Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Ferrari mit Mercedes-Plan

Topteams kaufen Personal-Markt leer

Ferrari - Boxenstopp - Formel 1 2013 Foto: Ferrari 23 Bilder

Die Zweiklassengesellschaft in der Formel 1 ist kein Hirngespinst. Es gibt sie schon lange, doch noch nie war die Kluft zwischen Arm und Reich so groß. Red Bull, Ferrari und Mercedes kaufen den Markt leer. Irgendwann arbeiten alle Top-Ingenieure bei diesen drei Teams.

18.09.2013 Michael Schmidt

Red Bulls große Stärke ist die Stabilität. Die Technik-Truppe ist seit 2007 eine verschworene Gemeinschaft. Seitdem gibt es kaum Zukäufe und auch nur ganz wenig Abgänge. Dafür kaufen Mercedes und Ferrari alles weg, was der Markt an Ingenieuren zu bieten hat. Red Bull hat diesen Schritt bereits vor sieben Jahren getan. In der Saison 2006 ging Dietrich Mateschitz mit dem großen Geldbeutel auf Einkaufstour, holte sich Adrian Newey und Peter Prodromou von McLaren, Rob Marshall und Paul Monaghan von Renault, Geoff Willis von Honda, Andy Green und Mark Smith von Jordan. Von Willis, Smith und Green trennte sich der Erfolgs-Rennstall später wieder. Doch das Gerüst für Siege und WM-Titel war geschaffen.

Red Bull kopierte McLaren

Nur ein Rennstall war ähnlich gut aufgestellt. McLaren hatte schon immer viele Hochkaräter an Bord. Ron Dennis und Martin Whitmarsh verteilten die Verantwortung mit Paddy Lowe, Pat Fry, Tim Goss, Neil Oatley, Simon Lacey, John  Iley und Simon Roberts auf viele Köpfe. Es ist kein Zufall, dass McLaren von 2010 bis 2012 Red Bulls größter Konkurrent war. Red Bull schlug McLaren mit den eigenen Waffen. Auch Lotus verfügte aus alten Benetton- und Renault-Zeiten lange Zeit über einen guten Fundus an erfahrenen Ingenieuren. Von Bob Bell über James Allison, Mike Elliott, Dirk de Beer, Martin Tolliday und Alan Parmane. Der Rennstall aus Enstone konnte sich trotz vergleichsweise schmalem Budget ständig an der Spitze halten.

McLaren und Lotus müssen bluten

Mercedes und Ferrari haben lange geschlafen. Man verließ sich auf ein, zwei große Namen, investierte nicht in die Breite. Mercedes, weil das Team nach der Übernahme von BrawnGP im Aufbau war, Ferrari, weil man sich vom Auseinanderbrechen des Dreamteams um Michael Schumacher erst einmal erholen musste. Red Bulls Erfolgsserie hat Mercedes und Ferrari wachgerüttelt. Beim einen wurde, beim anderen wird gerade personell aufgerüstet, als müsse man in einen Krieg ziehen. Einen Technikkrieg. Die Leidtragenden sind McLaren und Lotus. Nachdem die kleinen Teams geplündert wurden, sind jetzt die direkten Verfolger dran. McLaren verlor Fry, Lowe und Iley. Lotus musste Bell, Allison und de Beer ziehen lassen.

Mercedes ging auf große Einkaufstour

Mercedes kaufte Technikdirektoren, Aerodynamikchefs und Chefdesigner im Sortiment von der Konkurrenz. Bob Bell von Lotus, Geoff Willis von Red Bull mit der Zwischenstation HRT, Aldo Costa von Ferrari, Mike Elliott von Lotus, und zuletzt Paddy Lowe von McLaren. Zunächst haben alle gelacht. Zu viele Häuptlinge, zu wenig Soldaten. Seit dem Aufschwung in diesem Jahr lacht keiner mehr. Am allerwenigsten Red Bull. Es hat ein bisschen gedauert, bis die Mercedes-Ingenieure zusammengefunden haben, doch jetzt läuft die Maschinerie. Red Bull kennt das. Adrian Newey hat auch erst im dritten Jahr ein Siegerauto abgeliefert.

Ferrari gibt Gas - auch Byrne wurde reaktiviert

Ferrari hat gut aufgepasst. Dort passiert gerade, was Mercedes vorexerziert hat. Rette sich, wer kann. Maranello wedelt mit der großen Brieftasche. Der WM-Titel muss her. Präsident Luca di Montezemolo wird nach sechs titellosen Jahren ungeduldig. Pat Fry kam 2010 von McLaren nach Maranello. Jetzt geht es Schlag auf Schlag. Zuerst James Allison von Lotus, dann noch sein Kollege Dirk de Beer. Das alte Schlachtross Rory Byrne wurde reaktiviert. Der Mann, der Michael Schumachers Weltmeisterautos baute, gibt zu: "So wie beim nächstjährigen Ferrari war ich schon lange nicht mehr in die Konstruktion eines neuen Autos involviert." Byrne arbeitet 110 Tage Vollzeit in Maranello. Alle fragen sich: Wer kommt als nächster? Je unsicherer die Arbeitsplätze bei den kleinen Teams werden, umso leichter ist es für die Großen sie wegzulocken.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden