Start, als sich eine Traube von Ferrari-Mechanikern über Alonsos linken Frontflügelflap hermachte. Man hatte schon in der Garage gemerkt, dass die Flapverstellung nicht funktionierte. Deshalb wurde 20 Minuten vor dem Start entschieden, auf den Startplatz zu fahren und dort zu reparieren. Es dauerte geschlagene zehn Minuten, bis die defekte Schraube getauscht war. Ein Check am Massa-Auto ergab, dass dort alles in Ordnung war.

Verwirrung um verlorenen Red Bull-Flügel von Monza

Im Red Bull-Lager sorgten die Versuche von Ferrari, den Flügel kontrolliert zum Schwingen zu bringen für Heiterkeit. Zumal im Team alle glauben, Ferrari hätte beim Original aus Milton Keynes abgekupfert. In Monza war ein Teil des Webber-Flügels abgebrochen und niemals wiedergefunden worden. Der Verdacht, dass dieses Teil in Maranello aufgetaucht sei, wurde jedoch nicht ausgesprochen.

Im Fahrerlager machte Red Bull aber mit einer humoristischen Note die Runde. Teamchef Christian Horner versuchte in dem Zusammenhang einem englischen Journalisten weiszumachen, dass Red Bull den Flügel zurückerhalten habe. Komisch, wo sein Technikchef Newey tags zuvor noch in allen Einzelheiten davon erzählt hatte, dass besagtes Flügelteil nie wieder aufgetaucht sei.

In so einem Fall ist die Schlussfolgerung ziemlich einfach. Irgendeiner erzählt da nicht die Wahrheit. Angesichts Neweys detaillierter Schilderung hat wohl der Teamchef geschwindelt. Vermutlich um böswillige Verdächtigungen Richtung Ferrari im Keim zu ersticken. Genau das ist das Problem der Formel 1. Man versucht der Öffentlichkeit eine heile Welt vorzuspielen, die es nicht gibt.

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