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Pleite in Kanada

Ferrari antwortet auf Kritik

Fernando Alonso GP Kanada 2011 Rennen Foto: xpb 51 Bilder

Ferrari wurde nach der Pleite von Kanada in den italienischen Medien schwer unter Beschuss genommen. Taktische Fehler, Kollisionen, nur acht Punkte statt einem Sieg. Rennleiter Stefano Domenicali wehrt sich gegen die Kritik.

14.06.2011 Michael Schmidt

Bei Ferrari ist schon wieder Dampf auf dem Kessel. Maranello träumte von einem Sieg in Montreal und bekam die Holzmedaille. Felipe Massa wurde Sechster, Fernando Alonso schied nach einer Kollision mit Jenson Button aus.

Alonsos Rückstand auf Sebastian Vettel beträgt 92 Punkte. WM-Titel adé. Nach dem Rennen hagelte es Kritik. In Italien wurde die überflüssigen Reifenwechsel im ersten Teil des Rennens unter Beschuss genommen, die Unfälle der Piloten und der fehlende Speed im Regen.

Rennleiter Stefano Domenicali hält die Kritik für überzogen. Mit einem Tag Abstand nahm der Ferrari-Capo zu den Vorwürfen Stellung. In seinem Lagebericht schwingt auch eine gewisse Bitterkeit mit. Da wünschte sich Ferrari einmal ein Trockenrennen und bekam dafür sintflutartigen Regen. "Im Training war unser Auto gut genug, dass wir darauf hoffen durften, um den Sieg mitzufahren. Leider passten Wirklichkeit und Vorhersage überhaupt nicht zusammen."

Strategie und Reifen passen nicht

Der Regen brachte Ferraris Pläne total durcheinander. So wie der Start hinter dem Safety-Car. Der verpflichtete alle Teilnehmer auf Regenreifen zu starten. "Fernando wäre lieber mit Intermediates losgefahren. Er fühlte sich auf diesen Reifen wohler. Felipe dagegen gab den Regenreifen den Vorzug, was man in der Anfangsphase des Rennens auch erkennen konnte", erklärt Domenicali.

Dann bezieht sich Ferraris Sportchef Auf Alonsos ersten Boxenstopp, als er in Runde 17 Intermediates aufziehen ließ, obwohl zwei Runden später über Montreal die Hölle losbrach. Es schüttete wie aus Kübeln. Domenicali verteidigt sich: "Button hatte vor uns auf Intermediates umgestellt. In seiner ersten freien Runde war er eine Sekunde schneller als Vettel und zwei als Fernando. Das bestärkte uns in der Ansicht, Fernando die Reifen zu geben, die er von Anfang an wollte."

Ferrari erkennt Regenvorhersage nicht

Doch hatte Ferrari für das Wetterradar von Meteo France keine Augen? "Sie haben Regen vorhergesagt, aber keinen schweren, und auch nicht für lange." Sauber-Teammanager Beat Zehnder widerspricht dieser Einschätzung: "Die Flächen über Montreal auf dem Radarschirm waren grün. Und grün bedeutet starker Regen. Deshalb haben wir Kobayashi und de la Rosa auf ihren Regenreifen draußengelassen. In so einer Situation bringt Hektik gar nichts. Ich bin überzeugt, dass viele einfach blind dem Beispiel Button gefolgt sind, weil der schnell auf den Intermediates unterwegs war."

Sauber profitierte von seiner Stillhaltetaktik. Kobayashi war beim Abbruch Zweiter, Aushilfspilot de la Rosa Neunter. Gemessen an den Startpositionen 13 und 17 ein riesiger Fortschritt. Die Ferrari-Piloten, die von den Positionen zwei und drei gestartet waren, lagen vor der Unterbrechung immerhin noch auf den Plätzen drei und acht. Noch also war Polen nicht verloren.

Karthikeyan und Button stehen im Weg

Nach dem Neustart fertigte Ferrari beide Autos hintereinander ab und rüstete von Regenreifen auf Intermediates um. Alonso kam vor Jenson Button auf die Piste, konnte sich aber nur drei Kurven vor dem späteren Sieger halten. Buttons Attacke endete für Alonso auf dem Randstein. "Jensons linkes Vorderrad hat Fernandos rechtes Hinterrad getroffen. Damit erübrigt sich die Frage, wer die Nase vorne hatte", übt Domenicali eine indirekte Schuldzuweisung.

Massas Weg kreuzte eines jener Autos, denen Ferrari gerne die Formel 1-Reife abspricht. "Karthikeyan fuhr langsam auf der trockenen Linie, und just als Felipe mit seinen Supersofts auf der nassen Spur zum Überholen ansetzte, begann der Hispania-Fahrer zu beschleunigen. So hat sich Felipe in die Mauer gedreht, was einen Extraboxenstopp nötig machte. Trotzdem fehlten ihm auf den Sieger nur ein paar Sekunden." Um genau zu sein: es waren dann doch 33,270 Sekunden.

Domenicali: "Ferrari hätte gewinnen können"

Domenicali blickt ich leichtem Zorn auf eine verpasste Chance zurück: "Wenn ich daran denke, dass wir am Sonntag unser erstes Rennen hätten gewinnen können, dann spüre ich so etwas wie Ärger in mir. Wir waren gut vorbereitet, aber alles löste sich im Lichte der unglaublichen Vorgänge in Rauch auf. Wenn ich mir das Rennen vor Augen führe, muss ich fast lachen. Der Sieger, dem ich herzlich gratulieren möchte, markierte einen neuen Rekord an Boxenstopps und lag immer hinter unseren Autos, solange die auf der Strecke fuhren. Button traf ähnliche strategische Entscheidungen wie wir. Das zeigt, wie schwer ein Rennen von außen zu lesen ist. Wir sind dafür übertrieben hart kritisiert worden. Ich weiß, dass das Resultat das Urteil der Kritiker beeinflusst, und ich kann damit leben, doch ich muss es nicht akzeptieren."

Ferraris erster Mann versucht deshalb noch einmal die positiven Erkenntnisse des GP Kanada herauszustreichen. Das beweist, wie groß der Druck in der Heimat ist: "Wir waren zum zweiten Mal in Folge siegfähig. Teils aufgrund der Streckencharakteristik, teils weil wir das Auto verbessert haben. Wenn wir diesen Weg weitergehen, wird der Erfolg früher oder später kommen. Es macht keinen Sinn auf die WM-Stände zu schauen. Wir müssen es wie ein Fußballteam machen, das in der Tabelle zurückgefallen ist. Jedes Spiel isoliert betrachten und versuchen es zu gewinnen."

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