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Ferrari-Heimpleite in Monza

Wo lag der Fehler?

Vettel vs. Räikkönen - GP Italien 2017 Foto: sutton-images.com 68 Bilder

Ferrari kassierte in Monza eine böse Schlappe. Das hatte nichts mit Motor-Power oder einem genialen Mercedes-Trick zu tun. Sondern damit, dass Mercedes seine Fehler von Spa abstellte und Ferrari in Monza welche einbaute. Wir sagen welche.

09.09.2017 Michael Schmidt 11 Kommentare

Der Kommentar von Ferrari-Präsident Sergio Marchionne nach dem GP Italien war kurz und bündig. „Wir haben versagt.“ Teamchef Maurizio Arrivabene sprach von Fehlern, die man gemacht habe. Ohne ins Detail zu gehen, um welche Fehler es sich gehandelt haben könnte. Sebastian Vettel machte auf gute Stimmung, weil er nicht will, dass ein schlechtes Resultat das Team moralisch runterzieht. Ferrari braucht alle Kraft für Singapur. Ein Rennen, das man gewinnen muss.

Monza war eine Schlappe aus Sicht von Ferrari. Dass es ausgerechnet beim so wichtigen Heimspiel passierte, machte die Niederlage noch bitterer. In der verregneten Qualifikation am Samstag fehlten 2,279 Sekunden auf Lewis Hamilton. Nach 53 Runden am Sonntag betrug der Rückstand 36,317 Sekunden. Zwei Zahlen, die unreflektiert Angst machen müssten.

Doch selbst die Mercedes-Ingenieure gaben zu, dass Monza kein repräsentatives Bild im Kräfteverhältnis zwischen den beiden WM-Favoriten abgab. „Unser Auto war sehr schnell in Monza. Aber unsere Abstände zum Mittelfeld waren normal. Force India fehlten 1,4 Sekunden auf uns. Red Bull war sogar besser als erwartet. Das einzige, was nicht passt, ist die Leistung von Ferrari.“ Und das nur sieben Tage nach Spa, einer Strecke, auf der Ferrari die Silberpfeile fast ins Straucheln gebracht hätte.

Die Fehler von Mercedes in Spa

Ferrari - F1-Technik - Upgrades - GP Belgien / GP Italien 2017 Technik-Upgrades GP Italien Festtage für Technik-Fans

Das führt zu einer einfachen Schlussfolgerung: Mercedes war in Spa vielleicht nicht so gut, wie man hätte sein können. Und Ferrari war in Monza schlechter als es tatsächlich der Fall ist. Da sich die Autos in der Woche zwischen Spa und Monza kaum verändert haben, kann der Grund für die extremen Schwankungen eigentlich nur in der Fahrzeugabstimmung liegen.

Mercedes hatte schon in Spa den neuesten Spec 3.1 Motor im Auto. Und den gleichen Heckflügel. Der wurde in Monza nur auf etwas weniger Luftwiderstand getrimmt. Ferrari muss weiter auf seine letzte Motorenspezifikation warten. Doch das Leistungsdefizit war in Monza nicht größer als in Spa. Wenn wir uns die Verbräuche und das Einspeisen der Elektroleistung von Spa anschauen, dann liegt die Differenz bei zweieinhalb Prozent.

Ferrari brachte einen neuen Heckflügel zum Heimspiel. Man darf davon ausgehen, dass er besser für das schnellste Rennen des Jahres maßgeschneidert war als das Teil von Mercedes, von dem die Ingenieure behaupteten: „Er passte eigentlich besser in Spa und war in Monza ein kleiner Kompromiss.“ Den Top-Speeds nach zu urteilen, setzte Ferrari in Monza tendenziell auf mehr Anpressdruck.

Bei der Frage, warum Ferrari so viel Zeit auf Mercedes verlor, lässt eine Aussage von Mercedes-Teamchef Toto Wolff aufhorchen. Der Österreicher behauptete, man habe in Spa Fehler gemacht, diese analysiert und in Monza erfolgreich vermieden.

Wolff erwähnte, dass man das Auto in Belgien zu stark für eine Runde abgestimmt hatte, worunter dann der Speed im Rennen litt. „Wir hatten Probleme mit der Bremsstabilität, der Balance im Scheitelpunkt und der Traktion.“ Nur die Führungsposition rettete Hamilton: „Wäre Vettel einmal an mir vorbeigekommen, hätte ich ihn nicht mehr gekriegt.“

Ferraris Probleme im Regen

Formel Schmidt - Teaser - GP Italien 2017 - Screenshot
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In Monza war alles anders. Die Mercedes waren von der ersten Trainingsrunde an perfekt aufgestellt. Sie gewannen am Freitag die beiden Trainingssitzungen und bestimmten auch bei den Longruns das Tempo. Auf beiden Reifentypen. Vettel begründete den großen Rückstand mit Verkehr auf seinen Rennsimulationen und einer VSC-Phase, die die Reifen auskühlte. Er gab auch an, mit dem Auto noch nicht zufrieden zu sein. Immerhin fehlten im zweiten Training nur noch 0,140 Sekunden auf die Mercedes.

Als Ferrari am Samstag das Auto optimieren wollte, kam der große Regen. Und damit war es nicht mehr möglich, die Setup-Änderungen zu bewerten. Der riesige Rückstand auf Hamilton hat nicht viel zu sagen. Auch Valtteri Bottas lag über zwei Sekunden zurück. Von Bottas trennte Ferrari nur 0,154 Sekunden. Da war klar der Hamilton-Faktor im Spiel. Der Engländer versteht es meisterhaft, bei Regen und Kälte Temperatur in seine Reifen zu bringen.

Ferrari noch ein zweites Problem. Man brachte die kritischen Intermediates auf Temperatur, fiel aber mit den viel weicheren Regenreifen aus dem Fenster. Das ist ungewöhnlich. Experten deuten den Verlauf der Rundenzeiten so: „Vettel war erst langsam, hat sich dann Mercedes angenähert, ist ab einem bestimmten Punkt aber nicht mehr schneller geworden. Das spricht dafür, dass die Regenreifen überhitzt haben.“

Noch ein Punkt könnte eine Rolle für die schlechte Regenform von Ferrari gespielt haben. Die Regenreifen haben einen größeren Durchmesser als die Intermediates, eine andere Form der Reifenschulter, ein gröberes Profil. Das könnte die sensible Aerodynamik gestört haben. Vielleicht fiel der Ferrari mit der größeren Bodenfreiheit aus seinem Aero-Fenster. Mercedes hatte dieses Problem 2016 mit den Intermediates.

Grüne Strecke: Vorteil für Mercedes

Hamilton & Bottas - GP Italien 2017 Foto: xpb
Mercedes fuhr in Monza ein einsames Rennen.

Wer gehofft hatte, Ferrari würde sich am Sonntag erholen, sah sich getäuscht. Der Start aus der dritten Reihe war eigentlich schon der Todesstoß. Bis Vettel auf Platz 3 hinter den beiden Mercedes auftauchte, hatte er schon 9,1 Sekunden Rückstand. Das ist praktisch nicht mehr einholbar. Zumal die Mercedes zu Rennbeginn liefen wie die Hölle.

Das muss nicht verwundern. Nach dem Dauerregen vom Samstag war die Strecke noch grün. Da ist Mercedes immer stark, und keiner weiß warum. Nur ein Beispiel: Am Freitagmorgen betrug der Vorsprung auf die Konkurrenz 1,115 Sekunden. Am Nachmittag mit mehr Gummi waren es nur noch 0,140 Sekunden.

In Runde 15 hatten die Silberpfeile 13,4 Sekunden Vorsprung auf Vettel. Da begannen Hamilton und Bottas die Motorleistung zurückzudrehen. Ferrari machte das gleiche. So war der echte Unterschied nicht mehr zu erkennen. Vettel bezifferte ihn auf eine halbe Sekunde pro Runde. Als der Deutsche in der 40. Runde bei einem Ausrutscher in der ersten Schikane die Lenkung beschädigte, stiegen die Rundenzeiten noch stärker an. Bis Vettel wieder an der Motorschraube drehte, um sich vor Daniel Ricciardo zu schützen.

Ferrari in allen Kurven langsamer

Die Ferrari-Piloten sprachen davon, dass ihnen das Vertrauen ins Auto beim Bremsen fehlte. Kimi Räikkönen erwähnte ein nervöses Heck. GPS-Daten entlarven, dass die Ferrari in allen Kurven und natürlich auch auf den Geraden Zeit auf Mercedes und auch auf Red Bull verlor. Da spricht viel dafür, dass irgendetwas mit dem Setup nicht stimmte. Weil Bremsstabilität und Traktion eigentlich ein Markenzeichen des SF70H sind.

Noch etwas spricht für Fehler in der Abstimmung. Der Rückstand in Monza war ungefähr so groß wie in Silverstone. Nur sind Monza und Silverstone zwei völlig unterschiedliche Strecken. Die Silverstone-Erklärung passt also nicht für Monza. Sie hätte eher in Spa Relevanz gehabt. Auch die hohen Reifendrücke (23,0 PSI/21,0 PSI) und die geringen Radsturzwerte (3,0 Grad/2,0 Grad), die Mercedes traditionell bevorzugen, taugen nicht als Entschuldigung. Die gab es in Spa auch schon.

Ferrari muss seine Panne von Monza in Singapur korrigieren. Das sehen auch die Mercedes-Ingenieure so: „Wir sind realistisch und gehen nach Singapur im Glauben, dass Ferrari dort das bessere Auto hat. Wir waren in Barcelona, Monaco und Budapest langsamer als sie. Es wäre vermessen zu glauben, wir hätten diese Probleme seit Budapest gelöst. Wir werden ein paar Dinge probieren, von denen wir glauben, dass wir dort in die falsche Richtung gelaufen sind. Trotzdem ist Ferrari Favorit.“

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BrunoL, mir war nicht klar, dass man eine Antwort auf deine Posts explizit klarmachen muss, sorry...

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